Mein radelndes Kind im Blick haben, damit wir den Weg zur Kita ohne große Zusammenstöße mit anderen Verkehrsteilnehmern hinbekommen.
Sicher gehen, dass wir genug zu essen und zu trinken für den Spielplatzbesuch dabei haben.
Merken, dass das Kind aufs Klo muss, bevor es zu spät ist.
Das war lange mein Normalzustand. Nicht Ruhe, nicht Ankommen, sondern eine Art Hab-Acht-Stellung. Hat mein Kind Hunger? Schläft es noch? Schafft es die drei Treppen ohne Zwischenfall? Ich war immer zuständig, immer bereit, immer einen Schritt voraus.
Auf Dauer ist das ganz schön anstrengend. Und die Freude darüber, wenn etwas gelungen ist, währt nur kurz. Wie kann es also gelingen, auch im angespannten Alltag wieder Freude und Leichtigkeit zu verspüren?
Eine Antwort, die bei mir zuverlässig funktioniert: aufschreiben, was mich wirklich freut. Groß und klein, ohne es zu bewerten. Der Aufruf zur Indira Guptas Blogparade „Wir wählen Freude“ war für mich der Anlass, meine ganz persönliche Freude-Liste zu veröffentlichen.
Meine Freude-Liste
Ich merke es an einem bestimmten Gefühl. Der Tag war voll, aber irgendwie leer. Alles erledigt, nichts davon hat mich wirklich berührt.
Das ist für mich das Signal: Zeit für Freude.
Freude ist für mich kein netter Bonus. Sie gehört zur Selbstfürsorge dazu. Ohne sie wird das Leben grau, öde, eine Aneinanderreihung von Pflichten.
Deshalb führe ich eine Freude-Liste und überlege mir immer wieder, was ich davon in meinen Alltag einbauen kann. Damit mein Tag nicht mit diesem dumpfen Gefühl endet, brauche ich mindestens drei Punkte von meiner Liste. Am liebsten mehr. The more the merrier.
Eintauchen, versinken, sich treiben lassen
Hier geht es ums Abtauchen. Wenn ich etwas Schönes rein lasse (eine Geschichte, einen Moment, einen Geschmack), dann verschwinden die ToDos relativ zuverlässig aus meinen Kopf. Auch beim Essen kann ich so eintauchen, wenn ich nicht selbst überlegen und organisieren muss, sondern mich einfach einlassen kann.
- Ins Kino gehen und ganz in einer Geschichte versinken.
- Ein gutes Buch lesen. Nichts bringt mich so zuverlässig in eine andere Welt wie das Lesen.
- Immer wieder neue Lieblingsplätze zum Lesen finden. Mein aktueller Favorit: im aufgearbeiteten Deckchair unter dem Walnussbaum.
- Spontane Verabredungen. Klappt natürlich nur, wenn ausreichend Lücken im Kalender vorhanden sind.
- Etwas leckeres essen; am liebsten, wenn ich es nicht selbst zubereiten muss. Die größte Freude macht man mir, wenn ich nicht mal entscheiden muss, was ich essen will, sondern einfach überrascht werde. Für mich gibt es kaum was Schöneres, als mich an die gedeckte Kaffeetafel zu setzen und Käsekuchen zu essen. Oder einen Teller mit Risotto unter die Nase gehalten zubekommen. Bei diesen Freu-Momenten bin ich natürlich total von anderen abhängig. Aber ich revanchiere mich gerne mit dem Abwasch.
- Und die Sparversion vom vorherigen Punkt: mir einen großen Pott Tee kochen. Hände an der Becherwand wärmen, pusten, trinken, den heißen Dampf einatmen. „Nein, ich habe jetzt keine Hand frei. Ich brauche beide zum Teetrinken, sonst kleckere ich.”
In Bewegung sein
Bewegung bringt mich runter und gleichzeitig hebt es meine Stimmung. Die Bewegung holt mich ins Hier und Jetzt, und danach ist meine Laune fast immer besser als vorher. Und in Bewegung sein heißt für mich auch: unterwegs sein und mich dabei frei fühlen.
- Fahrrad fahren, ganz egal ob es eine lange oder kurze Strecke ist. Selbst bei nur 10 Minuten Fahrt hilft mir die monotone Bewegung meiner Beine, um im Hier und Jetzt anzukommen und Endorphine auszuschütten.
- Nachts durch eine Stadt fahren, in der ich mich einigermaßen auskenne. Kaum Verkehr, kein Stau, und es fühlt sich irgendwie viel freier an, als am Tag unterwegs zu sein.
- Lieblingsmusik im Auto hören und laut mitsingen.
- Auf ein Konzert gehen. Noch besser: auf ein Konzert gehen, bei dem ich mitsingen und tanzen kann. Das beginnt schon bei den Vorbereitungen. Das aktuelle Album des Künstlers hören. Mein Tanztäschchen raussuchen, mit allem Notwendigen bestücken und um die Hüfte hängen.
- Im Wald spazieren gehen, auch wenn ich das schon lange nicht mehr gemacht habe.
- Eine mehrtägige Radtour machen. Ja, mit Zelt und so. Am allerliebsten mit meiner besten Freundin, die immer mit weniger Gepäck als ich unterwegs ist und trotzdem alles dabei hat, auch für die Fälle, auf die ich mal wieder nicht vorbereitet bin. Jedes Mal nehme ich mir vor, beim Auspacken zu notieren, was ich umsonst mitgeschleppt habe. Und jedes Mal denke ich mir dann: „Ach was, das merke ich mir bis zur nächsten Tour!“
- Eine Reise machen, ohne bereits zu wissen, wo ich am Ende des Tages schlafen werde. Das klingt nach wenig Abenteuer, aber in meinem Leben ist sonst immer schon so viel geplant. Das nicht genau wissen, wo der Tag endet, ist eine schöne Abwechslung und bringt auch so ein kribbelndes Gefühl mit sich. Das klappt vor allem in der Nebensaison gut. Also nicht wirklich was für das Reisen mit (Schul-) Kindern.
Beobachten und entdecken
Grundsätzlich beobachte ich gerne. Das entspricht mir mehr, als selbst auf der Bühne zu stehen und den Ton anzugeben. Und beim Entdecken ist es dann dieses „Oh, spannend!“, und schon feuern meine Synapsen.
- In Ruhe beobachten und den eigenen Gedanken nachhängen. Am liebsten das Treiben in einer fremden Umgebung.
- Etwas Neues entdecken. Dabei ist es mir ziemlich egal, ob es eine neue Pflanze ist, die sich in meinem Garten angesiedelt hat, die Sonderausstellung eines Museums, ein Ort, an dem ich noch nicht war, oder ein Ort, den ich zu kennen meine und den mir jemand noch mal von einer anderen Seite zeigt (zum Beispiel wenn ich eine Stadtführung in Lüneburg mitmache oder weil mir jemand seinen Lieblingsplatz zeigt).
- Im überfüllten RE1 nach Rostock fahren. Na ja, nicht ganz. Aber mit der Regionalbahn bin ich tatsächlich gerne unterwegs. Ich mag es, Mitreisende zu beobachten, und freu mich, wenn sich ein interessantes Gespräch ergibt.
Sachen selbst machen
Kreativ werden. Sehen, wie eine Idee Form annimmt. Und am Ende dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit, wenn etwas vor mir liegt oder steht, das es vorher nicht gab.
- Kleidung selbst nähen. Mal beginnt es mit dem Schnitt, für den ich dann den passenden Stoff suche, mal ist der Stoff zuerst da und wartet auf den passenden Schnitt. Was mich nach wie vor immer wieder begeistert, ist, wenn ich am Ende ein Kleidungsstück in den Händen halte, das genauso geworden ist, wie ich es haben wollte.
- Sachen reparieren. Zum einen, weil ich es total blöd finde, wenn ich eine tip-top Winterjacke wegwerfen muss, nur weil der Reißverschluss nicht mehr will. Zum anderen, weil bei einer Reparatur auch durchaus Kreativität gefragt ist. Welchen Reißverschluss will ich einsetzen? Wie bekomme ich den ursprünglichen Look der Jacke hin? Oder gibt es vielleicht sogar eine Variante, die dafür sorgt, dass die Jacke dann besser wird als vorher?
- Geschenke basteln. Das habe ich schon als Kind gerne gemacht. In manchen Jahren hatte ich bereits vor den Herbstferien alle Weihnachtsgeschenke für meine Familie beisammen. Am liebsten arbeite ich dabei mit Papier: Alben, Notizbücher, Collagen, Erinnerungsmappen, Schöne-Tage-Boxen, usw. Die Idee, dazu einen Blog zu starten, schwirrt mir schon lange im Kopf rum. Mal sehen, wann sie Priorität bekommt.
- Fotoalben gestalten. Und mindestens genauso viel Spaß wie das Gestalten macht mir das Blättern in den Alben danach (Thema „Eintauchen und versinken”)
- Töpfern: Aus Matsch wird schön. Ich habe es noch nicht häufig gemacht, aber es mal mit der Scheibe auszuprobieren, habe ich mir fest vorgenommen.
- Keramik bemalen. Wie cool ist es bitte, dass es mittlerweile diese Läden gibt, in denen man Teller und Tassen bemalen kann?
- Im Garten rumbutschern. Ich bin wahrlich nicht mit einem grünen Daumen gesegnet, Zimmerpflanzen gehen in der Regel unter meiner Pflege ein. Aber draußen im Garten ist das was ganz anderes: Beete anlegen, Pflanzen umsetzen, Teich planen und zur Abwechslung auch mal die Beikräuter entfernen.
Was mir beim Schreiben klar wurde
Müsste ich Punkte vergeben, würden die meisten hinter den kreativen Aufgaben gehen. Diese Tätigkeiten versorgen mich mit langanhaltender Freude: bei der Planung, beim Tun und später dann auch beim Genießen. Blicke ich auf etwas, was ich selbst geschaffen habe, dann zeigt sich in den meisten Fällen ein Lächeln auf meinem Gesicht.
Aber Kreativität funktioniert bei mir nur, wenn ich entspannt bin. Wenn ich loslassen kann.
Und genau das konnte ich mit kleinen Kindern nicht. Mein Normalzustand war angespannt. Eine Art Hab-Acht-Stellung: Hat mein Kind Hunger? Schläft es noch? Ist die Windel voll? Habe ich alles Nötige für den Spielplatz- bzw. Arztbesuch eingepackt? Schaffen wir es, an der Bushaltestelle ohne Zwischenfälle an den wartenden Leuten vorbeizufahren? Habe ich den Termin für die nächste Vorsorgeuntersuchung schon vereinbart?
Und selbst wenn ich nicht für meine Kinder zuständig war, habe ich die kinderfreie Zeit meistens mit nützlichen Tätigkeiten verbracht (Wäsche aufhängen, einkaufen, Steuererklärung machen), statt mir Zeit für Kreativität zu gönnen.
Freude finden, auch wenn es schwer ist
Was mir geblieben ist, in den Jahren, in denen für die großen Freuden nur wenig Platz war: mich von der Freude anderer anstecken lassen.
- Meine Kinder ganz genau beim Spielen beobachten und mich dann darüber freuen, was sie schon alles können, wie sie die Welt entdecken, wie sie in ihrer Tätigkeit versinken.
- Für meine Kinder ein Buch, ein Hörspiel oder eine Sendung aussuchen, die ich auch mag, und dann gerne vorlesen, mithören, mitschauen. Und dabei beobachten, wie meine Kinder in der Geschichte versinken. Das ist immer wie ein kleiner Ausflug von der Wirklichkeit. Und kann uns wunderbar die Wartezeit vertreiben, auf den Zug, beim Zahnarzt.
- Mit Lieblingsmusik im Ohr eine Runde spazieren gehen. Oder, wenn das gerade nicht geht, weil noch so viele nützliche Tätigkeiten getan werden wollen, während einer nützlichen Tätigkeit laut Musik hören.
Freude braucht bei mir also nicht immer den freien Nachmittag und den entspannten Kopf. Manchmal reicht es, sie in das einzuweben, was sowieso ansteht.
Freude ist eine Entscheidung
Freude ist bei mir kein Zustand, der einfach da ist, wenn die Umstände stimmen. Denn die Umstände stimmen nämlich selten.
Sie ist eine Entscheidung. Und zwar eine ganz bewusste.
Auch an den Tagen, an denen für stundenlanges Lesen unter dem Schatten des Walnussbaumes oder die ausgedehnte Radtour mit meiner besten Freundin kein Platz ist.
Du kannst das auch. Schnapp dir Zettel und Stift und schreibe deine ganz persönliche Freude-Liste.
Und dann: Was kannst du tun um heute noch einen Freu-Moment zu haben? Was kannst du tun um morgen auf drei Freu-Momente zu kommen?
Manchmal reicht schon das. Und manchmal ist der Weg dahin weiter, als eine Liste zu schreiben.
Genau da setzte ich in meinem 1:1 Coaching an: Wieder Freude in den Alltag zu bringen ist eines der häufigsten Ziele meiner Kundinnen. Wenn deine Freu-Momente gerade in unerreichbarer Ferne liegen, lass uns in einem Kennenlerngespräch schauen, wie du sie dir zurückholst.












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