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Filmabend: Was ich von Barbie gelernt habe

Filmabend: Was ich von Barbie gelernt habe

Neulich abends hatte ich das Wohnzimmer ganz allein für mich. Eine seltene Kombination, die sich nach einem Filmabend anfühlte – und ich blieb bei Barbie hängen. Vielleicht kennst du den Film. Vielleicht kennst du ihn. Auf meiner „unbedingt mal ansehen“-Liste stand er zwar nicht, aber er hat mich trotzdem überrascht. Nicht durch unerwartete Wendungen oder besonders witzige Dialoge, sondern weil er mich zum Nachdenken gebracht hat. Hier sind drei Lektionen, die ich aus Barbie mitgenommen habe.

Lektion 1: Wo nur die Sonne scheint, ist meistens Wüste

Im Barbie-Land ist nicht nur alles pastellfarben und perfekt, sondern auch ziemlich simpel und eintönig. Grautöne, wie sie das Leben für uns bereithält, gibt es dort nicht. Nein, grau ist sogar verpönt. Was ich mich beim Ansehen immer wieder gefragt habe:

  • Wissen die Barbies überhaupt, in welcher perfekten Welt sie leben?
  • Können sie das wertschätzen?
  • Ist Wertschätzung überhaupt möglich, wenn man die andere Seite nicht kennt?

Und was ist mit all den Gegensätzlichkeiten in unserer Welt, die das Leben immer wieder spannend und lebenswert machen? Ich glaube fest daran, dass es diese Gegensätzlichkeit braucht. Sie helfen mir, die hellen Tage bewusst zu erkennen. Und sie geben mir die Kraft, an den dunklen Tagen den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

Nur so eine These: Wer im Barbie-Land lebt, weiß nicht, wie man sich durchbeißt, wenn es mal schwierig wird. Kennt keine Lösungsstrategien, weil alles glatt läuft. Weiß nicht, dass man die anderen Buchstaben des Alphabets ausprobieren kann, wenn Plan A nicht klappt. Kurzum, so eine Person ist nicht resilient.

Proof me, If I am wrong 😉

Was mir der Film vor Augen geführt hat: Grautöne, Schattenseiten, Fehler oder auch die dunklen Tage (also all das, was es in Barbies pastellfarbener Welt nicht gibt) machen das Leben erst interessant. Sie lassen uns wachsen. Oder wie meine Oma es ausgedrückt hätte: Kein Schaden so groß…

Lektion 2: Machtspiele führen nicht zum Ziel

Um wieder die perfekte Stereotyp-Barbie ohne Cellulite und mit Dauer-Zehenspitzenhaltung zu werden, wagt Barbie einen Ausflug in unsere Welt. Und dort sammelt Ken seine ganz eigenen Aha-Erlebnisse. Im Barbie-Land taugt er nur als “Dekoration”, und so ist er total geflasht, als er mit dem Patriarchat Bekanntschaft macht. Endlich wird er respektvoll behandelt! Voller Begeisterung reist er zurück, um Barbie-Land in „Kendom“ zu verwandeln. Blöd nur, dass ihn das auf Dauer gar nicht glücklich macht. 

Der Film zeigt klar: Das Matriarchat durch das Patriarchat zu ersetzen (oder umgekehrt) löst nichts. Beide Systeme leben davon, dass es sowas wie eine “herrschende Klasse” gibt. Dass es ein Oben und ein Unten gibt. 

Was wir aber brauchen – gerade auch in unseren Familien –  ist das Miteinander auf Augenhöhe. Verbundenheit kommt ohne Machtspiele aus. Sie entsteht, wenn wir uns füreinander interessieren und uns aufeinander einlassen. Wenn wir Anteil daran nehmen, was den Menschen um uns herum passiert. Wenn wir einander aufmerksam zuhören und Fragen stellen. Und auch dadurch, dass wir ehrlich sagen, wenn wir gerade nicht zuhören können, weil unser Bedürfnis nach Ruhe stärker ist. Wir können lernen, Rückmeldungen zu geben, die unser Gegenüber nicht verletzen.

Verbundenheit wächst, wenn wir deutlich sagen, was uns wichtig ist oder uns zuerst selbst darüber klar werden. Auch dazu gab es eine schöne Anspielung im Film: Kens neuer Pulli mit dem verschnörkelten Schriftzug Kenough.

Und wenn dir das gerade viel zu anstrengend klingt: Der Weg zur Verbundenheit mit deinen Kindern kann leicht sein. Zum Beispiel indem du die “Abkürzung” über die Bindungsspiele nimmst.

Lektion 3: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Als Barbie auf Sashas ablehnende Haltung trifft, ist sie ratlos. Sie wollte doch nur helfen. Sie wollte Mädchen zeigen, dass sie alles werden können, was sie wollen: Ärztin, Astronautin oder auch Bauarbeiterin. Aber was bei Sasha ankommt, ist nur das Bild einer Frau, das nicht zu ihr passt – und das Druck macht, perfekt sein zu müssen. Als Ärztin immer gute Laune, als Astronautin top gestylt ins All und als Bauarbeiterin in High Heels die Straße aufreißen.

So wie Barbie geht’s einem ja auch ab und an im echten Leben. Da hat man eine Idee, sagt irgendwas, macht irgendwas und beim Gegenüber kommt das vollkommen anders an als man es beabsichtigt hat.

Der Film hat mich daran erinnert: Auch mit den besten Absichten können wir manchmal danebenliegen – und das ist okay. Wichtig ist, offen für Rückmeldungen zu bleiben und dazuzulernen. Wenn du wissen willst, wie du mit solchen Situationen gelassener umgehen kannst, schau mal in meinen Artikel über Feedback rein. 

Fazit: Anders als gedacht

Der Film Barbie hat mich zwar emotional nicht sonderlich berührt, aber er hat zum Nachdenken angeregt. Über Resilienz, über Gleichberechtigung und über die Tücken guter Absichten. Vielleicht schaust du auch mal rein. Wer weiß, welche Aha-Momente er für dich bereit hält.

Wer schreibt hier?

  • Ulrike Wolf

    ist Mama-Coach, Mutmacherin und Möglichmacherin.

    Sie begleitet Mütter dabei, aus dem Dauerstress des Alltags auszusteigen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und echte Verbundenheit im Familienleben zu schaffen. Dabei greift sie auf eigene Erfahrungen als Mutter zweier Kinder, fundierte Coaching-Methoden und ihr Wissen zur Nervensystemregulation zurück.

    WebsiteInstagram

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