Ich bin mir sicher, du kennst das. Da gibt es diese eine Sache, die dir an einer anderen Person schon länger auffällt. Vielleicht nervt sie dich. Vielleicht macht sie dich traurig. Oder du willst einfach etwas loswerden, weil du merkst: Ich schluck das sonst runter – und das tut uns beiden nicht gut.
Und trotzdem hält dich irgendwas zurück. Du willst niemandem wehtun. Du willst kein Drama. Und irgendwie hast du auch Angst, falsch verstanden zu werden. 🤷♀️
Willkommen im Feedback-Dilemma!
Das Wichtigste in Kürze:
- Feedback ist dann hilfreich, wenn es wertschätzend, konkret und auf Augenhöhe formuliert wird.
- Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Beurteilung (bewertend, verallgemeinernd) und wirkungsvoller Rückmeldung (beschreibend, persönlich, situationsbezogen) >>> also sage „Ich nehme war…“ anstatt „Du bist…“
- Gutes Feedback benennt eine konkrete Wahrnehmung, beschreibt deren Wirkung und formuliert einen klaren Wunsch statt Vorwürfe zu machen (WWW-Methode).
- Gefühle gehören ins Feedback, solange du sie als eigene Reaktion benennst und sie nicht zur Schuldzuweisung werden.
- Timing und Kontext entscheiden darüber, ob dein Feedback ankommt oder Widerstand auslöst. Beachte, dass ungefragtes Feedback auf deinen Gegenüber überfordernd wirken kann.
- Ziel von Feedback ist Verständigung und Entwicklung, nicht Recht zu behalten oder Macht auszuüben.
Warum Feedback ein Beziehungstool ist
Ehrlich sagen, was du denkst und dabei niemanden verletzen? Ja, das geht. Richtig eingesetzt ist Feedback ein Türöffner. Eine Einladung zu echter Verbindung.
Am einfachsten lässt sich Feedback mit der Kommunikationstheorie erklären. Sie beschreibt Feedback als eine Rückantwort, die der Empfänger einer Nachricht dem Sender gibt. Und diese Rückmeldung kann das Verhalten verändern. Genau das macht Feedback so wertvoll: Es ist eine echte Grundlage für Entwicklung. Bei dir, bei anderen und in euren Beziehungen.
Feedback erfüllt nämlich gleich drei wichtige Zwecke:
- Es stärkt Beziehungen. Weil es Missverständnisse aufklärt, Nähe schafft und zeigt: „Ich nehme dich wahr.“
- Es fördert Lernen. Du bekommst Hinweise, was gut läuft und wo du noch wachsen kannst.
- Es schärft deine Selbstwahrnehmung. Weil andere manchmal Dinge sehen, die du selbst gar nicht wahrnimmst. Darauf gehe ich in dem Artikel Das Johari-Fenster näher ein.
Klingt ziemlich hilfreich, oder? Und trotzdem zucken viele beim Wort „Feedback“ zusammen. Warum? Die Antwort finden wir in unserer Vergangenheit, in den Erfahrungen, die wir gesammelt haben: WIE wir Feedback bisher erlebt haben und WAS uns rückgemeldet wurde.
Ich möchte, dass wir Feedback anders erleben. Damit wir es wirklich zum Beziehungsaufbau und zum Lernen nutzen können. Genau da setzt dieser Artikel an. Ich zeige dir nicht nur, wie du gutes Feedback richtig geben kannst. Du bekommst von mir außerdem viele Beispielsätze zum Feedback geben. Damit du Kritik äußern kannst, ohne zu verletzen.
Bewertung vs. Feedback – wo ist der Unterschied?
Viele von uns haben Feedback vor allem als Teil von Leistungsbeurteilungen kennengelernt. In der Schule. In der Ausbildung. Später im Job. Da gab’s Rückmeldungen – schwarz bzw. rot auf weiß – und meistens ziemlich nüchtern.
In solchen Momenten wird Feedback oft dafür benutzt, Leistung zu messen. Wie gut hast du eine Aufgabe erledigt? Was war okay und was nicht? Und genau deshalb verknüpfen viele von uns Feedback automatisch mit Bewertung. Und das macht es nicht unbedingt leichter, offen damit umzugehen.
Unser gesellschaftliches Erbe: Das ausbleibendes Gemecker
Im Zusammenhang mit Leistungsbeurteilungen hieß Feedback oft: „Hier ist deine Note. Und hier steht, was nicht gepasst hat.“ Das war selten ein Gespräch auf Augenhöhe. Eher ein Urteil. Und ja, das prägt. Wenn du Feedback vor allem als Bewertung erlebt hast, dann ist klar, warum dein System Alarm schlägt, sobald jemand sagt: „Darf ich dir mal Feedback geben?“
Zumal es in Deutschland kulturell tief verwurzelt ist, Dinge kritisch zu hinterfragen und Schwächen zu analysieren. Das kann sehr hilfreich sein, z.B. wenn man herausfinden will, warum eine Brücke eingestürzt ist und die neue stabiler werden soll. Aber im gesellschaftlichen und persönlichen Bereich führt es dazu, dass eher gesehen wird, was fehlt, als das was bereits gut läuft.
Sprichwörter geben viel darüber preis, wie eine Gesellschaft die Welt sieht. In der deutschen Sprache gibt es tatsächlich einige Sprichwörter, die die „Kultur des Kritisierens“ oder zumindest eine stark defizitorientierte Sichtweise widerspiegeln.
- „Hochmut kommt vor dem Fall.“: Die Mahnung zur Bescheidenheit, aber gleichzeitig auch ein bisschen Freude daran, wenn jemand, der sich hervortut, scheitert.
- „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“: Zeigt, dass Menschen mit Fehlern oder Missgeschicken eher Spott als Mitgefühl begegnet. Kein besonders konstruktiver Umgang.
- „Nicht geschimpft ist genug gelobt.“: Wahrscheinlich das bekannteste Beispiel. Es zeigt ziemlich deutlich, dass positives Feedback bei uns nicht selbstverständlich ist. Schweigen gilt schon als Anerkennung. Was wie ein Scherz klingt, ist oft ernst gemeint. Als würde das Ausbleiben von Gemecker schon ein Zeichen von Wertschätzung sein.
Aber liebe Leute, so kommen wir als Gesellschaft nicht voran. Und deshalb schlage ich vor, dass wir diesen „kulturellen Schatz“ mal eben entsorgen. Frei nach dem Motto „Ist das Kunst oder kann das weg?“: Es kann weg!
Sprichwörter wie „Nicht geschimpft ist genug gelobt“ behindern dich nämlich dabei, einen konstruktiven Umgang mit Feedback zu entwickeln. Wenn jemand nichts sagt, woher sollst du dann wissen, ob er dich gesehen hat? Ob er zufrieden ist? Oder ob er vielleicht einfach keine Lust hatte, sich mitzuteilen? Und wenn du nichts sagst, woher soll dann beispielsweise dein Kind wissen, dass du gesehen hast, wie viel Mühe es sich heute beim Einschenken der Milch gegeben hat? Und dass du bemerkt hast, dass dabei auch überhaupt nichts daneben gegangen ist? Und dass du dich darüber freust, dass es ihm gelungen ist?
Also merke, ausbleibendes Gemecker ist keine Anerkennung. Es ist höchstens… Stille. Aber kein gutes Feedback. Und schon gar kein Lob.
Konstruktives Feedback als Sandwich verpacken?
Eine weitere wenig brauchbare Feedback-Methode, mit der du wahrscheinlich schon in Berührung gekommen bist, ist die Sandwich-Methode (manchmal auch Feedback-Burger genannt). Erst ein bisschen Lob, dann Kritik, dann nochmal ein nettes Wort hinterher.
Die gute Absicht (die Kritik etwas abzufedern) ist durchaus lobenswert, aber was kommt beim Gegenüber an?
Oft nicht: „Ah, wie schön ausgewogen!“
Sondern eher: „Du denkst, ich kann nicht mit Kritik umgehen.“
Oder schlimmer noch: „Deswegen bin ich jetzt hier? Und das Lob meinst du wahrscheinlich gar nicht ernst.“
Unser Fokus auf das Negative sorgt dafür, dass wir uns auf das stürzen, was wehtut und den Rest ausblenden. Das Brot bleibt uns regelrecht im Halse stecken. Und dann haben wir auch noch den ganzen Tag Magengrummeln, weil das Burger-Patti viel zu fett war…
Deshalb: Lieber klar und respektvoll – statt verklausuliert und zwischen Zeilen versteckt. Menschen sind nicht blöd, sie spüren das es dir hauptsächlich um die Kritik geht. Und sie danken dir eher für klare Worte als für gut gemeinte Verpackungen von Kritik.
Was gutes Feedback stattdessen ist
Jenseits von Bewertungen, ausbleibenden Gemecker und pappigen Broten gibt es noch eine andere Art von Feedback.
- Feedback, das keine Angst macht, sondern Verständnis schafft.
- Feedback, das nicht urteilt, sondern einlädt.
- Feedback, das nicht verpackt werden muss.
Ein gutes Feedback ist keine Bewertung sondern eine Wahrnehmung. Ein Blick von außen. Eine Perspektive, die du selbst vielleicht nicht hast. Und genau deshalb so wertvoll.
Viele denken beim Thema Feedback direkt an Kritik. Dabei ist positive Rückmeldung mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger. In der Psychologie spricht man von dem „Magic Ratio“: Für eine stabile, gesunde Beziehung braucht es fünf positive Rückmeldungen auf eine negative (Gottman & Levenson). Das heißt: Gib regelmäßig Anerkennung. Sag, was dir gefällt. Was gut lief. Was du schätzt.
So entsteht Vertrauen und dann ist dein Gegenüber auch offener für kritisches Feedback, wenn es mal sein muss.
Wenn du Feedback gibst, denk an zwei Dinge:
- Sei wertschätzend.
Erkenne an, was die Person getan oder versucht hat. Teile deine Wahrnehmung, bleib bei dir ohne zu bewerten. - Gib einen konkreten Hinweis (wenn sinnvoll).
Kein Mensch macht absichtlich etwas „falsch“. Meistens fehlt es einfach an einer Idee, wie es besser gehen könnte.
Wenn du eine hast, dann teile sie.
Sag zum Beispiel: „Mir hätte es geholfen, wenn du…“ oder „Vielleicht wäre es leichter, wenn du nächstes Mal…“
Die Haltung entscheidet: Feedback ist keine Wahrheit
Bevor du überhaupt den Mund aufmachst und jemandem Feedback gibst, darfst du dir eines bewusst machen: Feedback ist keine objektive Wahrheit. Es ist deine Wahrnehmung. Dein Eindruck. Deine Sicht auf eine Situation, auf ein Verhalten. Nicht die Realität an sich.
Das ist wichtig. Denn genau diese Haltung macht den Unterschied zwischen „Ich sag dir mal, wie’s richtig geht“ und „Ich teile dir mit, wie es bei mir angekommen ist“. Wenn du Feedback gibst, machst du ein Angebot. Du gibst einen Einblick in deine Welt. Und du lässt die andere Person entscheiden, was sie daraus mitnimmt.
Statt zu analysieren, beobachtest du.
Statt zu bewerten, beschreibst du.
Und statt festzulegen, was richtig ist, bietest du eine Perspektive an.
Diese Haltung macht dich nicht schwächer – im Gegenteil. Sie macht dich zugänglich. Und sie schafft eine Atmosphäre, in der sich dein Gegenüber nicht verteidigen muss, sondern zuhören kann. Und genau da beginnt die Magie: Wenn dein Feedback nicht angreift, sondern verbindet.
Timing & Setting: Der richtige Moment für Feedback
Feedback ist wie Gießen bei Pflanzen: Nicht zu viel, nicht zu selten und ganz bestimmt nicht im falschen Moment. Wenn du möchtest, dass dein Feedback etwas bewirkt, dann kommt es nicht nur auf den Inhalt an, sondern auch auf das Wann und Wie.
⏰ Zeitpunkt: so früh wie möglich, aber nicht im Affekt
Du kennst das sicher: Eine Situation beschäftigt dich, du willst etwas loswerden – und zwar sofort. Aber Vorsicht: Feedback im Affekt ist laut und wirbelig.
Warte lieber, bis du selbst wieder ruhig bist. Und achte auch auf dein Gegenüber:
Hat die Person gerade den Kopf frei? Oder wäre dein Feedback in diesem Moment eher ein zusätzlicher Stressfaktor?
Und dann: nicht zu lange warten!
Je näher du mit deinem Feedback an der ursprünglichen Situation bleibst, desto besser kann dein Gegenüber nachvollziehen, worum es geht. Menschen vergessen schnell – vor allem, was sie selbst gesagt oder getan haben.
🛋️ Rahmen: keine Tür-und-Angel-Momente
Wirklich gutes Feedback braucht Raum. Such dir einen ruhigen Moment. Vielleicht beim Spaziergang. Oder bei einer Tasse Kaffee.
Und kündige dein Anliegen ruhig an: „Ich würde gern etwas mit dir teilen – passt dir das gerade?“
Das schafft Sicherheit und Offenheit.
Feedback wirkt am besten, wenn es rechtzeitig kommt, in einem guten Rahmen stattfindet und von Wertschätzung getragen ist. Dann schafft es Klarheit ohne zu verletzen.
Die WWW-Methode: Klar, konkret, konstruktiv
Wenn du Feedback gibst, willst du etwas sagen, das ankommt, aber nicht angreift. Und genau dabei hilft dir eine einfache Struktur: die WWW-Methode.
Mit der WWW-Methode Feedback richtig geben
Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch. Diese drei kleinen Ws sorgen dafür, dass dein Feedback nicht wie ein Vorwurf klingt, sondern wie eine Einladung zum Verstehen.
- Wahrnehmung:
Beschreibe, was du beobachtet hast ohne zu bewerten.
👉 „Mir ist aufgefallen, dass du während unseres Gesprächs mehrfach auf dein Handy geschaut hast…“ - Wirkung:
Sag, wie das auf dich gewirkt hat. Bleib bei dir, kein „Du hast…“
👉 „…das hat mich irritiert und ich hatte das Gefühl, dass du mir nicht richtig zuhörst.“ - Wunsch:
Formuliere, was du dir beim nächsten Mal wünschen würdest.
👉 „Ich würde mir wünschen, dass wir beim nächsten Gespräch ganz präsent füreinander sind.“
Feedback-Methoden im Vergleich: Warum die WWW-Methode besser wirkt
Die WWW-Methode hilft dir Bewertungen zu vermeiden. Außerdem formulierst du eine alternative Handlung als Wunsch. Gerade das macht die Methode so viel wirksamer als (ausbleibendes Gemecker) und die Sandwich-Methode.
Beispiel 1: Dein Partner räumt den Geschirrspüler ein, nur nicht so wie du es gern hättest
- Gemecker: „Wie oft soll ich dir denn noch sagen, wie man die Tupperdosen einsortiert?!“
- Sandwich: „Danke, dass du den Geschirrspüler eingeräumt hast. Die Tupperdosen liegen nicht im richtigen Fach. Noch mal danke für deine Unterstützung.“
- WWW-Methode: „Ich sehe, du hast den Geschirrspüler schon eingeräumt – danke. Bitte klemme die Tupperdosen so ein, sonst werden sie umgedreht, Wasser sammelt sich und sie werden nicht richtig sauber.“
👉 Was kommt an? Gemecker führt zu Abwehr. Das Sandwich sorgt für Verwirrung. Die WWW-Methode bringt Klarheit – freundlich und direkt.
Beispiel 2: Dein Kind räumt das Zimmer auf
- Gemecker: (Schweigen oder Nörgeln über einen vergessenen Socken)
- Sandwich: „Danke, dass du dein Zimmer aufgeräumt hast.“
- WWW-Methode: „Ich sehe, dass du dein Zimmer aufgeräumt hast. Das macht mich richtig froh, weil mir Ordnung wichtig ist.“
👉 Was kommt an? Mit Gemecker lässt du die Chance verstreichen eine positive Rückmeldung zu geben (Denk an den Magic-Ratio!). Das Sandwich ist ziemlich nüchtern. Die WWW-Methode gibt dir die Möglichkeit, das positive Verhalten angemessen zu würdigen. So kannst du eure Beziehung stärken und Orientierung geben.
Vorteile der WWW-Methode
Die Beispiele haben es anschaulich gemacht, aber hier noch mal für eine bessere Übersicht die drei Vorteile der WWW-Methode.
- Klar statt verwirrend: Kein interpretierbares „Lob mit Haken“ und dein Gegenüber weiß genau, worum es geht.
- Verbindend statt verletzend: Kein Angriff, sondern ein Angebot zur Veränderung.
- Stärkend: Weil du Verhalten ansprichst – nicht die ganze Person.
Du willst dich vorbereiten? Dann nimm dir diese drei Fragen mit:
- Was habe ich gesehen oder gehört? (Wahrnehmung)
- Wie habe ich mich dabei gefühlt? (Wirkung)
- Was wünsche ich mir stattdessen? (Wunsch)
So gibst du Feedback, das klar, ehrlich und wirksam ist.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Feedback geben ist kein Hexenwerk. Aber es ist auch keine Disziplin, in der man einfach so reinrutscht und alles auf Anhieb richtig macht. Viele Menschen meinen es gut und landen trotzdem im Fettnäpfchen. Damit dir das nicht passiert, findest du hier die häufigsten Fehler und was du stattdessen tun kannst.
❌ Feedback geben, ohne gefragt zu werden
Ungefragtes Feedback wirkt schnell übergriffig, selbst wenn du es liebevoll meinst.
✅ Besser: Frag vorher: „Darf ich dir kurz eine Rückmeldung geben?“ oder „Ich hab etwas beobachtet – interessiert dich meine Perspektive?“
❌ Vage Formulierungen
„Ich fand das irgendwie komisch…“ bringt niemanden weiter. Ohne Klarheit bleibt alles im Nebel.
✅ Besser: Werde konkret. „Mir ist aufgefallen, dass du beim Gespräch gestern oft aufs Handy geschaut hast – das hat mich verunsichert.“
❌ Verallgemeinern & dramatisieren
„Immer kommst du zu spät!“ oder „Nie hörst du zu!“ – solche Sätze drängen Menschen eher in die Ecke, als dass sie zum Zuhören einladen.
Generell solltest du Killerphrasen („immer“, „nie“, „ständig“, „alles“ usw.) meiden.
✅ Besser: Beziehe dich auf einen konkreten Moment: „Heute Morgen beim Frühstück warst du sehr still – ich hatte das Gefühl, da war was los bei dir.“
❌ Feedback als Vorwurf tarnen
Ein getarnter Vorwurf a la „Na toll, jetzt hast du’s mal aufgeräumt – nach drei Wochen Chaos.“ ist kein Feedback – er ist nur verpacktes Meckern.
✅ Besser: „Ich sehe, dass du heute aufgeräumt hast – das freut mich total. Ich fände es schön, wenn wir das regelmäßiger gemeinsam hinkriegen.“
❌ Keine Lösung anbieten
Einfach nur zu sagen, was nicht passt („Du hast wieder mal alles entschieden, ohne mich zu fragen.“), lässt dein Gegenüber oft ratlos zurück. Im Idealfall, lernt die Person etwas aus dem Feedback, das du ihr gibst. Aber dafür braucht sie einen Hinweis auf das erwünschte Verhalten.
✅ Besser: Zeig, was du dir wünschen würdest: „Ich hab gemerkt, dass du die Entscheidung allein getroffen hast – ich hätte mir gewünscht, dass wir das gemeinsam klären.“
❌ Nur kritisieren, nie loben
Wenn du immer nur dann den Mund aufmachst, wenn was schiefläuft, entsteht beim Gegenüber schnell das Gefühl: „Ich kann’s dir nie recht machen.“
✅ Besser: Gib auch positives Feedback – und zwar regelmäßig. Ein „Danke, dass du das übernommen hast“ oder „Ich fand’s schön, wie du das gesagt hast“ wirkt Wunder.
Feedback ist ein Gespräch auf Augenhöhe. Wenn du klar sagst, was du wahrgenommen hast, freundlich bleibst und deine eigene Perspektive teilst, wird aus Feedback ein echtes Angebot zur Weiterentwicklung. Und wenn du zusätzlich darauf achtest, was gut läuft, schaffst du ein Klima, in dem Rückmeldungen nicht verletzen, sondern verbinden.
Was tun, wenn Feedback schlecht ankommt?
Du hast dir Mühe gegeben. Deine Worte mit Bedacht gewählt. Und trotzdem – dein Feedback kommt nicht gut an. Vielleicht siehst du Tränen. Vielleicht Schweigen. Vielleicht knallt dir ein „So war’s doch gar nicht!“ entgegen.
Keine Panik. Das heißt nicht automatisch, dass du etwas falsch gemacht hast.
Feedback ist persönlich. Es trifft manchmal auf wunde Punkte oder auf eine Stimmung, die du nicht beeinflussen kannst. Und manchmal braucht dein Gegenüber einfach etwas Zeit, um das Gehörte zu verarbeiten.
- Bleib ruhig und offen
Wenn du merkst, dass dein Feedback nicht gut ankommt, atme erst mal durch. Nicht in die Defensive gehen. Nicht rechtfertigen. Und bitte: Nicht sofort zurückrudern, nur weil’s unangenehm wird.
Frag stattdessen nach: „Ich merke, das beschäftigt dich gerade. Magst du mir sagen, was in dir los ist?“
Oder: „War das gerade schwer zu hören? Ich möchte verstehen, was dich bewegt.“
So zeigst du: Ich sehe dich. Ich will dich nicht verletzen – ich will dich erreichen.
- Gib Raum für Reaktion
Manchmal braucht es keine Diskussion, sondern einfach einen Moment zum Sacken lassen.
Du kannst auch anbieten, das Gespräch zu vertagen: „Lass uns gern später nochmal darüber sprechen – wenn du soweit bist.“
Oder: „Wenn du möchtest, können wir nochmal gemeinsam in Ruhe draufschauen.“
Wichtig: Du bist nicht verantwortlich dafür, wie dein Feedback aufgenommen wird. Aber du bist verantwortlich dafür, wie du damit umgehst, wenn es holprig wird.
- Feedback ist kein Monolog
Wenn du echtes Interesse zeigst, entsteht daraus oft ein wertvoller Austausch. Vielleicht sagt dir dein Gegenüber: „Ich hab’s anders gemeint“ oder „Das war mir gar nicht bewusst“.
Und dann könnt ihr weiterreden. Miteinander statt gegeneinander.
Feedback ist ein Dialog
Manchmal denken wir: Ich sag das jetzt, dann ist’s gesagt. Zack, raus damit, Haken dran.
Aber nur weil du etwas mitteilst, heißt das noch lange nicht, dass es beim anderen auch so ankommt, wie du es gemeint hast. Vielleicht hört dein Gegenüber etwas ganz anderes (Stichwort: Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun). Oder hat Fragen. Oder sieht die Situation aus einem völlig anderen Blickwinkel.
Frag nach – und hör zu
- Ein einfaches: „Wie hast du das gerade verstanden?“ ist ein prima Einladung.
- Alternativ probiere ein: „Wie war das für dich, das zu hören?“ Das gibt deinem Gegenüber Raum, sich zu öffnen.
- Solche Nachfragen zeigen, dass du nicht nur daran interessiert bist deine Meinung loszuwerden. Du willst verstehen. Und du willst, dass dein Feedback ankommt. Nicht nur an der Oberfläche, sondern im Herz und Kopf des anderen.
Gemeinsames Weiterdenken
- Besonders stark wird Feedback, wenn daraus echte Zusammenarbeit entsteht.
- Wenn du sagst: „Was wäre für dich ein guter nächster Schritt?“ oder „Hast du eine Idee, wie wir das gemeinsam anders lösen können?“
- Dann wird aus deinem Feedback kein erhobener Zeigefinger, sondern ein Angebot zur Entwicklung.
Abschluss mit Klarheit und Wertschätzung
- Am Ende eines Feedbackgesprächs lohnt es sich, nochmal zu benennen, was jetzt klarer ist und worauf ihr euch geeinigt habt.
- Und: Sag danke. Dafür, dass dein Gegenüber zugehört hat. Dass er oder sie bereit war, sich auf dein Feedback einzulassen. Das ist nicht selbstverständlich.
Feedback ist kein Vortrag. Es ist ein Miteinander. Ein Dialog. Und wenn du bereit bist zuzuhören, lernst du nicht nur über den anderen etwas, sondern auch über dich selbst.
Checkliste: So gibst du Feedback, das wirklich ankommt
Wenn du dir unsicher bist, ob dein Feedback hilfreich, klar und wertschätzend ist mach den Mini-Check. Und wenn du magst, kannst du ihn dir hier zum Ausdrucken herunterladen.
- Vor dem Gespräch:
- Was ist mein Ziel? (Verstehen, Veränderung, Beziehung stärken?)
- Ist jetzt ein guter Zeitpunkt? (Keine Hektik, kein Affekt)
- Passt der Rahmen? (Ruhig, persönlich, ungestört)
- Habe ich um Erlaubnis gefragt? („Darf ich dir etwas rückmelden?“)
- Im Gespräch:
- Ich bleibe in meiner Ich-Perspektive („Ich habe wahrgenommen…“)
- Ich beschreibe statt zu bewerten („Was ich gesehen habe…“)
- Ich nenne die Wirkung auf mich („Das hat mich irritiert…“)
- Ich formuliere einen Wunsch oder Vorschlag („Ich würde mir wünschen, dass…“)
- Ich frage nach („Wie kam das bei dir an?“)
- Nach dem Gespräch:
- Ich gebe Raum zum Nachdenken
- Ich bedanke mich fürs Zuhören
- Ich achte in Zukunft auch auf positive Rückmeldungen
Denk an den „Magic Ratio“ – 5 positive Rückmeldungen auf 1 kritische. Damit stärkst du die Beziehung zu deinem Gegenüber und du sorgst auch dafür, dass kritisches Feedback besser gehört wird.
Fazit: Feedback kann verbinden – wenn du es richtig einsetzt
Vielleicht denkst du jetzt: „Puh, ganz schön viel Input.“ Und ja – Feedback geben ist kein Selbstläufer. Es braucht Achtsamkeit und ein bisschen Übung.
Aber: Es lohnt sich. Immer. Denn wenn du anfängst, klar und wertschätzend Rückmeldung zu geben, dann verändert sich was. Bei dir. Bei den Menschen um dich herum. In euren Beziehungen.
Du schaffst Verbindung, du gibst Orientierung. Und du wirst gesehen, weil du bereit bist, auch andere zu sehen.
Feedback ist kein Risiko, sondern eine echte Chance. Für mehr Nähe. Für mehr Verständnis. Für mehr Miteinander.
Also: Trau dich. Gib Feedback. Und wenn du magst – hole dir aktiv Feedback ein. Denn Feedback ist kein Endpunkt. Es ist ein Anfang.
👉 Und wenn dir beim Lesen ein Moment eingefallen ist, in dem du mit Feedback etwas bewegt hat, erzähl mir und den Lesern davon in den Kommentaren. Vielleicht wird deine Geschichte genau der Anstoß, den jemand anderes gerade braucht.






Schreibe einen Kommentar