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Kindern vorlesen: Warum es wichtig ist und wie es Spaß macht

Kindern vorlesen: Warum es wichtig ist und wie es Spaß macht

Draußen ist es noch hell, aber der Tag hängt schon ein bisschen in den Knien. Die Kinder sind durch, ich bin durch – auch wenn’s keiner ausspricht. Also schnappen wir uns eine Decke, ein paar Kissen, das zerlesene Lieblingsbuch und kuscheln uns aufs Sofa. Noch zappelt jemand, noch wird gequengelt, aber kaum beginnt die erste Seite, verändert sich etwas. Die Stimmen der Figuren nehmen uns mit. Die Spannung kitzelt, das Kichern steckt an. Und ich merke, wie ich selbst leiser werde – innerlich. Mein Atem wird ruhiger, mein Blick weicher. Neben mir: zwei Kinder, die eben noch wild gestritten haben und jetzt ganz still lauschen.

Keine großen Gesten, kein Zaubertrick. Nur ein Buch, ein bisschen Zeit und diese besondere Art von Nähe, die sich ganz von allein einstellt, wenn jemand vorliest. Diese Momente verbinden, sie trösten, sie stärken. Und irgendwann – viel später – bleiben sie hoffentlich als Erinnerung zurück. An Wärme. An Geschichten. An Geborgenheit.

Genau darum geht’s in diesem Artikel: Warum Vorlesen mehr ist als Worte auf Papier und wie du es zu einem festen, schönen und ganz entspannten Teil eures Alltags machen kannst.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vorlesen schafft Nähe und gemeinsame Ruhezeit.
  • Regelmäßiges Vorlesen fördert die Sprachentwicklung, Vorstellungskraft und soziale Fähigkeiten von Kindern.
  • Es stärkt auch die Aufmerksamkeit, Empathie und das kritische Denken der kleinen Zuhörer.
  • Du als Elternteil profitierst durch gemeinsame Gespräche und eine gestärkte Bindung zu deinem Kind.
  • Die Platten-Sprung-Strategie: Zeichne digital auf was du vorliest. So kann dein Kind später zu jeder Zeit in die Geschichte eintauchen – ganz unabhängig davon um du gerade Zeit und Lust zum Vorlesen hast.
  • Beziehe dein Kind mit ein: Bei der Buchauswahl, beim Gemütlich machen, beim Vorlesen selbst…
  • Hole dir Inspirationen zum Vorlesen in meinen Buchtipps.

Bedeutung und Vorteile des Vorlesens

Klar, ein schneller Trickfilm nach einem langen Tag ist verlockend. Aber: Geschichten in Büchern wirken anders. Sie fordern und fördern. Sie schaffen Verbindung – ganz ohne Bildschirm. Das Vorlesen ist definitiv die bessere Alternative zur Bildschirmzeit. Sehr prägnant zusammengefasst hat das Sergio Duce in seinen Schatten-Comics. Du findest ihn unter Yo Runner auf Instagram.

Eine Frau liest einem Kind vor. Der Schatten an der Wand, zeigt wie viel sich das Kind vorstellt.
Welches Buch glaubst du, ist es?
Fördere die Vorstellungskraft unserer Kleinen – lies ihnen Bücher vor.
Ein Kind schaut fern, ein anderes liest ein Buch. Der Schatten an der Wand, zeigt wie viel sich das Kind, das liest, vorstellt.
Die Vorstellungskraft. Ich sage nicht, dass Fernsehen oder Bildschirme sie nicht fördern – aber sie liefern die Informationen viel ausgearbeiteter und lassen weniger Raum zum Träumen.

Du bist beim Vorlesen präsent. Und dein Kind spürt das. Kein Nebengeräusch, kein Multitasking. Nur du, dein Kind und die Geschichte dazwischen. Das ist keine große Sache – aber es macht einen riesigen Unterschied.

Eltern, die vorlesen, leisten einen zentralen Beitrag zu einer ganzheitlichen Erziehung ihrer Kinder. Sie fördern kognitive, emotionale und soziale Kompetenzen. Damit tragen sie dazu bei, dass Kinder und Jugendliche sich zu vielseitig interessierten, aktiven und offenen Menschen entwickeln.

Vorlese-Studie 2011

Ob du vorliest oder nicht, macht also nicht nur einen Unterschied für dein Kind und dich. Nein, es macht sogar einen Unterschied für unsere ganze Gesellschaft. Denn je mehr  “vielseitig interessierte, aktive und offene Menschen” in unserer Gesellschaft leben, desto progressiver wird sie. 

5 Vorteile für dein Kind

Du weißt also, dass das Vorlesen gut für dein Kind ist. Aber was genau fördert das Vorlesen bei Kindern?

📚 Sprache und Verständnis: Dein Kind entdeckt neue Wörter, vernetzt Informationen und entwickelt ein besseres Sprachgefühl. Studien zeigen, dass Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, später leichter selbst lesen und schreiben lernen.

🎨 Vorstellungskraft: Beim Zuhören entstehen im Kopf ganze Welten. Dein Kind stellt sich Figuren, Orte und Situationen vor – ein echtes Kreativitätstraining!

❤️ Empathie und soziale Fähigkeiten: Bücher stecken voller Gefühle. Kinder versetzen sich in die Charaktere hinein, lernen, Emotionen zu erkennen und soziale Zusammenhänge besser zu verstehen. Gleichzeitig helfen Geschichten dabei, eigene Erlebnisse zu verarbeiten.

🧠 Kritisches Denken: Vorlesen regt dazu an, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu erkennen und über Lösungen nachzudenken – eine tolle Übung für später!

🧘 Aufmerksamkeit und Konzentration: Zuhören erfordert Fokus – eine Fähigkeit, die Kinder in der Schule und im Alltag brauchen. In unserer heutigen Welt voller Ablenkungen ist sie wertvoller denn je.

Zusammengefasst, das Vorlesen stellt die Weichen für die Gesamtentwicklung deines Kindes. Es fördert seine langfristigen Bildungs- und Lebenschancen.  

3 Vorteile für dich

Das Vorlesen hat aber nicht nur Vorteile für dein Kind. Du selbst profitierst auch davon, wenn du dir die Zeit nimmst und deinem Kind vorliest. Ich würde fast sagen, dass Vorlesen echte Superkräfte hat: es holt dich aus dem Alltagskarussell, schafft Nähe und öffnet Türen zu Gesprächen.

Im Moment sein: Während des Vorlesens kannst du nicht noch „schnell nebenbei“ etwas erledigen. Es ist ein Moment der Ruhe – für dein Kind und für dich.

🤗 Bindung und Nähe: Die gemeinsame Lesezeit schafft Geborgenheit. Dein Kind genießt deine Stimme, kuschelt sich an dich – und fast nebenbei stärkt ihr eure Bindung.

🗨️ Ins Gespräch kommen: Besonders bei Schulkindern wird es manchmal schwierig, ins Gespräch zu kommen. Fragen nach dem Tag werden einsilbig beantwortet. Über (gemeinsames) Vorlesen kannst du viel einfacher mit deinem Kind ins Gespräch kommen – oft entstehen Diskussionen über die Geschichte, die ganz nebenbei Einblicke in seine Gedankenwelt geben.

Kindern vorlesen: Tipps

Du musst keine perfekte Vorleserin sein. Beim Vorlesen kommt es in erster Linie darauf an, dass du es tust. Wenn du es schaffst, das Vorlesen in euren Alltag zu integrieren, ist das die halbe Miete. Hier ein paar Ideen, wie ihr Vorlesen fest in euren Alltag integrieren könnt:

  • Ritual statt Pflicht: Ob morgens, nach dem Kindergarten oder abends im Bett – feste Lesezeiten geben Kindern Sicherheit.
  • Fragen stellen: Was hätte dein Kind an Stelle der Figur gemacht? Was hat es überrascht oder traurig gemacht?
  • Kurz ist auch okay: Du musst nicht jeden Abend ein ganzes Buch lesen. Manchmal reicht eine kleine Szene – Hauptsache gemeinsam.

Die passende Geschichte finden – so klappt’s

Müssen es immer Gute-Nacht-Geschichten oder Märchen sein? Natürlich nicht. Der Trick beim Vorlesen ist nicht, was du vorliest – sondern wem du was vorliest. Wenn dein Kind gerade eine Dino-, Bagger- oder Feenphase hat – super! Schnapp dir genau das Thema. Kinder springen auf Bücher an, die ihre Welt abbilden. Und manchmal findest du beim Vorlesen sogar selbst Gefallen an Themen, die du nie erwartet hättest.

Ich persönlich stöbere gerne durch die NDR Kinderbuchtipps. Am liebsten jedoch blättere ich durch Bücher im Buchhandel. Bei Kinderbüchern sind für mich die Illustrationen fast genauso wichtig wie der Text. 

Vorlesen für Kinder digital aufzeichnen

Kindern immer wieder das gleiche Buch vorzulesen, kann sich ein bisschen anfühlen, als hättest du einen Sprung in der Platte. Jeden Tag zieht dein Kind genau dieses eine Buch aus dem Regal. Manchmal wird dieselbe Geschichte sogar mehrfach täglich eingefordert. Zu wissen, dass Wiederholungen Sicherheit geben und deshalb so wahnsinnig wichtig für Kinder sind, macht das Vorlesen der immer gleichen Geschichte allerdings nicht unbedingt weniger nervig.

Meine persönliche „Platten-Sprung“-Strategie besteht darin das Vorlesen digital aufzuzeichnen. Ich weiß – klingt ein bisschen nach „real“-Werbung: Einmal hin, alles drin. Aber tatsächlich hat das unser Familienleben bereichert.

Mit 4 Jahren bekam mein ältestes Kind einen Hörbert. Ein Gemeinschaftsgeschenk, an dem sich Großeltern, Tanten und Onkel beteiligt haben. Weil es für ein 4-jähriges Kind schwer zu begreifen ist, dass so viele Menschen zusammengelegt haben, haben wir’s so gemacht: Jeder suchte sich ein Buch aus, las es vor, nahm es mit dem Handy auf – ich habe alle Dateien gesammelt und auf eine SD-Karte gespielt. Und zum Geburtstag packte mein Kind eine Reihe neuer Bücher und seinen elektrischen „Geschichtenvorleser“ aus. Es hielt das jeweilige Buch selbst in der Hand, blätterte und lauschte den vertrauten Stimmen seiner Familie. Diese Variante kam so gut an, dass wir sie anderthalb Jahre später auch beim kleineren Geschwisterkind anwandten. Und mittlerweile habe ich, Geschichte für Geschichte, unseren halben Bücherbestand „eingelesen“.

Die Konserve hat das klassische Vorlesen nie ersetzt, aber sie hat mir wichtige Pausen verschafft. Und meine Kinder können unabhängig in Geschichten eintauchen, auch wenn ich  gerade keine Zeit (oder auch mal keine Lust) habe zum Vorlesen. Vielleicht ist das ja auch etwas für dich? Das Prinzip funktioniert auch mit anderen Geräten.

Der elektrische „Geschichtenvorleser“ war bei uns die Vorstufe zu den Hörspielen. Auch Hörspiele jeglicher Art können dir gemäß des Mottos „Play drücken, Pause fühlen“ zu bewusster gemeinsamer Zeit mit deinem Kind verhelfen. Zu Beginn ihrer Entwicklung benötigen Kinder noch Bilder von außen um innere Bilder erzeugen zu können. Später, wenn sie älter sind, brauchen sie die Bilder aus Büchern nicht mehr um einer gehörten Geschichte zu folgen und passende innere Bilder zu erzeugen (wenn dich das Thema interessiert, lies gerne in meinen Artikel zur Bildschirmzeit von Kindern rein).

7 Fehler und wie du sie vermeiden kannst

Wenn man was tut, gibt es auch immer die Möglichkeit, Fehler zu machen. So ist es auch, wenn du Kindern Geschichten vorliest. Es gibt ein paar typische Stolperfallen, in die ich auch schon getappt bin. Wenn du sie kennst, kannst du sie ganz entspannt vermeiden:

Zu schnell lesen

Klar, manchmal will man einfach „schnell noch“ vorlesen. Aber Kinder brauchen Zeit, um zu folgen, Bilder wirken zu lassen und das Gehörte zu verarbeiten. Wenn du durch die Geschichte hetzt, geht das verloren.

👍 Besser: Ruhig und mit Pausen lesen – besonders bei spannenden oder emotionalen Momenten.

Monotone Stimme

Eintöniges Lesen ohne Betonung oder Abwechslung wirkt schnell langweilig – und Kinder schalten innerlich ab.

👍 Besser: Du musst kein Theater spielen, aber ein bisschen Dynamik, verschiedene Tonlagen oder mal eine verstellte Stimme für die Hexe machen das Zuhören gleich viel spannender.

Kind nicht einbeziehen

Einfach nur runterlesen – ohne Blickkontakt, ohne auf Reaktionen zu achten – nimmt dem Vorlesen viel von seiner Magie. Ich weiß, es kann manchmal ganz schön nervig sein, wenn viele Zwischenfragen kommen. Oder wenn du von deinem Kind korrigiert wirst, weil du dich verlesen hast. 

👍 Besser: Schau zwischendurch hoch und suche den Blickkontakt, reagiere auf Fragen oder Kommentare deines Kindes. Frag ruhig mal: „Was denkst du, was passiert jetzt?“ – so wird es zum Mitdenken angeregt.

Keine Wiederholungen zulassen

Du denkst: „Nicht schon wieder dasselbe Buch!“ Aber für dein Kind ist es genau das, was gerade wichtig ist.

👍 Besser: Mach es wie im Impro-Theater und sag dir “Au ja! Heute lesen wir Bagger-Ben.” Wiederholungen geben Kindern Sicherheit. Auch wenn’s für dich langweilig ist – für dein Kind steckt jedes Mal ein Stück Lernen und Bindung darin.

Geschichten nicht dem Alter anpassen

Ein zu komplexes Buch frustriert – ein zu einfaches langweilt.

👍 Besser: Achte auf Altersempfehlungen, aber auch auf die Interessen und Entwicklung deines Kindes. Und: Probieren geht über Studieren – wenn ein Buch nicht passt, leg’s weg und suche ein anderes.

Nebenbei vorlesen

Beim Vorlesen nebenbei noch schnell Mails checken oder in Gedanken die Einkaufsliste durchgehen? Merkt dein Kind sofort.

👍 Besser: Nimm dir bewusst Zeit. Auch wenn’s nur zehn Minuten sind – präsent zu sein, macht den Unterschied.

Zu sehr auf „pädagogisch wertvoll“ achten

Natürlich sollen Bücher Werte vermitteln – aber sie dürfen auch einfach mal Quatsch sein, albern, wild oder überhaupt nicht zu deinen Interessen passen.

👍 Besser: Lass dein Kind mitentscheiden. Und wenn du wirklich keine Lust hast, zum zehnten Mal die Größe und das Gewicht irgendwelcher Baufahrzeuge vorzulesen (Achtung: Monotonie-Alarm), finde einen Kompromiss. Vielleicht gibt es auch ein anderes Familienmitglied, dem technische Spezifikationen leichter über die Lippen gehen. 

Ab wann kannst du Kindern Geschichten vorlesen?

Nun fragst du dich vielleicht, ab wann du deinem Kind Geschichten vorlesen solltest. Das lässt sich so pauschal gar nicht beantworten. Es ist empfehlenswert, Kindern ab dem Alter von etwa 6 Monaten vorzulesen, da dies eure Bindung stärkt und die Sprachentwicklung deines Kindes fördert. Das “Vorlesen” in diesem Alter kann aber auch erstmal darin bestehen, die Dinge zu benennen. Das kannst du natürlich auch ohne ein Buch tun. Oder eben mit Bilderbüchern, die nur Dinge abbilden.

Das klassische Vorlesealter liegt zwischen 2 und 8 Jahren, da in dieser Phase die Kinder am meisten von den Geschichten profitieren können. Hier ein paar einfache Faustregeln:

  • Ab 2 Jahren: Bilderbücher mit wenig Text und vielen Wiederholungen
  • Ab 3 Jahren: Reime, erste kleine Geschichten, Alltagsthemen
  • Ab 4–5 Jahren: Abenteuer, Freundschaft, Mitmach-Bücher – gerne mit Witz oder einem Hauch Spannung
  • Ab 6 Jahren: Erste Kapitelbücher, Reihen, übergreifende Geschichten mit Lieblingsfiguren

Persönliche Vorleseempfehlungen

Ich liebe Bücher. Schon immer. Früher habe ich heimlich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen – und heute? Heute sind es meine Kinder, denen ich am liebsten vorlese. Weil ich weiß, was das mit ihnen macht. Und ja, auch weil es mir Spaß macht, ihnen vorzulesen – zumindest an den meisten Tagen 😉.

Und deshalb findest du hier meine ganz persönlichen Vorlese-Empfehlungen. Bücher, die meine Kinder mögen und die ich gerne vorlese. Viele der Bücher werden auch heute noch regelmäßig bei uns gelesen. Ein Buch, das bei “Für Kindern ab 3 Jahren” einsortiert ist, kann auch durchaus noch spannend für 6-Jährige sein. 

Die meisten Links führen dich direkt zum Buch7 Shop – dem sozialen online Buchhandel (einer Alternative zu Amazon, falls du nicht den lokalen Buchhandel unterstützen möchtest).

Für Kinder ab 3 Jahren

Du suchst Bücher für den Einstieg ins Vorlesen – oder willst den nächsten Schritt machen nach klassischen Pappbilderbüchern? Dann ist diese Liste genau richtig für dich. Alle Bücher sind wunderbar für Kinder ab ca. 3 Jahren geeignet (manche auch schon etwas früher) – und bringen jede Menge Vorlesefreude für Groß und Klein.

💫 Moderne Klassiker von Julia Donaldson & Axel Scheffler

Diese beiden sind ein echtes Autoren-Illustratoren-Dream-Team: Ihre Geschichten sind rhythmisch geschrieben, bildreich illustriert und machen auch dir beim Vorlesen richtig Spaß.

  • Der Grüffelo & Das Grüffelokind: Spannende Einstiegsbücher mit Witz und Wiedererkennungseffekt.
  • Stockmann: Eine liebevoll erzählte Reisegeschichte über Zugehörigkeit und Familie – in der der Held sogar vom Weihnachtsmann gerettet wird.
  • Für Hund und Katz ist auch noch Platz: Eine Hexe sammelt Tiere auf ihrem Besen ein – bis etwas schiefläuft. Schön gereimt und humorvoll.
  • Zogg & Zogg: Die Retter der Lüfte: Ein junger Drache in der Schule des Lebens, inklusive Themen wie Gleichberechtigung und Lebensweg. Großartig erzählt – mit einer Prinzessin, die lieber Ärztin wird als Prinzessin bleibt. 

💛 Mein Esel Benjamin von Hans Limmer & Lennart Osbeck

Eine herzerwärmende Geschichte in Schwarz-Weiß-Fotografie – erzählt aus Kindersicht. Etwas älter, aber absolut zeitlos. Eignet sich auch toll für Kinder, die Tiere lieben.

🌙 Wenn es dunkel wird von Anja Werner

Kurze, ruhige Gute-Nacht-Geschichten mit Tieren – genderneutral erzählt. Ideal für Kinder, die anfangen, sich längere Handlungen zu merken. Illustriert, aber dezent – die Vorstellungskraft darf arbeiten.

🐸 Frosch und Kröte von Arnold Lobel

Freundschaft, Alltag, kleine Missgeschicke – in liebevollen Episoden. Perfekt für erste, etwas längere Vorlese-Geschichten mit großem Herz und viel Humor.

😤 Der Grolltroll von Barbara van den Speulhof & Stephan Pricken

Ein blauer Troll, der ganz schön schnell grollt – und lernen muss, mit Gefühlen wie Wut umzugehen. Super nah an kindlichen Alltagssituationen. Weitere Bände greifen Themen wie Verlieren, Auslachen und Fairness auf – ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

🌱 In Jakobs Garten wächst was von Marianne Dubuc

Ein Garten wird von einer unbekannten Pflanze aufgemischt – und ein kleiner Wicht zeigt, wie man mit Neuem und Ungeplantem konstruktiv umgehen kann. Eine wunderschöne Geschichte über Toleranz und Wandel.

🦄 Das NEINhorn von Marc-Uwe Kling

Ein herrlich bockiges Einhorn, das in seiner Familie aneckt – und schließlich Freunde findet, die genauso schräg sind wie es selbst. Voller Wortwitz und Sprachspielereien, auch für Erwachsene ein Vorlesespaß. Funktioniert erstaunlich gut ab 3 und wächst mit – ich lese es regelmäßig einem 7-Jährigen vor.

Bonus-Tipp: Vom NEINhorn gibt’s auch ein Kartenspiel und eine Fortsetzung: Das NEINhorn und die SchLANGEWEILE – perfekt für Tage, an denen „mir ist soooo laaangweilig“ das Motto ist.

Für Kinder ab 4 Jahren

Mit 4 Jahren sind viele Kinder bereit für etwas längere Geschichten, komplexere Zusammenhänge – und jede Menge Humor. Sie lieben es, in Fantasiewelten abzutauchen, Alltagsabenteuer mitzuverfolgen oder auch einfach mal herzlich zu lachen. Hier kommen meine liebsten Bücher für diese Phase:

💪 Die Kasimir-Bücher von Lars Klinting

Kasimir näht, backt, malt, pflanzt, tischlert – und erklärt dabei alles ganz genau. Die Kinder lernen ganz nebenbei, wie Dinge funktionieren, wie man Farben mischt oder Kuchen stürzt. Viele Geschichten regen zum Selbermachen an! Mein Lieblingsband: Kasimir lässt Frippe machen – herrlich witzig, mit kreativen Fehlreparaturen.

👖 Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam von Eduard Petiska, Zdenek Miler

Ganz ähnlich wie Kasimir – auch hier wird Schritt für Schritt gezeigt, wie eine Latzhose entsteht. Perfekt für Kinder, die Abläufe lieben und wissen wollen, wie etwas geht.

💧 Giesbert von Daniela Drescher

Zauberhafte Geschichten rund um den Regenrinnenwicht Giesbert und seine Gartenfreunde. Ideal als Gute-Nacht-Geschichten.

🐄 Lieselotte von Alexander Steffensmeier

Die Postkuh vom Bauernhof. Lustig, lebendig, mit Wimmelbuch-Charakter. Es gibt eine ganze Reihe Liselotte-Bücher. Unsere liebsten sind:

🐻 Dr. Brumm baut ein Haus von Daniel Napp

Ein verpeilter Bär, der viel selber machen will – und dann doch merkt: Hilfe holen ist auch okay. Besonders beliebt: Die schrägen Werkzeugnamen im Einband. Mein Kind kennt sie alle auswendig.

🌪️ Gigaguhl und das Riesen-Glück von Alex Rühle

Eine gereimte, sehr fantasievolle Geschichte – eher ruhig, poetisch und besonders für Kinder mit großer Vorstellungskraft ein Highlight.

🌧️ Kleiner großer Bagger von Sebastian Horn

Auf dem Himalaya ist die Regenwolkenmaschine außer Kontrolle geraten – Robert und sein Bagger retten die Welt.  

Extra-Tipp: Sebastian Horn ist Musiker (Bananafishbones) und hat passend zu dem Buch mehrere Lieder geschrieben. Er fasst kleine und große Alltagsbeobachtungen mit einem ganz feinen Wortwitz in seinen Texten zusammen. Hör unbedingt rein!

🎸 Hier geht’s zu den Liedern der drei Hauptfiguren aus dem Buch:

  • Bagger: “Ich bin groß und gelb. Und wenn du Bock hast, hey, dann retten wir die Welt.”
  • Robert: “Robert züchtet Regenbogen, hat schon zwanzig groß gezogen. Füttert sie mit Wasserfarben, für sein’ Regenbogenladen.”
  • Uhrsula: “Niemand kann mir befehlen, ich bin aus Zeit und Licht.”

🎤 Und hier findest du weitere Lieder von Sebastian Horn, die sich an das Buch anlehnen:

  • Pause: “Am liebsten hab’ ich Pause mit ’ner Jause. Und dann sause ich mit meinem Kopf, wohin er sausen will.”
  • Regen: “Regentropfen klopfen an die Scheibe und sie wollen, dass ich rauskomme und mit ihnen spiele.”
  • Hilfe “Wenn’s in deinem Leben mal nicht mehr weitergeht, eh steck den Kopf nicht in den Sand. Schau über deinen Tellerrand.”
  • Sisyphos: “Mir geht es wie dem alten Sisyphos. Ich frage mich, was soll das bloß? Ich plage mich den lieben langen ganzen Tag. Aufstehen, Frühstück, Schule gehn, Hausaufgaben, Runden drehn. Wo ich am liebsten gar nichts machen mag.”
  • Reise “Jetzt endlich mal aufstehen. Habt ihr alles gepackt? Kopfhörer, Aufladekabel, Kissen, Buch? Aufs Klo und ab ins Auto! Setzt euch auseinander und schnallt euch an. Wir bleiben nicht gleich wieder stehen! – Häh, was ist denn mit dem los? Uns sagen sie doch immer, der Weg ist das Ziel.”

🩰 Franz-Ferdinand will tanzen von Marcus Pfister

Ein Walross mit einem Traum: Ballett tanzen. Geht’s darum, den eigenen Weg zu finden – gegen Widerstände und Vorurteile. Ganz nebenbei wird auch das Thema Umweltschutz berührt.

🐱 All-Time-Klassiker: Pettersson & Findus von Sven Nordqvist

Großartig geschrieben, wundervoll illustriert, mit Wimmelbildcharakter. Die Geschichten sind etwas komplexer, aber meiner Erfahrung nach können auch 4-Jährige schon super folgen.

Für Kinder ab 5 Jahren

Mit fünf sind Kinder oft schon richtige kleine Zuhörer – sie halten länger durch, mögen spannende Handlungen, witzige Dialoge und Figuren mit Ecken und Kanten. Hier findest du eine bunte Mischung aus Lieblingsgeschichten, fantastischen Reisen und ganz viel Vorlesespaß:

🐉 Der kleine Drache Kokosnuss  von Ingo Siegner

Der Drache Kokosnuss, der hat zwei beste Freunde. Matilda, das Stachelschwein, das wie so ein kleiner Schlaubie-Schlumpf ist. Und Oskar, der Fressdrachenjunge, der eher den etwas aufmüpfigeren Part hat. Oskar denkt nicht ganz so viel mit, hat aber dafür immer ziemlich viel Power. Ideal zum gemeinsamen Lesenlernen – große Schrift, übersichtliche Kapitel. Es gibt wirklich unzählige Bände. Nicht alle sind gleich stark – aber ein paar sind echte Hits:

🐔 Das Katzenhuhn von Bernhard Hoëcker & Eva von Mühlenfels

Timme, das Huhn mit dem Katzenumhang, lebt ein geheimes Doppelleben als mutiges „Katzenhuhn“. Humorvoll, charmant, mit Superhelden-Vibes auf dem Bauernhof. Nebenfiguren wie Grimm & Gramm (zwei meckernde Gänse) sorgen zuverlässig für Lacher.

Im zweiten Band geht’s tiefer – Familiengeschichte, Identität, Herkunft. Absolut lesenswert – wir warten schon gespannt auf Band 3!

🐭 Torben Kuhlmanns Mäusewelt

Diese Bücher sind einfach wow. Wunderschön illustriert, clever erzählt – mit echten Erfinder-Geschichten aus der Sicht von Mäusen. Textlich schon etwas anspruchsvoller als Kokosnuss und das Katzenhuhn, aber super zum Vorlesen in Etappen – und ein echtes Erlebnis fürs Auge.

Für Kinder ab 6 Jahren

Mit sechs Jahren können Kinder schon richtig gut zuhören – sie lieben spannende Geschichten, komplexere Charaktere und lachen über feinen Humor. Hier kommen meine liebsten Bücher für dieses Alter:

👻 Zippel – Das wirklich wahre Schlossgespenst von Alex Rühle
Zippel ist kein gewöhnliches Gespenst – er wohnt in einem Türschloss, spricht herrlich schräg („Zippelzefix!“) und wirbelt Pauls Alltag ordentlich auf. Die Geschichte lebt von ihrem Sprachwitz, ihrer Originalität und einer ganz besonderen Atmosphäre. Perfekt für Kinder, die schon ein bisschen mitdenken – und für Erwachsene, die gerne schmunzeln. Der Folgeband (Zippel: Ein Schlossgespenst auf Geisterfahrt) erzählt ein wunderbar warmherziges Abenteuer

🐘  Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika von Oliver Scherz
Ein fremder Elefant taucht bei Sturm und Regen vor der Tür auf – und nimmt zwei Geschwister mit auf eine Reise nach Afrika. Klingt verrückt? Ist es auch – aber auf die beste Weise. Diese Geschichte ist leise, magisch, humorvoll und poetisch. Die Sprache ist ein Traum zum Vorlesen, die Beziehung der Geschwister echt und liebevoll. Für alle, die sich nach Geschichten sehnen, die Kinder ernst nehmen und trotzdem träumen lassen.

🐺 Ein Freund wie kein anderer (und der Folgeband Ein Freund wie kein anderer: Im Tal der Wölfe) von Oliver Scherz
Ein Erdmännchen und ein Wolf – geht das überhaupt? Ja, und wie! Die Geschichte über eine „unmögliche“ Freundschaft berührt tief, ohne kitschig zu sein. Sie stellt Fragen nach Mut, Loyalität und Identität – verpackt in spannende Handlung und kluge Dialoge. Besonders stark: Der zweite Band greift das Thema „Veränderung durch Beziehung“ auf und zeigt, wie viel Freundschaft bewirken kann.

🎡 Wenn der geheime Park erwacht nimm dich vor Schabalu in Acht von Oliver Scherz
Ein stillgelegter Freizeitpark, der nachts zum Leben erwacht – mit Cowboy-Pferden, lebendiger Geisterbahn und einem Clown, den man lieben und fürchten kann. Diese Geschichte ist ein wilder Mix aus Fantasie, Spannung und Geschwisterliebe. Großartig, wie hier emotionale Themen wie Verantwortung und Zusammenhalt neben einer aberwitzigen Handlung Raum finden. Ein Abenteuer mit Tiefgang.

🗯️ Das Klugscheißerchen von Marc-Uwe Kling
Ein unsichtbares Wesen auf dem Dachboden, das nur von echten Klugscheißern gesehen werden kann? Kling klingt wie immer nach Klamauk – aber hinter dem Witz steckt auch viel Alltagsbeobachtung. Die Dialoge sind pointiert, die Gedanken der Kinder klug und super nachvollziehbar. Ein Vorlesespaß mit vielen Lachern und kleinen Denk-Anstößen für die ganze Familie.

💩 Die Die Kackwurstfabrik von Marja Baseler & Annemarie van den Brink
Ja, der Titel ist erst mal wenig appetitlich – aber das Buch ist genial. Die Verdauung als chaotische, aber liebenswerte Fabrik dargestellt, voller wimmeliger Details und eingebettet in eine Geschichte über zwei mutige Kinder. Das perfekte Sachbuch für Kinder, die „Wissen zum Anfassen“ mögen – und für Eltern, die endlich mal erklären können, warum Kauen eigentlich wichtig ist. Überraschend unterhaltsam, überraschend informativ! 

🧠 Das Hotel zum Oberstübchen von Marja Baseler & Annemarie van den Brink
Wie funktionieren Gedanken und Erinnerungen? Dieses Buch erklärt das Gehirn – eingebettet in eine Geschichte rund um ein Familientreffen und einen vergesslichen Opa. Wieder wimmelbuchartig illustriert, mit vielen liebevollen Details. Ideal für Kinder (und Erwachsene), die neugierig sind, wie das Denken funktioniert.

Und jetzt bist du dran!

Vielleicht hast du beim Lesen dieses Artikels an ein Buch gedacht, das bei euch gerade hoch und runter gelesen wird. Oder an eine Geschichte, die schon ewig im Regal steht – und trotzdem immer wieder hervorgeholt wird. Genau diese Buchlieblinge interessieren mich! Denn jede Familie hat ihre ganz eigenen Vorleseschätze. Manche bringen alle zum Lachen, andere rühren zu Tränen oder sind einfach so schön erzählt, dass man sie nie vergisst. Und wer weiß – vielleicht entdeckt hier jemand durch deine Empfehlung ein neues Lieblingsbuch.

Also: Welche Bücher liebt dein Kind gerade besonders? Welche Geschichten haben bei euch für leuchtende Augen, Gespräche beim Abendbrot oder Kuschelrunden am Sofa gesorgt? Schreib sie mir gern in die Kommentare! Ich freue mich riesig über eure Tipps – und darüber, diese kleine Schatzkiste an Vorleseempfehlungen gemeinsam mit euch zu füllen.

Wer schreibt hier?

  • Ulrike Wolf

    ist Mama-Coach, Mutmacherin und Möglichmacherin.

    Sie begleitet Mütter dabei, aus dem Dauerstress des Alltags auszusteigen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und echte Verbundenheit im Familienleben zu schaffen. Dabei greift sie auf eigene Erfahrungen als Mutter zweier Kinder, fundierte Coaching-Methoden und ihr Wissen zur Nervensystemregulation zurück.

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