In diesem Artikel verwende ich zur besseren Lesbarkeit die Begriffe Coach (die Person, die ein Coaching anbietet) und Coachee (die Person, die ein Coaching in Anspruch nehmen möchte) in der männlichen Form. Ich beabsichtige damit keine Wertung. In meiner Welt sind Menschen aller Geschlechter gleich gut geeignet, Coach oder Coachee zu sein.
Coaching wird mittlerweile als professionelle Dienstleistung gesehen. Kein Wunder, schließlich schätzten bereits 2020 die Autoren der ICF Global Coaching Study das Umsatzvolumen der Branche auf 2,8 Milliarden US-Dollar. Für Deutschland fallen die Zahlen geringer aus, aber der Trend geht nach oben. Du hast Interesse an mehr Zahlen, Daten, Fakten? Schau mal hier.
Lass uns also feststellen: ein Coach bekommt Geld von seinem Coachee dafür, dass dieser ein Coaching in Anspruch nimmt. Aber diese sehr reduzierte Sichtweise auf eine wirtschaftliche Transaktion wird dem Begriff Coaching nicht gerecht. Sie suggeriert, dass Angebot, Nachfrage und Geld allein ausreichen, um diese Dienstleistung zustande zu bringen. Natürlich müssen wir alle unsere Rechnungen bezahlen, aber Geld allein garantiert keinen erfolgreichen Coaching-Prozess – weder für dich noch für mich.
Zu einem erfolgreichen Coaching braucht es vor allem zwei Menschen, die bereit sind, sich aufeinander einzulassen. Es braucht Freiwilligkeit auf beiden Seiten: bei der Person, die ihr Geld gibt und bei der Person, die ihre Aufmerksamkeit und Expertise gibt. Genau wie du als Coachee das Recht hast, dir deinen Coach sorgfältig auszusuchen, habe ich als Coach die Freiheit zu entscheiden, ob ich mit dir zusammenarbeiten möchte – oder eben nicht.
Du merkst schon, Freiheit ist einer meiner Werte. In diesem Artikel erläutere ich, wann ich mir die Freiheit nehme, unsere Coaching-Beziehung zu beenden oder sie gar nicht erst beginnen lasse.
Gründe, die für mich gegen eine Zusammenarbeit sprechen
Du vertrittst Werte, die ich nicht unterstütze
Coaching basiert auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Wenn ich feststelle, dass deine Werte stark von meinen abweichen – sei es in Bezug auf Offenheit, Gleichberechtigung oder ethische Grundsätze – werde ich dich nicht begleiten.
Das Thema Werte ist für mich wirklich wichtig. In meinem Artikel Nein danke – 10 Gründe, warum du nicht mein Coach wirst habe ich das Werte-Thema aus auch der Coachee-Perspektive beleuchtet.
Du möchtest durch das Coaching etwas erreichen, was mir unrealistisch erscheint
Coaching kann vieles bewirken, aber es ist kein Wundermittel. Wenn du mit Zielen zu mir kommst, die aus meiner Sicht unerreichbar oder unrealistisch sind, werde ich das offen ansprechen. Zum Beispiel, wenn du schnelle Lösungen für tief verwurzelte Themen erwartest oder Ergebnisse erzielen möchtest, die nicht in deiner Hand liegen. Mein Ansatz ist es dich auf einem Stück deines Weges zu begleiten, nicht falsche Erwartungen zu wecken. Das heißt nicht, dass ich deine Ambitionen klein rede, gleichwohl ich werde keine Versprechungen machen, die ich nicht halten kann.
Du hast kein echtes Interesse daran, dein Handeln zu verändern
Coaching funktioniert nur, wenn du bereit bist, aktiv an dir zu arbeiten und dein Handeln zu reflektieren. Wenn du lediglich nach Bestätigung suchst oder nicht bereit bist, echte Veränderungen anzustoßen, dann werde ich dich nicht coachen. Veränderung entsteht, wenn du selbst etwas veränderst. Ohne die Bereitschaft, deine Komfortzone zu verlassen, wird das Coaching stagnieren und keine nachhaltigen Ergebnisse bringen.
Für Larifari-Ergebnisse stehe ich nicht zur Verfügung. Wenn ich was mache, mache ich es richtig. Und diesen Einsatz erwarte ich zu einem gewissen Maße auch von dir als meine Coachee. Das heißt nicht, dass du in einem Affenzahn dein Leben umkrempeln sollst. Ganz im Gegenteil. Kleine Schritte sind total wertvoll, solange sie “echt” sind. Kleine Schritte ermöglichen es dir zu wachsen, und zwar beständig und verlässlich. Du ahnst es bereits: Beständigkeit und Verlässlichkeit sind auch zwei Werte von mir.
Du kannst dich nicht auf die Übungen einlassen
Im Coaching arbeite ich mit Methoden, die vielleicht neu oder ungewohnt für dich sind. Wenn du nicht bereit bist, dich auf diese Prozesse einzulassen – sei es aus Misstrauen, Unsicherheit oder innerer Blockade – wird unser Fortschritt schnell behindert. Natürlich respektiere ich es, wenn eine Übung nicht zu dir passt. Der Erfolg eines Coachings ist nicht an die Absolvierung ganz bestimmter Übungen geknüpft (Coaching ist nicht Schule, du musst hier nichts beweisen). Gleichwohl ist es wichtig, dass du grundsätzlich offen für neue Ansätze und Reflexionen bist, sonst wird unser Coaching nur an der Oberfläche kratzen.
Du brauchst Unterstützung, die ich nicht leisten kann
Coaching hat seine Grenzen. Wenn du Unterstützung in Bereichen brauchst, die außerhalb meiner Expertise liegen, wie etwa bei tiefen psychologischen Themen oder gesundheitlichen Problemen, werde ich dir offen sagen, dass ich dir nicht die Hilfe bieten kann, die du brauchst.
Coaching ist darauf ausgerichtet, dich in deinem persönlichen oder beruflichen Wachstum zu unterstützen, aber es ersetzt keine professionelle Therapie oder medizinische Beratung. In solchen Fällen werde ich dir empfehlen, die für dich passende professionelle Unterstützung zu suchen.
Das Vorgespräch: Wie ich herausfinde, ob ich mit dir arbeiten möchte
Wenn ein Coaching für dich in Frage kommt, hast du dich informiert und überlegt, wer als Coach für dich passen würde. Du folgst vielleicht einer persönlichen Empfehlung und hast dir meinen Internetauftritt angesehen. Im Gegensatz zu mir hast du also schon einen kleinen Kennenlernvorsprung, wenn wir uns in einem ersten unverbindlichen Gespräch (virtuell) gegenüber sitzen. In der Coaching-Sprache heißt so ein Gespräch Auftragsklärung, ich nenne es gerne “Beschnuppern”.
Natürlich schnuppere ich nicht im wortwörtlichen Sinne an dir, aber ich lasse dich auf mich wirken. Und ich möchte herausfinden, was dich zu mir führt, was du dir wünschst und was dir wichtig ist. Keine Sorge, ich werde dich keine Checkliste ausfüllen lassen, die ich dann gegenprüfe. Wir führen einfach ein Gespräch und währenddessen halte ich Rücksprache mit meinem Bauch. Am Ende des Gesprächs lasse ich dich wissen, ob ich mir eine Zusammenarbeit mit dir vorstellen kann.
Und dann überlegst du dir, ob du mit mir zusammenarbeiten möchtest. Vielleicht kannst du das auch direkt in unserem Gespräch äußern, vielleicht brauchst du noch eine Nacht, um darüber zu schlafen. Wenn du zu einem “Ja, ich will” kommst, dann buchst du dein Coaching bei mir.
Das Coaching: Wenn ich die Notbremse ziehe
Manchmal zeigen sich Schwierigkeiten erst während des Coaching-Prozesses. Wenn ich merke, dass wir aus einem der oben genannten Gründe nicht weiterkommen, ziehe ich die Notbremse. Dann besteht meine Aufgabe darin, dir meine Wahrnehmung transparent zu machen. Das bedeutet, ich werde dich darauf hinweisen, dass das Coaching in der jetzigen Form für mich keinen Sinn ergibt. Oft lässt sich in einem offenen Gespräch klären, ob und wie wir die Zusammenarbeit anpassen können.
Sollte das nicht möglich sein, werden wir uns trennen – was völlig in Ordnung ist. Du erhältst dann natürlich das Honorar für noch nicht in Anspruch genommene Coaching-Sitzungen zurück.
Fazit: Nein ist ok
Coaching ist eine sehr persönliche Angelegenheit, die auf Vertrauen, Offenheit und einer guten gemeinsamen Basis beruht. Nicht jeder Coach passt zu jedem Coachee – und das ist vollkommen in Ordnung. Ich nehme mir die Freiheit, meine Coachees mit Bedacht auszuwählen, weil ich nur so gewährleisten kann, dass wir beide von der Zusammenarbeit profitieren. Klarheit und gegenseitiger Respekt stehen für mich im Vordergrund. Manchmal bedeutet das, dass ich “Nein” sage – aber dieses “Nein” ist immer ein “Ja” zu der Art und Weise, wie ich meine Arbeit machen möchte.






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