Sonntagvormittag, Mitte August. Ich sitze mit einer Tasse Kaffee vor dem Laptop und scrolle durch die Kommentare unter meinem Blogparaden-Aufruf.
Fünf Links. Fünf Beiträge.
Ich klicke mich noch einmal durch, obwohl ich jeden einzelnen längst gelesen habe.
Fünf. Nicht zehn, wie ich es mir vorgenommen hatte.
Mein blauer DISC-Anteil sagt ganz nüchtern: Nicht bestanden. Und trotzdem sitze ich hier und grinse in meinen Kaffee, weil sich das gerade überhaupt nicht wie Scheitern anfühlt.
Warum ich überhaupt eine Blogparade gestartet habe
Ich habe selbst schon an einigen Blogparaden teilgenommen. Und jedes Mal habe ich es genossen, mir zu einem vorgegebenen Thema Gedanken zu machen.
Das fühlt sich anders an als früher der Aufsatz in der Schule. Da war häufig das MÜSSEN der Treiber, aber Blogparaden sind für mich definitiv WOLLEN. Kurze Randnotiz: Das Müssen war auch Thema einer anderen Blogparade, an der ich vor ein paar Wochen mit Was, wenn du gar nicht musst? teilgenommen habe.
An einer Blogparade reizt mich die Vielzahl der Perspektiven, die auf diese Weise zu einem Thema zusammenkommen kann. Als beitragende Person habe ich immer gerne in den Beiträgen der anderen gelesen. Jetzt wollte ich wissen, wie sich das von der anderen Seite anfühlt.
Und Spielen ist noch dazu ein Thema, für das ich brenne. Besonders die Bindungsspiele. Mich interessiert einfach, welchen Stellenwert das Spielen für andere Menschen hat. Geht es anderen auch so wie mir? Oder bin ich mit meinem Spiel-Spleen allein?
Also habe ich mir für meine erste eigene Blogparade ein ambitioniertes Ziel gesetzt: 10 Beiträge. Heißt ja schließlich überall, dass man seine Ziele nicht zu niedrig stecken soll.
Herausgekommen sind fünf. Aber wenn ich das jetzt so aufschreibe, fühlt sich das nicht wie ein Scheitern an. Fünf Menschen haben sich Zeit genommen, in ihre eigenen Erinnerungen einzutauchen und sie mit mir und euch zu teilen. Das ist kein halbes Ergebnis. Das sind fünf ganze Geschichten.
Die Beiträge zur Parade
Die Frage, die ich in den Raum gestellt hatte: Welche drei Spiele begleiten dich durchs Leben? Herausgekommen ist eine Sammlung, die mich überrascht hat (aber genau darin liegt ja schließlich der Sinn einer Blogparade).
Nicole Schrempf: 3 Spiele, die mich begleiten
Nicole war selbst Lehrerin, hat der Schule aber den Rücken gekehrt, um mit „anders.macht Schule“ Familien als Coach zu begleiten. Sie hilft Eltern genau dann, wenn der Küchentisch zum zweiten Klassenzimmer wird und Hausaufgabenstress den ganzen Familienalltag bestimmt. Ihr geht es dabei immer um echte Verbindung statt um Leistungsdruck – eine Haltung, die auch in ihrem Blogparaden-Beitrag durchscheint.
Nicoles Beitrag hat bei mir sofort dieses nostalgische Gefühl ausgelöst. Ihr Opa neben ihr am Computer, dieses Bild hat sich direkt in meinem Kopf festgesetzt. Besonders spannend fand ich die Brücke, die sie zur Neugier und zum Tüfteln schlägt. Vielleicht ist genau das eine Basis für unseren Erfindergeist: Weil ein hinreichend großer Teil von uns das Finden neuer Lösungen „spielt“, entwickelt sich unsere Welt weiter.
Silke Schwerdtfeger: 3 Spiele für Konzentration, die mich bis heute begleiten
Silke ist Lerncoach, Lese-Rechtschreib- und Rechenschwäche-Trainerin und obendrein Grundschullehrerin und Schulleiterin in Rostock. Mit „Sorglos Lernen“ ist sie überzeugt: Lernen kann für jeden Spaß machen, und jeder Mensch kann Erfolge erleben. Sie bringt mit ihren Ansätzen Bewegung, Konzentration und Lernen zusammen – genau diese Verbindung zieht sich auch durch ihren Beitrag zur Parade.
Silke stellt in ihrem Beitrag klassische Spiele vor und zeigt, wie diese drei Spiele sie als Kind, als Mutter, als Lehrerin und heute als Lerncoach begleitet haben. Ihr Blick auf Make ’n‘ Break hat mir gleich eine neue Perspektive geschenkt. Meine Kinder lieben es, ich konnte ihm bisher eher wenig abgewinnen. Aber mit Silkes Worten im Hinterkopf werde ich mich auf die nächste Spielrunde ganz anders einlassen können.
Anette Schade: Ohne Spielen ist ein Leben möglich, aber nicht sinnvoll
Anette ist vieles: Sozialpädagogin, Plan-B-Expertin (like!), Coach für Stressbewältigung und Burnout-Prävention, außerdem NLP-Master und Selbstbehauptungstrainerin. Sie hilft vor allem Menschen in sozialen und pädagogischen Berufen dabei, wieder Klarheit zu finden.
„Nur drei Spiele?“ war Anettes erster Gedanke zu meinem Aufruf. Für sie ist Spielen so viel mehr als nur ein angenehmer Zeitvertreib und das merkt man ihrem Beitrag an. Mit Spielebus, Spielverleih und Spiel-AGs hat sie einen Fundus an Erfahrungen mitgebracht, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Ihr Beitrag zeigt eindrücklich: Spielen bringt uns Menschen in Verbindung. Und so manches Gespräch lässt sich erst führen, wenn man miteinander spielt oder gespielt hat.
Edith Gould: 3 Spiele, die mich durch mein Leben begleiten
Edith ist Schriftstellerin aus der Zentralschweiz und nach eigener Aussage „schreibsüchtig“. Ihren Lebensunterhalt verdient sie aktuell noch als Raumpflegerin, ihr Herz aber gehört der Literatur: Ihr Debütroman „Karpfen im Froschteich“ ist eine Liebeskomödie. Mit Humor, Wärme und einem stets griffbereiten Notizbuch für Alltagsbeobachtungen erzählt sie auch auf ihrem Blog aus ihrem Leben.
Dass Edith an einem ganz anderen Ort lebt hat ihren Beitrag für mich so wertvoll gemacht. Denn keines ihrer drei vorgestellten Spiele kannte ich vorher. Man weiß eben nicht, was man nicht weiß. Jetzt halte ich Ausschau nach Deutschschweizer Spielkarten und werde der bayrischen Verwandtschaft den Schellenjass als Alternative zum Neunern vorschlagen.
Mara Hoffmann: Spiele für kleine Katzenfreunde
Mara ist zertifizierte Katzenverhaltensberaterin und Pädagogin aus Nordwestmecklenburg. Sie hat sich darauf spezialisiert, Familien mit Kindern und (oft ängstlichen) Katzen zu begleiten, damit aus Nebeneinander ein echtes Miteinander wird. Vertrauen, Empathie und der Blick fürs große Ganze stehen bei ihr vor schnellen Patentrezepten.
In ihrem Beitrag stellt Mara drei Spiele vor, die auf den ersten Blick nicht unbedingt in die Spiel-Schublade passen wollen. Und wenn wir es schaffen uns davon zu lösen, dass Spiele immer etwas mit einem Brett, Würfel, Ball oder Karten zu tun haben müssen, dann sehen wir auch die spielerischen Aspekte in diesem Tun. Wie können wir eine leckere Pfannkuchentorte (Findus lässt grü0en) backen? Wie kümmern wir uns um altersschwache Vierbeiner? Können Katzen zählen?
Mein eigener Beitrag: 3 Spiele, die mich begleiten
Natürlich habe ich mir die Frage auch selbst gestellt. In meinem Beitrag erzähle ich von Räuber-Romme, das ich als Kind von meiner Oma gelernt habe – einer kreativen, schnellen Kartenspiel-Variante, bei der sich über die Zeit meistens alles ausgleicht und Gewinnen fast nebensächlich wird. Außerdem von meiner Entdeckung der kooperativen Spiele (“Krass, so kann man also auch spielen!”) und schließlich von den Machtumkehrspielen, die unseren Familienalltag so erleichtert haben.
Fazit: Das war nicht das letzte Mal
Sechs Perspektiven auf dieselbe Frage, meine eigene mit eingerechnet. Sechs völlig unterschiedliche Kindheiten, Familien, Leben. Und doch taucht in jedem Beitrag dasselbe auf: Spielen verbindet. Über Generationen, Katzen und Kinder hinweg.
Was bei mir hängen geblieben ist, ist mehr als nur ein warmes Gefühl.
Ich werde Make ’n‘ Break eine zweite Chance geben. Silkes Blick auf das Spiel hat mich neugierig gemacht, wo vorher nur Genervtsein war.
Ich werde mich nach Schweizer Spielkarten umsehen. Der Schellenjass wartet schon auf seinen Auftritt bei der nächsten Kartenspielrunde.
Und ich werde Maras Rezept für die Pfannkuchentorte ausprobieren. Wir sind nämlich auch große Pettersson-und-Findus-Fans. Da darf die Torte nicht fehlen.
Spaß hat’s gemacht. Aller Voraussicht nach wird dies nicht meine letzte Blogparade gewesen sein.










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