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Was sind Bindungsspiele und was sind sie nicht

Was sind Bindungsspiele und was sind sie nicht


Bindungsspiele haben nichts mit Fesseln oder Anbinden zu tun. Niemand wird hier festgezurrt 😉

Stattdessen sind Bindungsspiele Aktivitäten, die auf den ersten Blick völlig „unnütz“ wirken. Danach sieht die Küche immer noch aus wie ein Schlachtfeld. Und vermutlich hat auch niemand die Wäsche aus dem Trockner geräumt.

Und trotzdem sind sie Gold wert. Ihr Nutzen zeigt sich nicht sofort. Aber wenn du einmal verstanden hast, was Bindungsspiele wirklich bewirken, pfeifst du auf die perfekt gefaltete Wäsche. Versprochen.

Du hast ziemlich sicher schon Bindungsspiele gespielt, ohne sie so zu nennen. Die meisten Menschen tun das ganz automatisch – vor allem mit Babys und Kleinkindern.

Also, Vorhang auf für die Bindungsspiele: Was sind sie wirklich und was sind sie wirklich nicht.

Was bringen Bindungsspiele?

Ein Bindungsspiel stärkt die Bindung zwischen den Menschen, die es spielen. Zum Beispiel zwischen dir und deinem Kind. Das klingt erstmal banal – deshalb heißen sie ja Bindungsspiele.

Aber die Wirkung geht tiefer.

Eine gestärkte Bindung bedeutet für dein Kind:

  • mehr Sicherheit
  • mehr Vertrauen
  • mehr emotionale Stabilität
  • mehr Kooperationsbereitschaft

Und für euch beide bedeutet es: mehr Nähe. Und Nähe löst Konflikte.

Je mehr echte Verbindung da ist, desto weniger müsst ihr euch im Alltag verhaken. Das heißt nicht, dass ihr nie wieder streitet. Aber vieles entspannt sich, bevor es eskaliert.

Bindungsspiele helfen deinem Kind außerdem dabei Stress abzubauen, Ängste zu verarbeiten und den jeweils nächsten Entwicklungsschritt mutig zu gehen

Für wen sind Bindungsspiele ideal?

Eigentlich für alle Eltern.

Vor allem für diejenigen, denen ihre Beziehung zum Kind wichtiger ist als ein perfekt funktionierender Alltag. Bindungsspiele bringen dich schneller in echten Kontakt mit deinem Kind als jedes noch so kluge Gespräch. Denn Kinder öffnen sich über Verbindung – nicht über Vorträge.

Besonders gut lassen sich Bindungsspiele bis zur Vorpubertät spielen. Aber auch Teenager sind manchmal überraschend offen, vor allem für Nonsens- oder Machtumkehrspiele.

Wann brauchst du Bindungsspiele?

Du brauchst sie nicht zum Überleben. So wie du auch nicht unbedingt Strandspaziergänge oder Freunde, mit denen du am Lagerfeuer sitzen kannst, brauchst. Aber willst du wirklich ohne sie leben?

Bindungsspiele eröffnen dir und deinem Kind eine bunte, lebendige Beziehungswelt.

Gerade in stressigen Alltagsmomenten sind sie echter Balsam.

  • Wenn morgens die Stimmung kippt
  • Wenn nach der Schule alles explodiert
  • Wenn ihr euch ständig aneinander reibt
  • Wenn ein Entwicklungsschritt ansteht (Einschulung, Kita-Start, neue Phase)

Dann kannst du Bindungsspiele ganz bewusst einsetzen.

Sie lockern angespannte Situationen auf.
Sie fördern Kooperation.
Sie holen euch aus dem Machtkampf raus.

Wenn du dir einen entspannteren Familienalltag wünschst, sind Bindungsspiele kein Luxus – sondern ein unverzichtbares Multi-Tool.

Was sind Bindungsspiele nicht?

Du merkst schon, ich liebe die Bindungsspiele. Aber bevor du dich näher mit ihnen beschäftigst, lass mich ein paar Missverständnisse ausräumen.

Bindungsspiele sind keine Erziehungstricks

Einige Eltern verstehen Bindungsspiele als Lösung für ein konkretes Problem. Zum Beispiel: Wie bekomme ich mein Kind dazu, dass es sich die Zähne putzen lässt?

Ja klar, man kann mit Bindungsspielen allerlei Alltagssituationen lustiger und stressfreier gestalten.

Aber hinter den Bindungsspielen steht die Haltung der bewussten Elternschaft: seinen Kindern jeden Tag eine gewisse Zeit lang volle Aufmerksamkeit zu widmen, ohne jedoch deren Aktivitäten zu lenken. Sie sanft zu annehmbaren Verhalten anzuleiten, ohne sie zu kontrollieren (belohnen, bestechen, bestrafen) und dabei die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen. 

Bindungsspiele sind keine manipulativen Techniken, um Gehorsam zu erzwingen oder dein Kind zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen.

Bindungsspiele sind kein Laissez-faire-Modell

Vielleicht sagt da eine Stimme in dir: „Wie jetzt, ich soll mit meinem Kind ein Machtumkehrspiel spielen? Und als Nächstes tanzen es mir auf der Nase herum?!“

Deine Sorge ist unberechtigt. Keines der Bindungsspiele ist ein Freifahrtschein für grenzüberschreitendes Verhalten. Und dein Kind kennt den Unterschied zwischen Spiel und dem anderen Leben.

In den allermeisten Fällen ist Kindern bewusst, dass eine geänderte Rollenverteilung nur für die Dauer des Spiels gilt.
Sollte dein Kind das einmal vergessen, kannst du es einfach freundlich daran erinnern.

Bindungsspiele sind keine einseitige Unterhaltung

Ein Bindungsspiel funktioniert nur, wenn du präsent bist.

Es dient weder der Bespaßung deines Kindes noch wird es funktionieren, wenn du innerlich schon auf die Uhr schaust oder im Kopf bereits die Einkaufsliste für morgen schreibst.

Bindungsspiele sind kein Auslachen

Bei ganz vielen Bindungsspielen geht es lustig her, denn gemeinsames Lachen löst angestauten Stress sehr gut. Aber es geht nie darum, sich über jemanden lustig zu machen.

Ironie, Sarkasmus oder bewusstes Lächerlichmachen haben dort nichts verloren. Solches Verhalten wirkt bindungsschädigend statt heilend.

Bindungsspiele sind keine „Glücklichmacher“, wenn dein Kind traurig oder wütend ist

Ja, es ist manchmal sehr schwer auszuhalten, wenn unsere Kinder traurig oder wütend sind. Aber egal, wie negativ diese Gefühle in unserer Gesellschaft besetzt sind – sie haben beide ihre Berechtigung und wollen gefühlt werden.

Wenn dein Kind sehr traurig oder wütend ist, dann braucht es deine Nähe. Ohne ein Spielangebot.

Sei einfach da und begleite es durch das Gefühl.

Fazit: Warum du Bindungsspiele unbedingt ausprobieren solltest

Bindungsspiele sind kein Zaubertrick. Sie lösen nicht jedes Problem. Sie machen aus deinem Familienalltag keine Dauer-Instagram-Story.

Aber sie verändern etwas Entscheidendes:
Sie stärken eure Verbindung.

Und Verbindung ist die Basis für alles.

Wenn die Bindung zwischen dir und deinem Kind stabil ist, wird Kooperation leichter.
Grenzen werden besser angenommen.
Konflikte eskalieren seltener.
Und selbst wenn es kracht, findet ihr schneller wieder zueinander.

Bindungsspiele sind wie kleine Inseln im Alltagschaos.

Vielleicht kostet es dich am Anfang etwas Überwindung.
Vielleicht fühlt es sich ungewohnt an, bewusst Quatsch zu machen oder dich „schwach“ zu stellen.

Aber glaub mir: Dein Kind braucht dich nicht im Super-Mama-Kostüm.
Es braucht dich in echt. In zugewandt. Und manchmal in ein bisschen albern.

Also probier es aus. Am besten gemeinsam mit anderen Eltern.

Wo? Na in der Spielpause. In diesem Kurs findest du in vier Wochen zurück zu einer liebevollen Verbindung mit deinem Kind. Weg vom Schimpfen und Dauerstress, hin zu mehr Gelassenheit, Nähe und echtem Miteinander.

Hausaufgabenzeit: Mutter und Kind sitzen am Tisch und die Anspannung steigt.
Mutter und Kind sitzen am Tisch bei den Hausaufgaben, Heft und Stifte liegen am Boden. Das Kind weint und ist wütend. Auch der Mutter ist zum Heulen zumute.
Mutter und Kind sitzen am Tisch, Mutter hat sich einen Stift-Schnurbart zwischen Mund und Nase geklemmt und bringt so ihr Kind zum Lachen.

Wer schreibt hier?

  • Ulrike Wolf

    ist Mama-Coach, Mutmacherin und Möglichmacherin.

    Sie begleitet Mütter dabei, aus dem Dauerstress des Alltags auszusteigen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und echte Verbundenheit im Familienleben zu schaffen. Dabei greift sie auf eigene Erfahrungen als Mutter zweier Kinder, fundierte Coaching-Methoden und ihr Wissen zur Nervensystemregulation zurück.

    WebsiteInstagram

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