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„Spielen ist nichts für mich“ – Was du tun kannst, wenn du denkst, du kannst nicht spielen 

„Spielen ist nichts für mich“ – Was du tun kannst, wenn du denkst, du kannst nicht spielen 

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich das erste Mal von Bindungsspielen gehört habe.

Meine Reaktion war ungefähr so: 

„Klingt ja toll. Aber ich? Ernsthaft?“

Als meine Kinder klein waren, habe ich wirklich viel Zeit auf Fußböden verbracht. Meine Hosen waren an den Knien schon nach wenigen Wochen durchgescheuert. Aber so wirklich genossen habe ich das Spielen anfangs nicht. Stattdessen habe ich mich nach echten Gesprächen gesehnt. Und das Spielen mit meinem Kind machte mir selten Spaß. Ich habe mich gefragt, ob irgendetwas mit mir nicht stimmt. Ob ich irgendwie defekt bin als Mutter.

Bin ich nicht. 
Und du bist es auch nicht.

Wenn du gerade denkst: „Bindungsspiele klingen gut, aber das ist nichts für mich“, dann ist dieser Artikel für dich.

Das Wichtigste in Kürze:

  • „Spielen ist nichts für mich“ ist ein Gefühl, das viele Mütter kennen – du bist damit nicht allein und nicht falsch.
  • Spielen mit deinem Kind muss keinen Spaß machen, damit es wirkt. Und Spaß kann entstehen, auch wenn er am Anfang gar nicht da war.
  • Du brauchst keine Ideen, keine Energie und kein Talent zum Spielen. Du brauchst nur deine Aufmerksamkeit.
  • Der einfachste Einstieg ins Spielen: Beobachte dein Kind. Schau einfach zu. Frag: „Darf ich mitmachen?“ Und dann folge seinen Anweisungen.

Gedanken, die dich vom Spielen abhalten

Sich auf Bindungsspiele einzulassen, ist ein Schritt. Und nicht jedem von uns fällt dieser Schritt leicht.

Das hat nichts damit zu tun, wie sehr du dein Kind liebst oder wie engagiert du bist. Manche von uns haben einfach eine innere Stimme, die sofort bremst, sobald das Wort „Spielen“ fällt. Eine Stimme, die sagt: „Das ist nichts für mich.“

Deshalb schauen wir uns jetzt die häufigsten Gedanken an, die Eltern davon abhalten, überhaupt mit dem Spielen anzufangen und was wirklich dahintersteckt.

„Ich fühle mich blöd, wenn ich mit meinem Kind spiele“

Lass uns mit dem Einwand anfangen, über den die wenigsten offen reden.

Du sitzt auf dem Boden. Dein Kind reicht dir einen Plastiklöffel und erklärt, das sei jetzt eine Zauberstab. Du sollst jetzt eine Fee sein. Die Fee heißt Glitzerstaub. Und Glitzerstaub muss jetzt genau hier sitzen, nicht da, und bitte auch die Stimme verändern.

Denkst dir: „Was mache ich hier eigentlich?“

Und kommst dir total blöd vor. Dieses Gefühl hat einen Namen: Scham.

Viele von uns sind aufgewachsen mit der Botschaft, dass Erwachsene keine Kinder sind. Dass die Rolle der Erwachsenen bedeutet: aufgeräumt, kontrolliert und vernünftig zu sein. Sich auf den Boden zu setzen und eine Fee namens Glitzerstaub zu sein, fühlt sich an wie ein Ausbruch aus dieser Rolle und das löst Unbehagen aus.

Das ist kein Fehler in deiner Persönlichkeit. 
Das ist ein alter Glaubenssatz, der sich bemerkbar macht

Und hier ist das Gegengift: Nicht du spielst schlecht. Dir wurde nicht beigebracht zu spielen.

Das ist ein großer Unterschied. Spielen ist eine Haltung, kein Talent. Und Haltungen kann man entwickeln – in kleinen Schritten, ohne dass es sich sofort gut anfühlen muss.

„Es macht mir keinen Spaß, mit meinem Kind zu spielen“

Das ist mutig, das zuzugeben. Und gleichzeitig so normal.

Stundenlang Lego bauen, Playmobil-Szenarien durchspielen oder sich durch ein Kartenspiel quälen, das die Kinder immer gewinnen wollen – das ist nicht für alle gleich erfüllend. Und wenn du dabei innerlich schon die Einkaufsliste schreibst, merkt dein Kind das.

Aber mach dir bewusst: Spaß ist nicht der Ausgangspunkt. Spaß ist das Ergebnis.

Das klingt erst komisch, also lass mich das erklären. Bindungsspiele funktionieren nicht wie ein Kinofilm, den du dir ausgesucht hast, weil du Lust darauf hast. Sie entstehen im Kontakt. Aus einem echten Moment mit deinem Kind.

Wenn du einfach nur neben deinem Kind bist – ohne Handy, ohne Ablenkung, ohne Agenda –, dann passiert oft etwas Überraschendes. Dein Kind zieht dich in etwas hinein. Ein Witz. Eine absurde Situation. Ein Blickkontakt, bei dem ihr beide anfangt zu lachen.

Das ist Bindungsspiel.  

Und das macht tatsächlich Spaß. Meistens dann, wenn du gar nicht damit gerechnet hast.

„Mir fallen einfach keine Spielideen ein“

Gute Nachricht: Du brauchst keine.

Das ist vielleicht der größte Irrglaube rund ums Spielen mit Kindern. Dass du mit einem Rucksack voller Ideen auftauchen musst. Dass du weißt, wie man „richtig“ spielt. Dass du die Spielleitung bist.

Bist du nicht.  
Das ist der Job deines Kindes.

Kinder sind geborene Spielexperten. Die brauchen keine Inspiration von dir. Die brauchen dich. Deine Anwesenheit. Deine Aufmerksamkeit. Und deine Bereitschaft, einfach mitzumachen.

So kommst du ins Spielen – auch wenn es sich fremd anfühlt

Jetzt, wo du weißt, dass du keine Spielerin sein musst und dir keine Ideen ausdenken brauchst, kommen wir zu dem Teil, der wirklich zählt – dem Anfangen. Drei kleine Schritte, die sich realistisch in deinen Alltag einfügen, auch wenn Spielen sich im Moment noch fremd oder erzwungen anfühlt.

Schritt 1: Sei wirklich da

Leg das Handy weg. Nicht nur auf stumm, sondern außerhalb deiner Reichweite. Wenn dir dass zu krass vorkommt, stell dir einen Timer, damit du in den nächsten 15 (oder mehr) Minuten deine Aufmerksamkeit komplett auf dein Kind richten kannst.

Setz dich in die Nähe deines Kindes. Mach nichts. Schau einfach zu.

Was macht es gerade? Womit beschäftigt es sich? Was interessiert es? Wie bewegt es sich?

Das klingt fast zu simpel, um wahr zu sein, aber diese ungeteilte Aufmerksamkeit ist bereits ein Geschenk. Kinder spüren sofort, ob du  körperlich anwesend, aber gedanklich woanders bist oder ob du das wirklich bei ihnen bist.

Du musst noch gar nichts tun. Einfach nur da sein und beobachten.

Schritt 2: Folge deinem Kind

Wenn du eine Weile zugeschaut hast, stell diese eine Frage:  

„Was machst du da? Darf ich mitmachen?“

Und dann – das ist der entscheidende Teil – tue das, was dein Kind dir sagt. Nicht das, was du für sinnvoll hältst. Nicht deine Verbesserungsidee. Nicht „Wollen wir stattdessen lieber…?“ 

Folge den Anweisungen deines Kindes.

Wenn es sagt, dieser Stein ist ein Pirat – dann ist das ein Pirat. 
Wenn es sagt, du sitzt jetzt auf dem falschen Stuhl – dann wechsel den Stuhl. 
Wenn es sagt, die Fee muss jetzt singen – dann singst du.

Diese Art des Spiels heißt im Fachjargon nicht-direktiv. Und sie ist mächtiger, als sie klingt. Dein Kind erlebt: Meine Ideen zählen. Ich darf führen. Jemand folgt mir – freiwillig und freudig.

Das ist Verbindung pur.

Schritt 3: Vertrau dem Spiel, nicht deinem Impuls

Es kann passieren, dass es sich komisch anfühlt, den Anweisungen deines Kindes zu folgen. Dass sich etwas in dir sperrt.

„Autos fliegen doch nicht. Da muss ich jetzt aber eingreifen.“
oder auch
„Ich bin doch die Mutter. Ich sage, wo’s langgeht.“

Ja. Richtig. Bist du.
Und genau deshalb kannst du dir das mitspielen leisten.

Mach dir bewusst: Die Spielzeit ist begrenzt. Der Ausflug in die fantastische Welt dauert keine Ewigkeit. Danach holt euch der Alltag sowieso wieder ein. Und darin verläuft ganz viel nach den Regeln der Erwachsenen. Im Spiel darf dein Kind mal das Steuer übernehmen. Das ist kein Machtverlust. 

Und bleib neugierig. Was zeigt dir dein Kind gerade? Was ist ihm gerade wichtig? Was verarbeitet es vielleicht gerade spielerisch?

Kinder spielen nicht einfach so. Sie spielen, weil es ihre Sprache ist.  

Du lernst gerade diese Sprache.

Fazit: Du musst keine Spielerin sein

Bindungsspiele verlangen von dir keine Kreativität auf Abruf und keinen Spaß, der schon vor dem Spielen da ist.

Sie verlangen nur eines: deine echte Anwesenheit.

Leg das Handy weg. Schau dein Kind an. Frag, ob du mitmachen darfst. Und folge seinen Anweisungen, auch wenn es sich anfangs merkwürdig anfühlt.

Spielen ist nichts, das du können musst. Es ist etwas, das zwischen euch entsteht. Und manchmal – meistens unangekündigt – wirst du in einer dieser Spielminuten merken: Das macht mir gerade tatsächlich Spaß.

Das ist der Moment, auf den es ankommt.

Du möchtest tiefer einsteigen und verstehen, was Bindungsspiele genau sind und welche Arten es gibt? Dann lies gerne hier weiter:

Und wenn du zusammen mit anderen Eltern lernen möchtest, wie genau du die Bindungsspiele einsetzen kannst um alltäglichen Stress in Verbindung zu verwandeln, dann kommt in die Spielpause.

Verwandle den alltäglichen Stress mit einer großen Portion Liebe in eine Spielpause für dich und dein Kind.

Wer schreibt hier?

  • Ulrike Wolf

    begleitet Mütter dabei, aus dem Dauerstress des Alltags auszusteigen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und echte Verbundenheit im Familienleben zu schaffen. Dabei greift sie auf eigene Erfahrungen als Mutter zweier Kinder, fundierte Coaching-Methoden und ihr Wissen zur Nervensystemregulation zurück.

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