Q3 2026: “Tauch unter!”

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Q3 2026: “Tauch unter!”

Zwei Worte, und wir Kinder waren verschwunden. Unter dem Tisch, zwischen Tischbeinen und Erwachsenenknien.

Jahrzehntelang habe ich nicht mehr daran gedacht. Dann kam dieser Sommer. Und mit ihm ein Blogartikel, der mich mit einem Schlag 35 Jahre zurückgeworfen hat.

Es war nicht die einzige Überraschung in diesem Quartal. Hier ist mein Rückblick auf Juli, August und September.

“Boah, wieso gibt es hier keinen Fernseher?!”

Nach anfänglichen logistischen Herausforderungen konnte ich diese Sommerferien wirklich genießen. Denn sechs Wochen lang schulfrei zu haben, nimmt doch eine ganze Menge Stress und Druck aus dem Familienalltag. Wie viel Druck Schule da reinbringt, wurde mir wieder mal bewusst, als er weg war. Dabei liegt es nicht nur am frühen Aufstehen. Denn frühes Aufstehen, weil man zum Sportcamp fährt, ist im Vergleich zum frühen Aufstehen, weil es in die Schule geht, fast schon angenehm.

Wir haben als Familie in diesem Jahr die Eifel erkundet und waren ganz begeistert von diesem Flecken Erde. Die Ferienwohnung war genau richtig für uns (“Boah, wieso gibt es hier keinen Fernseher?!” … “Habt ihr das etwa extra so ausgesucht?”). Außerdem konnten wir von ihr aus richtig gut die Gegend erkunden, ohne ins Auto steigen zu müssen. 

In diesen Ferien zeigte sich bei uns ein Muster, dass ich aus meiner eigenen Jugend kenne. Allerdings dachte ich immer, es hätte damit noch Zeit bis zur Pubertät 🙈. Vielleicht kennst du das ja auch: Da plant man eine Unternehmung und egal was es ist, es wird gemotzt. Den Reflex einfach bockig zu sagen “Dann eben nicht!” spüre ich deutlich, aber das bringt ja auch nichts. Denn damit beraube ich mich selbst eines schönen Erlebnisses. Und wenn wir dann erstmal losgefahren sind, mitten in der Aktion stecken, dann finden die Kinder es doch ganz cool. Und können sich dann manchmal gar nicht mehr daran erinnern, dass sie vorher so eine Show gemacht haben.

Und so waren wir dann doch Flusswandern in der Ahr (spontan die Route ins Wasser verlegt), Tretbootfahren und haben die kühlen Temperaturen in alten Bergwerken genossen.

Steinbrücke über einem kleinen Fluss, im Hintergrund Berge und Häuser.
Kaum zu glauben, dass dieses Füßlein vor ein paar Jahren für so viel Zerstörung gesorgt hat. Die Wiederaufbauarbeiten am Ufer sind noch nicht abgeschlossen.
Kinder gehen durch den Fluss Ahr.
Das Wandern in der Ahr war deutlich angenehmer als das Wandern neben der Ahr.

Den krönenden Ferienabschluss aus Kindersicht gab es dann auf dem Hamburger Dom mit den Großeltern. Bei dieser Unternehmung wurde auch vergleichsweise wenig gemotzt. Als gut geschulte Volksfestbesucher haben die auch wirklich alles mitgemacht: Egal ob Dosenwerfen, Kamelrennen, oder Auto-Scooter. Und eine Runde Kettenkarussell durfte natürlich auch nicht fehlen.

Viel hilft viel

Die Sommerzeit war für mich auch wieder Blogparadenzeit. Zum einen habe ich selbst wieder an drei spannenden Paraden teilgenommen und zum anderen hatte ich in diesem Jahr auch die Idee, eine eigene zu veranstalten. Das Thema war schnell gefunden, aber ohne Teilnehmende ist es ja noch keine Parade. Also habe ich viele, viele Nachrichten an mir bekannte (und unbekannte) Blogger geschrieben. Glücklicherweise fällt es mir überhaupt nicht mehr schwer, in so einer Sache auf Menschen zuzugehen. Meinen Leute-Anschreiben-Muskel habe ich wohl gut trainiert 😉.

Und siehe da: Viel hilft viel. Am Ende haben sechs Bloggerinnen mitgemacht und ich habe mich wahnsinnig über das Potpourri an Spielen gefreut, das auf diese Weise zusammengekommen ist.

Besonders spannend fand ich den Beitrag von Edith Gould. Sie beschreibt eine typische Jassen-Runde: eng an den Tisch gerückt, festgelegte Abläufe, die Ernsthaftigkeit der Erwachsenen und das permanente Stimmengewirr.

Ich habe die Zeilen gelesen und war mit einem Schlag 35 Jahre jünger.

Familienfeiern bei uns. Die Erwachsenen redeten und redeten, und irgendwann wurde uns Kindern das einfach zu langweilig. Wir saßen an einer eng bestuhlten Tafel. Musste jemand in der Mitte raus, durften gleich die Nachbarn mit aufstehen. Wie im Kino und Theater.

Wegen der Kinder wollten die Großen meistens nicht aufstehen. Da hieß es dann: “Tauch unter!”. Und das war unser Signal, unter dem Tisch zu verschwinden, zwischen Tischbeinen und Erwachsenenknien hindurch. Irgendwo am Ende tauchten wir dann wieder auf, es sei denn, wir beschlossen, es uns in der Tisch-Höhle gemütlich zu machen.

Es ist erstaunlich, wie präzise eine fremde Erinnerung die eigene treffen kann. Edith hat meine Familienfeiern nie erlebt, ich kenne das Jassen nicht (oder die anderen Spiele, die sie vorstellt) und trotzdem hat ihre Beschreibung genau den Raum wieder aufgemacht, in dem ich mit dem Rücken unter der Tischplatte entlangkroch.

Juhu, endlich ohne Bildschirm

Im September war es wieder so weit: Die nächste Runde der Spielpause ist gestartet. Und eigentlich waren es auch zwei Runden, denn diesmal gab es genügend Anmeldungen, um den Kurs auch vor Ort im Finkatelier zu geben. Was habe ich mich gefreut. Grinsend wie ein Honigkuchenpferd bin ich an diesem (und den anderen drei) Abend(en) zum Kursraum geradelt. Es war so schön, mit Menschen zu sprechen, ohne einen Bildschirm dazwischen zu haben.

5 Exemplare vom ausgdruckten Workbook für den Eltern-Kurs Spielpause.
In der Vor-Ort-Variante bekommen die Teilnehmenden das Workbook in ausgedruckter Form. Vorab Ausdrucke sortieren und heften hat schon etwas Meditatives.

Und auch der Austausch zwischen den Teilnehmenden hat wunderbar funktioniert. Eine Mutter berichtete von einer bestimmten Spielszene und beim nächsten Treffen wurde sie mit “Ich habe übrigens deine Idee geklaut, hat bei uns auch super geklappt.” begrüßt. Und genauso habe ich mir das beim Konzipieren dieses Elternkurses auch gedacht. Dass Eltern sich untereinander inspirieren und nicht nur an meinen Lippen hängen. An einem Abend zündete ein regelrechtes Ideenfeuerwerk. Jemand brachte eine bestimmte Situation in die Runde und fragte, wie man sie lösen kann, und schwupps schossen die Spielvorschläge in einer Geschwindigkeit durch die Luft, die das Mitschreiben schwer machte.

Ja, und bei so einem Ideenfeuerwerk kann es natürlich durchaus sein, dass einem die ein oder andere Rakete durch die Lappen geht, dass man eine Idee nicht festhält. Da mag es wie ein Nachteil scheinen, dass die Treffen der Spielpause nicht aufgezeichnet werden. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass es gar nicht erst zu einem solchen Feuerwerk kommt, wenn ich die Spielpause aufzeichne. Denn nach meiner Erfahrung hauen die wenigsten Menschen spontan einfach Ideen raus, wenn sie wissen, dass eine Ton- oder Videoaufzeichnung erstellt wird. Dann gibt es etwas in ihnen, das sie an der kurzen Leine hält. Vielleicht ein innerer Kritiker, der sagt: „Jetzt spiel dich nicht so in den Vordergrund. Wer will denn schon deine Ideen hören? Was bitteschön hast du denn zu diesem Thema beizutragen?!“

Ich habe mich für die Vergänglichkeit des Feuerwerks entschieden. Auch weil bei mir so ein Kritiker wohnt. Wenn mein Kritiker weiß, dass nichts per Film und Ton für die Ewigkeit konserviert wird, lässt er auch mal alle fünfe gerade sein. Und spannend ist auch, was passiert, wenn mehrere Menschen gleichzeitig dieses Feuerwerk beobachten. Alle blicken gebannt in den Himmel, finden’s schön, obwohl nie alle das Gleiche sehen. Denn jeder nimmt andere Raketen wahr. Für die Spielpause übersetzt heißt das: Jeder geht mit anderen Spielideen raus. Wenn du auch gerne Feuerwerk schaust, dann kannst du dich hier auf die Warteliste für die nächste Spielpause setzen.

Was im 3. Quartal 2026 sonst noch los war

  • Lüneburger Kultursommer
    In den letzten Jahren hat es nie gepasst, zu einem der Konzerte zu gehen. Meistens fehlte mir die Begleitung. Und dieses Jahr hat mich keiner der Künstler so wirklich angesprochen. Ich war dann aber doch auf einem der Konzerte und war begeistert. Nicht von der Musik (ist in diesem Fall einfach nicht mein Ding), aber davon, wie Kamrad mit dem Publikum interagiert hat. Und vom allgemeinen Setting des Open Airs. Da kam richtig Festival-Feeling auf, auch das Wetter hat mitgespielt. 
  • Nähfreude
    Mit der Ferienzeit hatte ich auf einmal ganz unverhofft freie Stunden für mich. Und da auch noch einiges an Stoff gut verpackt in Kisten schlummert, habe ich mich endlich an ein lang geplantes Nähprojekt gesetzt. Der eigentliche Stoff ist so fein, dass ich mich nicht direkt an ihn ran traute und zum ersten Mal in meinem Leben ein Probekleid aus einem anderen Stoff genäht habe. Und das wirklich Schöne daran: Dieses Probekleid ist so gut geworden, dass ich es direkt zu einer Familienfeier getragen habe. Jetzt weiß ich: Der Schnitt ist gut, wie er ist, und nun kommt in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft das eigentliche Kleid dran. 
  • Ganztag
    Mit dem Schulbeginn nach den Ferien war sie wieder da: Die vertraute Mischung aus bleierner Müdigkeit (“Warum muss ich so früh aufstehen?”), frischem Elan und quietschenden Abläufen, die sich erst noch einspielen dürfen. Es quietscht diesmal etwas lauter, weil die Schule meiner Kinder auf ein Ganztagskonzept umgestellt hat. Aber in Summe eine sehr begrüßenswerte Entwicklung. Endlich geht es, was die benötigte Betreuung angeht, gerechter für die Familien zu.
  • Virtueller Umzug
    Den Umzug meines E-Mail-Markting-Tools habe ich lange vor mir hergeschoben, auch wegen des Rattenschwanzes an Klein-Klein-Problemchen, den so ein Technik-im-Hintergrund-Umzug mit sich bringt. Aber nun ist es erledigt und es fühlt sich richtig gut an zu wissen, dass ich so eine Herausforderung auch meistern kann.
  • Gartenbaustelle
    Eigentlich wollte ich in diesem Jahr keine neue Baustelle mehr eröffnen, aber gerade gestern wurden Steine geliefert. Mein jüngstes Kind freut sich schon: „Dann kann ich ja jetzt auch endlich Beton mischen!”

Was ich im 3. Quartal 2026 gebloggt habe

Status meiner Jahresziele

In meinem Jahresrückblick habe ich mir ein paar Ziele gesetzt. Die Rückblicke werde ich nutzen, um festzuhalten, ob ich am Ball bleibe. 

  • Bewegung im Alltag: Dank einer neuen Streckenführung bei der Buslinie, die von der Schule wieder nach Hause fährt, hat mein jüngstes Kind beschlossen, vorerst keinen Fuß in diesen Bus zu setzen. Wir radeln also gerade jeden Tag. 
  • Kletterhallen-Abo: Mmmhhh, so wirklich habe ich auch nach dem Sommer noch nicht wieder in den Flow gefunden. Aber immerhin gab es keinen Monat ohne Klettern.
  • Familien-Auszeiten: leider keine und nun wird es für dieses Jahr auch langsam knapp…
  • Eintauchen: ein Konzert besucht (und Karten für die nächsten beiden sind auch schon gekauft), sechsmal im Kino gewesen und vier Bücher gelesen
    • 😐 Eine letzte Spur von Juliet Hall
    • 😁 Alte Sorten von Ewald Arenz
    • 🙂 Der Papierpalast von Miranda Cowley Heller
    • 🙂 Das Orangenmädchen von Jostein Gaarder
  • Urlaub: Ziel erreicht
  • Gastartikel: Es läuft gut, zwei weitere Veröffentlichungen in diesem Quartal.
  • Podcast: Bisher keine Veröffentlichung

Wer schreibt hier?

  • Profilbild von Ulrike Wolf

    Sie kennt den Moment, in dem man lauter wird, als man eigentlich wollte, aus eigener Erfahrung. Ulrike Wolf begleitet vorrangig Mütter dabei, mit Nervensystemregulation und Bindungsspielen aus Stress und Reaktivität auszusteigen und zurück in echte Verbindung mit sich selbst und ihrer Familie zu finden.
    Selbst vor Jahren vom Bindungsspiel-Virus angesteckt, möchte sie ihn heute an möglichst viele Eltern und pädagogische Einrichtungen weitergeben. Dafür bietet die zertifizierte Coachin aus Lüneburg den Gruppenkurs Spielpause, individuelle Einzelbegleitung und Workshops für Kitas und Schulen an. Mehr über ihre Arbeit.


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