In diesem Artikel verwende ich zur besseren Lesbarkeit die Begriffe Coach (die Person, die ein Coaching anbietet) und Coachee (die Person, die ein Coaching in Anspruch nehmen möchte) in der männlichen Form. Ich beabsichtige damit keine Wertung. In meiner Welt sind Menschen aller Geschlechter gleich gut geeignet, Coach oder Coachee zu sein.
Ich bin überzeugt: Coaching kann fast jedem Menschen guttun. Es ist ein kraftvolles Werkzeug für persönliches Wachstum – wenn der richtige Coach an deiner Seite ist. Denn nicht jeder passt zu jedem. Vertrauen, gegenseitiger Respekt und die persönliche Passung sind das A und O. Oder anders gesagt: Der Coach muss der passende Deckel für deinen Topf sein.
Auch ich lasse mich regelmäßig coachen – aber nicht von jedem. In diesem Artikel teile ich mit dir die drei Kriterien, die für mich entscheidend sind, wenn ich einen Coach auswähle. Plus: Meine ganz persönlichen No-Gos. Also die Gründe, weshalb ich mich gegen eine Zusammenarbeit entscheide.
#1 Werte und Philosophie
Warum ist das so wichtig? Ganz einfach: Ein Coach bringt nicht nur Methoden mit, sondern auch seine Haltung – meist unbewusst. Seine Werte prägen, wie er coacht, welche Fragen er stellt und welche Perspektiven er betont.
Wenn die Werte von Coach und Coachee nicht zusammenpassen, fühlt sich das Ganze schnell unstimmig an. Nehmen wir ein Beispiel: Ein Coach, der Ziele auf dem schnellsten Weg erreichen will, passt nicht zu jemandem, der auch dem Weg dorthin Raum geben möchte.
No-Go: Werte, die meinen widersprechen
Menschen sind verschieden und das ist auch gut so. Aber wenn ein Coach meine Grundwerte missachtet, ist bei mir Schluss. Ein Coach, der mir Vorschriften macht (mein Wert: Partizipation), andere Sichtweisen nicht akzeptiert (mein Wert: Pluralismus) oder nicht auf Eigenverantwortung setzt – nein danke.
Auch mit Statusgehabe kann ich nichts anfangen. Wenn sich ein Coach als Überflieger inszeniert und seinen Erfolg mit Luxusreisen belegt, schreckt mich das ab. Für mich zählt das Coaching, nicht der Lifestyle den man sich durch Coaching ermöglicht.
No-Go: Coaching im Fließband-Modus
Sobald Coaching in ein rigides Geschäftsmodell gepresst wird, dann ist es wie mit den Fallpauschalen im Gesundheitswesen. Nette Idee, leider blöd. Dann wird oftmals nur noch nach Schema F gehandelt. Und für den Vertrauensaufbau, das Stellen von klugen Fragen sowie das aufmerksame Zuhören bleibt zu wenig Raum.
Und Coaches, die innerhalb eines solchen Systems arbeiten und gleichwohl versuchen, einen guten Job zu machen, kommen unter die Räder. Denn sie brauchen viel zu viel Zeit für ein Coaching, für das sie nicht angemessen bezahlt werden.
#2 Persönliche Passung und Erfahrung
Ein gutes Coaching lebt vom Vertrauen. Und das entsteht, wenn ich spüre: Mein Coach versteht, wo ich stehe. Das klappt besser, wenn er ähnliche Erfahrungen gemacht hat – ist aber kein Muss. Ein hohes Maß an Empathie kann fehlende Erfahrung locker ausgleichen.
No-Go: Coach lebt in einer völlig anderen Welt
Ich muss fühlen, dass sich der Coach in meine Situation hineinversetzen kann. Wenn sein Leben meins überhaupt nicht spiegelt – etwa weil er sich nur über Konzernkarriere und Elite-Uni definiert –, dann fehlt mir die Verbindung. Besonders bei Themen aus dem Familienalltag.
(Halbes) No-Go: Coach ist sehr jung
Coaching lebt auch von Lebenserfahrung. Und obwohl es junge, unglaublich empathische Coaches gibt – wenn jemand Anfang 20 ist, denke ich mir oft: Das wird für mich nicht passen. Vielleicht ist das ein Glaubenssatz. Vielleicht auch einfach mein Bedürfnis nach Reife.
No-Go: Coach hält sich für allwissend
Ich kann nicht mit Coaches arbeiten, die glauben, auf alles eine Antwort zu haben. Wenn jemand auf jede Frage sofort eine Lösung parat hat oder suggeriert, dass er “die Wahrheit” kennt, werde ich skeptisch. Coaching lebt für mich davon, gemeinsam Fragen zu erforschen – nicht davon, dass mir jemand seine Weltsicht überstülpt. Ein Coach muss auch mal sagen können: „Das weiß ich nicht.“ oder „Was denkst du darüber?“
Wer keine Neugier für mein Erleben zeigt, sondern stattdessen mit einem großen “So ist das!” durchs Leben geht, passt nicht zu mir. Ich brauche Coaches, die Raum lassen. Für Komplexität. Für meine Sichtweise. Für Zweifel.
#3 Arbeitsweise und Beziehung
Die Arbeitsweise eines Coaches und die Beziehung, die er zu seinen Coachees aufbaut, spielen eine zentrale Rolle im Coaching-Prozess. Professionelles Verhalten, klare Kommunikation und ein vertrauensvoller Umgang sind die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
No-Go: Coaching wird mir aufgedrängt
In meiner Welt basiert Coaching auf Freiwilligkeit. Auf echter Freiwilligkeit. Denn nur dann gibt es die wahrhaftige Motivation, etwas ändern zu wollen. Nur dann kann Coaching gut und effektiv sein.
Coaches, die mir subtil vermitteln, dass ich dringend Coaching brauche, disqualifizieren sich für mich.
No-Go: Unprofessionelles Verhalten
Als Coachee erwarte ich, dass der Coach einen geeigneten Rahmen für unser Coaching schaffst, sich im Coaching auf mich konzentriert und vertrauensvoll handelt. Häufige Terminverschiebungen, Unterbrechungen oder eingestreute Informationen von anderen Coachees lassen mich aufhorchen.
Coaching funktioniert nur, wenn es eine gute Vertrauensbasis zwischen Coach und Coachee gibt. Und dafür braucht es Verlässlichkeit und Transparenz.
No-Go: Beratung statt Coaching
Es ist ok, wenn mir jemand erklärt, wie andere Menschen ihre Probleme gelöst haben. Besonders dann, wenn ich Fixpunkte im Außen suche, um mich selbst erstmal zu sortieren. Aber dann ist das Beratung ist kein Coaching. Wenn ich mich coachen lasse, möchte ich meine Lösung für mein Problem finden. Und nicht die Lösung, die für meinen Coach oder einen seiner früheren Coachees passen würde.
Auf welchem Level jemand unterwegs ist – ob als Berater oder Coach – erkenne ich anhand der Fragen, die mir gestellt werden. Während ein Coach offene Fragen stellt (Was kannst du tun? Wer kann dir dabei helfen?), arbeitet ein Berater häufig mit geschlossenen Fragen (Hast du schon mal Y ausprobiert? Hast du X um Unterstützung gebeten?) oder präsentiert sogar schon die fertigen Lösungen (Mach mal A! Hol dir Unterstützung von B!).
No-Go: Coach ist persönlich involviert
Ich habe mich schon von Menschen coachen lassen, die zu meinem Umfeld gehören. Das kann wunderbar funktionieren, solange uns beiden klar ist in welcher Rolle wir jeweils unterwegs sind (e.g. “Ich als dein Coach frage dich ABC”). Allerdings lasse ich mich nicht von von einer Person coachen, die persönlich in das Thema involviert ist, das ich im Coaching bearbeiten möchte.
Fazit: Wähle deinen Coach mit Bedacht
Coaching ist etwas sehr Persönliches. Es funktioniert nur, wenn du dich wohl und verstanden fühlst. Deshalb: Schau nicht nur auf Zertifikate oder Methoden. Achte auch auf Werte, Lebensweg und Haltung. Ich wähle meine Coaches mit Bedacht aus. Und du machst das bitte auch! Achte darauf, dass dir dein Coach nicht nur methodisch weiterhilft, sondern auch menschlich zu dir passt. Nur dann kannst du das volle Potenzial eines Coachings ausschöpfen.
Wenn du das Gefühl hast, dass wir auf einer Wellenlänge sein könnten, dann melde dich gern. Lass uns unverbindlich sprechen – und gemeinsam herausfinden, ob ich der richtige Deckel für deinen Topf bin.






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