Gerade eben drehen meine Kinder noch fröhlich ihre Runden mit den Rädern auf der Einfahrt und im nächsten Moment entbrennt ein hitziger Streit darüber, wer von welcher Startposition aus losfahren darf. Wenn du selbst Kinder hast, fallen dir bestimmt sofort zig ähnliche Situationen ein. Geschwisterstreit bringt den Familienalltag regelmäßig ins Wanken – mal schmunzeln wir, mal ist es zum Verzweifeln.
Doch was, wenn ich dir sage, dass es gar nicht so schwer ist, Geschwisterstreit zu schlichten – ohne ständig eingreifen zu müssen? Zumal deine Kinder beim Streiten wichtige soziale Fähigkeiten lernen, die sie ein Leben lang begleiten werden. In diesem Artikel erfährst du, wie du Geschwisterstreit gelassen und gleichzeitig förderlich für die Entwicklung deiner Kinder begleiten kannst.
Das Wichtigste in Kürze:
- Streit ist normal und wichtig. Kinder lernen dabei Rücksicht, Grenzen und Konfliktlösung.
- Nicht jeder Streit braucht dich. Oft reicht Beobachten. Eingreifen musst du nur, wenn es gefährlich wird.
- Bleibe neutral. Keine Schuldzuweisungen, kein Partei ergreifen. Stattdessen Gefühle spiegeln und Verständnis zeigen.
- Beachte die 4 Streit-Stufen und handle entsprechend: normales Gezanke (lass es laufen), heftiges Gezanke (biete Hilfe an), drohende Gefahr (kläre, ob es Spiel oder Ernst ist), gefährlicher Streit (trenne die Kinder voneinander).
- Nutze Bindungsspiele. Sie helfen, Stress abzubauen und das Wir-Gefühl zu stärken.
- Schütze deine eigenen Nerven. Atme tief durch, gönn dir Auszeiten und achte auf deine Bedürfnisse.
Warum Geschwisterstreit völlig normal und sogar wichtig ist
Wir Menschen sind verschieden und aufgrund dieser Verschiedenheit kommt es immer wieder zum Aushandeln von Positionen (was ist deins – was ist meins, was will ich – was willst du). Kurzum, es kommt zum Streit. Es geht gar nicht darum, Streit zu vermeiden (denn dann würden wir unserer Verschiedenheit nicht gerecht werden), sondern das richtige Streiten zu lernen.
Kinder lernen beim Streiten, Rücksicht zu nehmen, Grenzen zu setzen und sie auch zu akzeptieren. Sie üben, sich auszudrücken, sich in andere einzufühlen und Kompromisse zu finden. Und eben diese Fähigkeit zur Konsensfindung brauchen wir Menschen, um dauerhaft gute Beziehungen aufzubauen.
Anstatt beim nächsten Streit “Och nee, nicht schon wieder!” zu denken, probiere es mal mit einem lebensbejahenden “Au ja!”. Denn deine Kinder lernen eine ganze Menge, wenn sie miteinander streiten. Was genau, hängt zu einem großen Teil von den Erwachsenen ab, die sie dabei begleiten. Also von niemand geringerem als dir selbst!
Gedankenspiel: 3 klassische Varianten um mit Geschwisterstreit umzugehen
Lass dich mal auf das folgende Gedankenspiel ein. Angenommen du hast zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Die beiden spielen friedlich im Wohnzimmer, während du in die Küche gehst, um dir einen Tee zu kochen. Plötzlich hörst du Geschrei.
👧 Mamaaa, Max hat mich an den Haaren gezogen!
👦 Aber nur, weil du mir das Auto weggenommen hast.
👧 Gar nicht wahr, du hast es mir doch zuerst weggenommen!
Das war’s wohl mit dem Entspannen bei einer Tasse Tee. Jetzt gilt es, diesen Geschwisterstreit zu schlichten. Und was genau könntest du tun?
Variante 1: Bestrafen
Du machst kurzen Prozess mit deinem Sohn und bestrafst ihn für das Haareziehen. Zwar weißt du nicht, wer von beiden den Streit ausgelöst hat, aber an den Haaren ziehen geht halt nicht. Der Streit ist beendet, aber wahrscheinlich fühlt sich dein Sohn ungerecht behandelt und hat erstmal keine Lust, mit seiner Schwester weiterzuspielen.
Variante 2: Auslöser entfernen
Du den Kindern das Auto wegnimmst. Niemand wird bestraft, der Auslöser für den Streit ist nicht mehr da. Damit sich deine Kinder wieder vertragen, beginnst du mit ihnen ein anderes Spiel zu spielen. Kurzfristig herrscht Ruhe, aber deine Kinder lernen dabei: Konflikte können wir nur mit Hilfe von außen lösen. Und beim nächsten Mal geht es wieder los. Denn um die eigentlichen Streitursachen hast du dich nicht gekümmert.
Variante 3: Ignorieren
Du greifst gar nicht ein. Dein Sohn ist kräftiger und geht so als “Gewinner” aus dem Streit hervor. Die Botschaft: Wer kräftiger ist, hat recht – Rücksichtnahme ist Nebensache.
Keine der drei Varianten klingt wirklich ideal. Es ist auch gar nicht so einfach, das Richtige in einer solchen Situation zu tun. Erst recht nicht, wenn du als Unbeteiligte dich genötigt fühlst, Partei zu ergreifen. Wie kann das sein, wo doch wir Erwachsenen diejenigen sind, die (aus Kindersicht) immer wissen, wo es lang geht?
Bevor ich dir eine vierte Variante zum Schlichten vorstelle, lass uns noch einen Blick darauf werfen, was den Geschwisterstreit von anderen Streitigkeiten unterscheidet.
Was ist anders beim Geschwisterstreit?
Kinder lernen das Streiten nicht nur zu Hause, sondern auch in Kindergarten, Schule oder mit Freunden. Mehrere Studien (Raffaelli (1997), Borairi et al (2022), Howe et al (2023)) zeigen, dass Geschwisterstreit oft emotionaler und intensiver ist und auch schwerer gelöst werden kann. Warum?
Geschwister konkurrieren häufig um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Die Aufmerksamkeit der Eltern brauchen Kinder genauso sehr wie Essen und Trinken – deshalb gehen sie auch “all in”, wenn sie den Eindruck haben, davon zu wenig zu bekommen. Wenn die Eltern es schaffen, dieses Bedürfnis nach Aufmerksamkeit bei allen Kindern zu befriedigen, gibt es weniger Streit. Hat eines der Kinder aber das Gefühl, auf emotionaler Ebene zu kurz zu kommen, dann nimmt es jede Gelegenheit zum Streit wahr (und provoziert auch Gelegenheiten).
Außerdem verbringen Geschwister viel Zeit miteinander und haben somit auch viele Gelegenheiten zum Streiten. Die emotionale Nähe zwischen ihnen führt dazu, dass Streitigkeiten oft intensiver sind. Streiten sich Geschwister, fügen sie einander eher Schmerzen zu als wenn sich Freunde streiten. Wissenschaftler konnten belegen, dass auch Mädchen im Gewisterstreit eher dazu neigen, körperlich zu werden, als im Streit mit Freunden. Jungs machen keinen Unterschied: sie setzen ihren Körper in beiden Kontexten ein. Psychologen argumentieren, dass die erhöhte Intensität bei Geschwisterstreitigkeiten sich dadurch begründet, dass Geschwister die Beziehung zueinander nicht beenden können. Einen Freund hingegen kann man dauerhaft verlieren, wenn man zu sehr mit ihm streitet.
Schau dir mal den Unterschied bei deinen Kindern an: Wie streiten sie mit Freunden und wie mit Geschwistern? Vielleicht bemerkst du, dass deine Kinder mehr und häufiger miteinander streiten als mit ihren Freunden. Vielleicht hast du auch das Gefühl, dass deine Kinder mehr streiten als andere. Doch vergiss nicht: Das siehst du nur zu Hause. Und zu Hause ist der Safe Place deiner Kinder – der Ort, an dem sie ihre Gefühle ungefiltert rauslassen dürfen. Es gibt keine Norm, wie oft oder wie intensiv Geschwister streiten „dürfen“. Wichtig ist nur: Niemand kommt ernsthaft zu Schaden und wir Eltern behalten unsere Nerven.
Umgang mit Geschwisterstreit
Es ist ganz normal, dass Kinder sich regelmäßig streiten, die Frage ist nur, wie wir als Eltern damit umgehen. Als meine Kinder kleiner waren, überraschte mich ihre Streitdynamik ständig. Kaum hatte ich den Raum verlassen und schon wurde gehauen oder geschubst. Diese körperliche Auseinandersetzung war mir häufig zu viel. Reflexartig verteidigte ich mein jüngeres Kind und appellierte an die Vernunft des Größeren. Blöde Strategie, wie ich bald merkte.
Kinder wollen sich in ihrem Körper spüren und deshalb setzen sie ihn auch im Streit ein. Gerade frisch eingeschult, übte mein älteres Kind noch, seine Gefühle in Worte zu fassen und natürlich hatte mein jüngeres Kind auch seinen Anteil an den Auseinandersetzungen. Gleichzeitig triggerten mich meine eigenen Kindheitserfahrungen: Als Ältere musste ich oft zurückstecken, „weil du schon vernünftiger bist“. Das wurmte mich damals und mischte sich nun in meine Reaktionen als Mama.
Als mir klar wurde, dass ich nicht wirklich etwas gegen die Geschwisterdynamik ausrichten konnte (Druck erzeugt Gegendruck), hat sich in mir etwas gelöst. Ich beobachtete die Streitigkeiten meiner Kinder genauer, stellte Fragen und teilte meine Wahrnehmungen, anstatt Partei zu ergreifen.
👩🦰 Es kommt mir vor, als ob du das nicht möchtest. Stimmt das?
👩🦰 Ich sehe, dass ihr kämpft. Ist das für euch beide Spaß?
Und wenn die Streiterei für beide ok war, aber gleichzeitig an meinen Nerven gezerrt hat, habe ich einfach den Raum verlassen. Ich bin ins Nebenzimmer gegangen und habe geatmet: ein-auuuuus, ein-auuuuuus, ein-auuuuus. Zehn Atemzüge bis ich wieder bei mir war. Manchmal auch nur, bis der Streit kein Spaß mehr war und mein Eingreifen nötig wurde. kennengelernt und es kam mir vor, als würde sich alles fügen. Endlich eine Methode anhand derer ich mein “Trial-and-Error”-Vorgehen für die Streit-Begleitung einsortieren konnte.
Die 4 Streit-Stufen: So kannst du Geschwisterstreit schlichten
Dann lernte ich das 4-Stufen-Modell von Anke Eyrich. Endlich hatte ich einen Rahmen für mein bisheriges “Trial-and-Error”-Vorgehen. Das Modell basiert auf Aware Parenting, einem bindungsorientierten Erziehungsansatz der ohne Strafen und Belohnungen auskommt.
Ziel dieses Modells ist es, deine Kinder beim Streiten zu unterstützen, anstatt autoritär zu agieren (Streit verbieten, Partei ergreifen) oder sie sich selbst zu überlassen. Das 4-Stufen-Modell hilft dir einzuschätzen, auf welcher Stufe sich der Streit befindet und wie du reagieren kannst
Stufe 1: Normales Gezanke – Entspann dich!
Die erste Stufe ist das ganz normale Gezanke. Die gute Nachricht ist, wenn sich deine Kinder auf dieser Stufe befinden, brauchst du nicht aktiv werden. Nimm alles aus der Beobachterperspektive wahr und lass die selbst regeln, wie sie diesen Streit lösen wollen.
Wenn du merkst, dass dich diese Stufe stresst, versuche tief durchzuatmen und an etwas Schönes zu denken. Vielleicht hilft es dir auch, wenn du dir vor Augen führst, dass deine Kinder sich gerade in Konfliktlösung üben.
Stufe 2: Heftiges Gezanke – Braucht ihr Hilfe?
Wird der Streit heftiger, befinden sich deine Kinder auf Stufe 2. Je nachdem, wie alt und geübt sie sind, kann es gut sein, dass sie den Streit ohne fremde Hilfe lösen. Deshalb bleib erstmal weiter auf deinem Beobachtungsposten.
Es kann aber auch sein, dass dein Eingreifen hilfreich ist. Biete deine Hilfe an, indem du deine Kinder fragst, ob sie Unterstützung möchten. Erst wenn sie das bejahen, komm dazu. Deine Aufgabe besteht nun darin, allen am Streit beteiligten Kindern zu vermitteln, dass du sie siehst und ihre Gefühle ernst nehmen. Du hörst aufmerksam zu und machst durch deine Äußerungen die Position eines jeden Kindes sichtbar. Aber du ergreifst keine Partei und gibst auch keine Lösung vor.
Lass uns nochmal das Gedankenspiel von vorhin aufgreifen:
👧 Mamaaa, Max hat mich an den Haaren gezogen!
👦 Aber nur, weil du mir das Auto weggenommen hast
👧 Gar nicht wahr, du hast es mir doch zuerst weggenommen!
Du könntest nun so reagieren:
👩🦰 Ich höre, dass ihr Streit miteinander habt. Braucht ihr meine Hilfe?
👧, 👦Ja.
👩🦰 Ok. Ich sehe, dass ihr echt wütend aufeinander seid.
👧 Max hat mich an den Haaren gezogen!
👩🦰 Ok. Max hat dich an den Haaren gezogen und das tut weh, oder?
👧 Ja, das tut weh.
👩🦰 Max, du hast das gemacht, weil du das Auto haben wolltest?
👦 Genau. Ich habe damit gespielt und dann hat Lisa es mir weggenommen.
👩🦰 Du wolltest unbedingt das Auto wieder haben.
👦 So war es.
👧 Aber ich habe vorher schon mit dem Auto gespielt.
…
Höre beiden Kindern aufmerksam zu, lass jeden ausreden, wiederhole was du verstanden hast und zeige Verständnis für ihre beiden Standpunkte. So fühlen sich deine Kinder gesehen. Das laute Wiederholen und Benennen von ihren Gefühlen hilft deinen Kindern dabei, ihre eigene Perspektive zu wechseln und sich in den jeweils anderen einzufühlen.
Biete auf keinen Fall eine Lösung an, sondern erkenne an, wie schwierig die Situation für sie ist.
👩🦰 Ihr möchtet beide mit diesem Auto spielen. Das ist eine verzwickte Situation. Zwei Kinder und nur ein Auto…
Vermittle ihnen, dass sie selbst eine Lösung finden werden.
👩🦰 Ich glaube ihr findet eine Lösung für dieses Problem. Ich glaube ihr findet eine Lösung, die für euch beide ok ist.
Und dann geh aus dem Zimmer und lass deine Kinder selbst eine Lösung finden.
Ist eines deiner Kinder deutlich jünger als das ältere, noch unter drei Jahren oder noch nicht so weit in seiner Sprachentwicklung, bleibe bei ihnen. Dann brauchen dich deine Kinder weiterhin als Vermittler. Achte aber darauf, keine Lösung zu verordnen. In deiner Rolle als Vermittler kannst du Worte für das finden, was deine Kinder noch nicht ausdrücken können und du kannst Vorschläge machen.
Stufe 3: Drohende Gefahr – Spiel oder Ernst?
Diese Stufe erreichen die Kinder, wenn sie keine Lösung auf Stufe 2 finden oder wenn sie Stufe 2 ganz ausgelassen haben. Also wenn verbales Gezanke in heftige Worte (Beschimpfungen) oder in körperliche Auseinandersetzung (Hauen, Schubsen, etc.) übergeht.
Deine Aufgabe besteht nun darin herauszufinden, ob der Streit für die Kinder noch ein Spiel oder schon Ernst ist. Auch das machst du wieder, indem du nachfragst:
👩🦰 Ist euer Kampf noch Spiel oder Ernst?
Vermittle, dass ein Spiel nur ok ist, wenn alle Beteiligten Spaß daran haben. Wenn jemand nicht mehr einverstanden ist, wird aufgehört. Und dann kannst du anbieten, zur Stufe 2 zurückzukehren.
👩🦰 Ich sehe, dass ihr Streit miteinander habt. Braucht ihr meine Hilfe?
Stufe 4: Gefährlicher Streit – Eingreifen!
Auf dieser Stufe ist der Streit nun wirklich gefährlich und du musst einschreiten.
Beschreibe wieder zuerst, was du wahrnimmst:
👩🦰 Ich sehe zwei Kinder, die sehr wütend sind. Ich denke, ihr tut euch gleich weh.
oder
👩🦰 Ich sehe zwei Kinder, die sehr wütend sind und sich weh getan haben.
und handle dann, indem du die Kinder räumlich trennst:
👩🦰 Euer Zusammensein geht jetzt nicht mehr, es ist zu gefährlich. Ihr braucht Abstand und Zeit, um euch zu beruhigen. Geh du in [Raum A] und du in [Raum B].
Diese Trennung ist keine Bestrafung. Sie dient lediglich dem Zweck, dass niemand zu Schaden kommt.
Wie du Streit entschärfen kannst
Beim Streiten fehlt den Kindern die Verbindung untereinander. Häufig haben sie Stress, weil sie sich im Alltag machtlos fühlen (besonders den Erwachsenen gegenüber). Befinden sich deine Kinder in ihrem Streit auf Stufe 1 oder 3, hilft es, den Konflikt spielerisch zu begleiten. Du kannst ihnen ein Bindungsspiel anbieten, um Geschwisterstreit zu schlichten.
Bindungsspiele gehen immer vom Kind aus. Und ich bin mir sicher, du hast sie – ohne es zu wissen – auch schon mehrfach gespielt. Mit Babys spielen wir Erwachsenen sie häufig automatisch. Zum Beispiel beim Guck-Guck-Spiel: Du versteckst dein Gesicht hinter einer Zeitung, nimmst dann die Zeitung herunter und sagst “Guck-Guck”.
Eine Art der Bindungsspiele, die beim Entschärfen von Stresssituationen hilfreich sein kann, sind die Machtumkehr-Spiele. Kinder streiten häufig, weil sie sich ohnmächtig fühlen. Sie wissen einfach gerade keinen anderen Weg aus ihrer Ohnmacht hinaus. Du kannst ihr Verhalten dann als eine Einladung für ein Machtumkehr-Spiel verstehen. Bei Machtumkehr-Spielen geben wir Erwachsenen vor, schwach, ängstlich, ungeschickt oder begriffsstutzig zu sein, während unsere Kinder groß und stark sind.
Angenommen, deine Kinder befinden sich gerade im “höher-schneller-weiter” Modus (also wenn sie sich daran messen, wer etwas besser kann) und wetteifern darin, wer weiter springen kann. Dann sagst du
👩🦰 Wie gemein, ich komme nur so weit.
und machst einen ganz kurzen Sprung
👩🦰 Wieso könnt ihr so weit springen?
Falls sich deine Kinder streiten, weil einer dem anderen gerade einen gebauten Turm umgestoßen hat, könntest du auch einen Turm bauen und mit ganz übertriebener Miene sagen
👩🦰 Der muss stehen bleiben. Der darf auf keinen Fall umgestoßen werden.
Vielleicht brauchen deine Kinder ein Augenzwinkern von dir, um in das Spiel einzusteigen. Vielleicht musst du auch sagen
👩🦰 Ich gehe kurz weg und wenn ich wiederkomme, baue ich weiter.
Sobald dein Turm umgestoßen wurde, sagst du sowas wie
👩🦰 Hey, ich habe doch gesagt, nicht umstoßen. Jetzt muss ich ja nochmal anfangen!
Falls deine Kinder Lust auf Kämpfen haben, könntest du auch eine Kissenschlacht anbieten (du gegen die Kinder) und bei jedem Treffer theatralisch zu Boden gehen. Oder du bietest ihnen an, auf ein Kissen zu hauen und rufst bei jedem Schlag laut “Aua”.
Du siehst, es gibt unzählige Varianten, um Machtumkehr-Spiele zu spielen. Sie lassen sich für alle möglichen Situationen abwandeln. Probiere es aus, mache immer wieder Angebote und lass dich vom Grinsen und Lachen deiner Kinder leiten. Reagieren sie mit Lachen, dann haben sie dein Spielangebot angenommen und bist du auf dem richtigen Weg.
Was du für dich tun kannst
So sehr ich weiß, dass Streiten zum Leben dazugehört – es gibt Tage, da halte ich es kaum aus. Dann merke ich: Das hat weniger mit meinen Kindern zu tun, sondern mehr mit mir. Da ist es dann sinnvoll zu schauen, was ich in dem Moment brauche, anstatt meine Kinder zuzurufen “Ey, hört mal mit dem Streiten auf!”.
Also, horch mal in dich rein. Was brauchst du jetzt? Eine halbe Stunde für dich ganz allein? Einen Abend mit deiner besten Freundin? Einen Spaziergang? Und dann hole dir was von dem, was du gerade brauchst. Deine eigene Stimmung färbt direkt auf deine Kinder ab. Wenn es dir gelingt, etwas für dich zu tun, profitieren deine Kinder auch davon.
Vielleicht ist es auch nicht allgemeiner Stress, der in Streitsituationen Unbehagen bei dir auslöst. Vielleicht ist es etwas anderes, etwas, das tiefer liegt. Hier kann es helfen, wenn du die Situation später in einem ruhigen Moment reflektierst. Wenn du herausgefunden hast, warum dich der Streit deiner Kinder triggert, überlege, wie du damit umgehen kannst.
Vielleicht klingt das ein bisschen verkopft. Deshalb ein Beispiel aus meinem Alltag: Mich zum Beispiel hat es innerlich aufgewühlt, wenn meine Kinder körperlich aneinandergeraten sind (Spoiler: tut es auch jetzt noch). Das hat aber mehr mit meinen Erfahrungen zu tun, als damit, was meine Kinder beabsichtigen, wenn sie ihre Kraft messen. In der Regel wollen Kinder sich in ihrem Körper spüren. Mein Weg damit umzugehen ist ihnen dann das Schubkarre-Fahren anzubieten. Ein Kind ist die Schubkarre und geht in die Liegestützposition. Ich als Schubkarren-Schieber greife seine Beine (ein Bein pro Hand) und los geht die Fahrt. Nach 10 Minuten ist dieses Spiel in der Regel vorbei und meine Kinder sind bereit, sich auf eine ruhigere Aktivität einzulassen.
Fazit: Deine Begleitung macht den Unterschied
Geschwisterstreit gehört zum Familienalltag dazu und er ist wertvoller, als es im ersten Moment scheint. Mit Geduld, Verständnis und dem richtigen Maß an Eingreifen gelingt es dir, Geschwisterstreit zu schlichten und deine Kinder dabei zu stärken. So wird aus Geschwisterstreit kein Drama, sondern eine Chance – für deine Kinder und für eure ganze Familie.
Wie läuft es bei dir zu Hause? Was fordert dich am meisten heraus, wenn deine Kinder streiten? Kommentiere diesen Artikel und teile deine Erfahrungen. Ich bin gespannt darauf!
Geschwisterstreit schlichten: Häufige Fragen
Was bedeutet es, wenn Kinder sich ständig streiten?
Das ist normal – sie üben, Grenzen zu setzen, Gefühle zu zeigen und Konflikte auszutragen.
Warum streiten sich meine Kinder mehr als andere?
Das kommt dir vielleicht nur so vor. Geschwister streiten meistens zu Hause – ihrem „Safe Place“. Dort dürfen sie Gefühle rauslassen. Andere Familien siehst du in diesen Momenten einfach nicht.
Ist es sinnvoll, Geschwisterstreit zu unterbinden?
Nein. Streit ist wichtig, damit Kinder lernen, Grenzen zu setzen, Empathie zu entwickeln und Konflikte zu lösen. Eingreifen solltest du nur, wenn Gefahr besteht.
Wie kann ich ohne Strafen einen Geschwisterstreit schlichten?
Bleib ruhig, benenne die Gefühle und höre beiden Seiten zu. Hilf deinen Kindern, ihre Perspektiven zu verstehen – aber gib keine fertige Lösung vor.
Ab wann sollte ich eingreifen?
Wenn es von lautem Gezanke zu Handgreiflichkeiten oder Beschimpfungen kommt, solltest du aufmerksam werden. Bei echter Gefahr musst du sofort eingreifen und die Kinder trennen.
Was sind die 4 Streit-Stufen nach Anke Eyrich?
Stufe 1: Normales Gezanke – Entspann dich!
Alles im grünen Bereich. Deine Kinder üben gerade Konfliktlösung. Bleib Beobachter, greife nicht ein – atme tief durch.
Stufe 2: Heftiges Gezanke – Braucht ihr Hilfe?
Der Streit wird lauter. Frag nach, ob sie Unterstützung wollen. Hör beiden Seiten zu, spiegle ihre Gefühle – aber gib keine Lösung vor.
Stufe 3: Drohende Gefahr – Spiel oder Ernst?
Jetzt wird es handgreiflich. Frag nach: „Ist das noch Spiel oder schon Ernst?“ Mach klar: Spiel ist nur ok, wenn beide Spaß haben.
Stufe 4: Gefährlicher Streit – Eingreifen!
Jetzt musst du handeln. Beschreibe, was du siehst („Ich glaube, ihr tut euch gleich weh“) und trenne sie räumlich. Nicht als Strafe, sondern damit niemand verletzt wird.
Wie bleibe ich selbst gelassen wenn meine Kinder streiten?
Atme tief durch, verlasse im Zweifel kurz den Raum und erinnere dich: Deine Kinder üben gerade wichtige Fähigkeiten. Sorge außerdem gut für dich selbst.
Was, wenn ich den Lärm nicht aushalte?
Dann achte auf deine eigenen Bedürfnisse: kurze Auszeit, Bewegung, ein Gespräch mit einer Freundin. Deine Gelassenheit wirkt sich direkt auf deine Kinder aus.









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