Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern bewusst die Entscheidung zu treffen, dieser Angst zu begegnen. Wenn wir vor Herausforderungen stehen, die uns aus unserer Komfortzone drängen und Unsicherheiten wecken, fragen wir uns oft: „Kann ich das wirklich schaffen?“ Doch genau diese Momente des Zweifeln sind auch die Augenblicke, in denen wir die Chance haben, zu wachsen.
Im Rahmen der von Esthers initiierten Blogparade „Da war ich mutig!“ teile ich meine persönlichen Erfahrungen, die zeigen, dass Mut uns weiterbringt – nicht nur in großen, heldenhaften Momenten, sondern auch im ganz normalen Alltag.
Mut haben: warum sich das lohnt
Mutig sind wir, wenn wir unsere Angst überwinden. Die Angst ist eine Grundemotion und sie warnt uns vor (potentiellen) Gefahren. Mutig sind wir nicht, weil wir keine Angst haben. Wir sind mutig, wenn wir etwas tun, obwohl es uns Angst macht. Das erklärt Alfonso, der Affe kindgerecht in der Mira Show #10. Und er liefert in dieser auch gleich noch einen passenden Leitspruch, der kleinen und großen Menschen beim Mutig sein hilft.
Hallo Angst, du bist OK.
Ich werd ab heute mit dir gehn.
Du und ich wir sind bereit,
Machen das ab jetzt zu zweit!
Mutig zu sein, oder mit Alfonsos Worten, gemeinsam mit unserer Angst zu gehen, lohnt sich immer. Unsere Angst zeigt uns unsere Entwicklungsfelder und wenn wir sie betreten, können wir neue Erfahrungen sammeln. Wir können uns selbst besser kennenlernen und unsere Fähigkeiten erweitern. Werden wir aktiv obwohl wir Angst haben, fördert das unser Selbstvertrauen. Jede mutige Handlung, egal wie klein, stärkt unser Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Sind wir mutig, hilft das nicht nur uns selbst, sondern auch den Menschen um uns herum. Dann können wir andere Menschen inspirieren und tragen dazu bei, Veränderungen in der Gesellschaft anzustoßen. Der Mut, für das Richtige einzustehen, kann andere dazu motivieren, ebenfalls ihre Ängste zu überwinden und aktiv zu handeln. Wer weiß wie unsere Gesellschaft heute aussehen würde, wenn die Suffragetten nicht für das Wahlrecht der Frauen gekämpft hätten.
Mut liegt im Auge des Betrachters
Es gibt ein paar Dinge, vor denen fast alle Menschen Angst haben. Zum Beispiel vor dem Tod und vor Ausgrenzung. Und deshalb finden wir gemeinhin Menschen wie Hochseilartisten, Fallschirmspringer oder Widerstandskämpfer mutig. Aber abgesehen von diesen fast schon “allgemeingültigen” Ängsten gibt es wahnsinnig viele verschiedenen Dinge, vor denen Menschen Angst haben. Somit ist es nicht verwunderlich, dass wir auch ganz unterschiedliche Dinge mutig finden.
Ich selbst habe mich nie als besonders mutigen oder besonders ängstlichen Menschen definiert. Und somit finde ich es interessant, wenn jemand meinen (angeblichen) Mut herausstellt. Besonders dann, wenn die jeweilige Situation für mich nicht mit Angst besetzt ist. Denn umgekehrt bedeutet es, dass die Situation für die jeweils andere Person beängstigend ist.
3 Situationen, in denen andere mich mutig fanden
Nach der Schule entschied ich mich, nach London zu fliegen, um als AuPair zu arbeiten – ohne bereits eine Gastfamilie gefunden zu haben. Ich flog ins Ungewisse – war das mutig? Aus meiner Sicht nicht, es war eher ein Abenteuer. Ich hatte schließlich ein Wörterbuch dabei und wusste, dass ich im Notfall immer einen Rückflug buchen könnte.
Ich habe meine Kinder nicht im Krankenhaus entbunden. War das mutig? Nein – ich war hinreichend über die Vor- und Nachteile aufgeklärt. Ich hatte die besten Hebammen, die ich mir wünschen konnte. Und ich hatte vollste Unterstützung aus meinem Umfeld. Wäre ich allein auf die Idee gekommen, mich gegen das Krankenhaus zu entscheiden? Auch nein. Ich brauchte ein Vorbild – eine echte Frau aus meinem Umfeld, die das schon gemacht hat.
Ich habe den Umfang meiner Arbeitsstunden in meinem Hauptjob reduziert, um mehr Zeit für die nebenberufliche Selbständigkeit zu haben. War das mutig? Nein, es war für mich schlicht eine Notwendigkeit. Das hohe Arbeitspensum lässt sich auf Dauer nicht ohne negative Auswirkungen auf meine Familie und Gesundheit aufrechterhalten. Und deshalb habe ich ganz offen mit meinem Arbeitgeber über mein Vorhaben gesprochen.
Obwohl andere diese Situationen als mutig empfanden, fühlte ich mich nicht so. Na klar, ich wusste nie, was mich im Einzelnen genau erwartet. Aber vor dieser Ungewissheit hatte ich keine Angst, ich war lediglich gespannt auf die neuen Erfahrungen. Egal was kommen würde, ich war mir sicher, dass ich es irgendwie schon hinbekommen würde.
3 Situationen, in denen ich mich selbst mutig fand
Umgekehrt funktioniert das natürlich auch. Situationen, die für mich beängstigend sind, sind für andere Menschen nicht der Rede wert. Auch hierfür habe ich drei Beispiele parat.
Im vorletzten Jahr habe ich meine Coaching-Ausbildung begonnen. Hatte ich Angst? Ja. Und zwar davor, für diesen Wunsch einzustehen. Ich konnte mir schließlich selbst nicht vorrechnen, dass es sich finanziell lohnt, so viel Geld in eine Weiterbildung zu stecken. Warum habe ich es trotzdem gemacht? Weil ich spürte, dass ein Ausgleich nötig war. Nach vielen Jahren des Gebens und an-meine-Grenzen-Gehens war es an der Zeit zu nehmen. Und so kam ich zu dem Schluss, dass es ok ist erstmal “nur” in persönliche Weiterentwicklung zu investieren.
Im letzten Jahr ist mein ältestes Kind in die Schule gekommen und ich habe es von Anfang an mit dem Bus fahren lassen. Hatte ich Angst? Und wie! Davor, dass es den falschen Bus nimmt (der Umstand das zur gleichen Zeit die gleiche Linie in verschiedene Richtungen von unserer Haltestelle abfährt hat es nicht einfacher gemacht). Davor, dass es auf blöde Menschen trifft und blöde Erfahrungen macht. Warum habe ich es trotzdem fahren lassen? Weil mein Kind selbst mit dem Bus fahren wollte. Weil ich möchte, dass mein Kind selbständig wird. Weil Loslassen dazu gehört. Außerdem hat es mir geholfen, mir meine “alten” Ängste genauer anzusehen. Meine Ängste basieren auf meinen Erfahrungen. Meine Ängste sind nicht die Ängste meines Kindes.
In diesem Jahr habe ich mit dem Klettern begonnen. Hatte ich Angst? Oh ja! Ich halte mich selbst für unsportlich. Erinnerungen an den Schulsport oder (noch schlimmer!) Sportfeste rufen ein mulmiges Gefühl in mir hervor. Ebenfalls nicht in meiner Komfortzone: irgendwo raufklettern, von wo ich runterfallen könnte (erst recht nicht, wenn ich nicht gesichert bin). Ich habe mich also ganz wissentlich in eine Situation begeben, in der ich keine gute Figur mache. Warum habe ich das trotzdem gewagt? Weil ich Klettern ziemlich cool finde. Und weil ich Menschen getroffen habe, die meinten “Komm einfach mal mit”. Menschen, die ich sonst kaum kannte. Denen ich ganz offen sagen konnte: ich kann das nicht, aber ich habe Lust es zu lernen.
Mut entwickeln: Trainingsmöglichkeiten
Mut kann jeder Mensch entwickeln. Unseren Mut können wir durch bewusste Entscheidungen und kontinuierliche Übung fördern – ähnlich dem Muskelaufbau beim Krafttraining. Du kannst deinen eigenen Mut-Muskel trainieren und anderen Menschen beim Training helfen. Hier kommen drei Vorschläge zum Trainieren des Mut-Muskels im Alltag:
Ängste erkennen
Stelle dich deinen Ängsten, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen. Beginne mit kleinen Schritten, um dein Selbstvertrauen zu stärken. Verlasse täglich ein Stück weit deine Komfortzone, so lernst du Herausforderungen als Wachstumsmöglichkeiten zu sehen.
Hast du Angst, vor einer Gruppe zu sprechen? Dann melde dich in einem Meeting, um nur kurz deine Meinung zu äußern. Oder fürchtest du dich davor, neue Leute kennenzulernen? Dann gehe bewusst auf jemanden zu, den du nicht kennst, und starte ein Gespräch, zum Beispiel beim Warten auf den Bus oder im Supermarkt.
Wenn du bemerkst, dass andere Menschen vor etwas Angst haben, sprich mit ihnen darüber. Angst kann lähmend sein, besonders dann, wenn wir denken, dass wir in der Situation, vor der wir Angst haben, nichts tun können. Indem du aufzeigst, was dein Gegenüber in der jeweiligen Situation tun kann, gibst du ihm Spielraum. Ein Mensch, der mehrere Handlungsmöglichkeiten vor Augen hat, wird aktiv werden.
Machen statt Grübeln
Mache dir deine Fähigkeiten und Erfolge bewusst. Was kannst du alles? Was kannst du richtig gut? Welche deiner Fähigkeiten können dir helfen, die Situation, die dich ängstigt, besser zu bewältigen? Gab es schon mal eine ähnliche Situation, die du gemeistert hast? All diese Fragen kannst du auch deinem Gegenüber stellen. Eine andere Möglichkeit ist, dass du deinem Gegenüber ein Feedback zu seinen Stärken gibst und erklärst, wie diese Stärken beim Bewältigen der aktuellen Situation helfen können.
Willst du nach der Babypause wieder in den Job einsteigen und zweifelst an deinen Fähigkeiten? Nimm dir die Zeit, dir deine bisherigen beruflichen Erfolge in Erinnerung zu rufen. Eine Freundin hat Zweifel, ob sie ein neues Projekt angehen soll? Mache ihr deutlich, welche Fähigkeiten sie besitzt.
Akzeptiere, dass Fehler ein Teil des Lebens sind. Scheitern gehört dazu und bietet die Chance zum Lernen. Wage es, eine neue Aufgabe zu übernehmen, auch wenn du nicht alle Schritte von Anfang an beherrschst. Das wird sich mit der Zeit entwickeln. Entweder fragst du nach Hilfe oder du lernst aus Fehlern, die dir passieren.
Vorbilder & Unterstützer
Lass dich von anderen Menschen inspirieren. Ihre Geschichten können dich motivieren, selbst mutiger zu handeln. Du kannst dich dafür in deinem Umfeld umsehen. Welche Menschen haben Dinge getan, die du mutig findest? Vielleicht weißt du sogar schon, was ihnen dabei geholfen hat, mutig zu sein. Falls nicht, frag sie doch einfach. Du kannst auch bekannte Personen als Vorbild auswählen. Lese Biografien und Interview oder schau dir die entsprechende Dokumentation und Biopics an.
Natürlich kannst du auch selbst Vorbild für andere sein. Hat eine Kollegin Angst vor einer Präsentation? Zeige ihr, wie du selbst in der Vergangenheit mit dieser Herausforderung umgegangen bist. Hat dein Kind Angst vor dem Zahnarzt? Erzähle ihm, wie es dir in seinem Alter ging und was dir geholfen hat.
Und generell gilt: umgebe dich mit Menschen, die dich ermutigen. Bekommst du positives Feedback und Ermutigungen von deinem Umfeld, wird das dein Selbstvertrauen stärken. Sei auch selbst die Person, die andere unterstützt und ermutigt.
Fazit
Mutig zu sein bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst zu handeln. Jeder Mensch hat unterschiedliche Ängste, und was für den einen mutig ist, mag für den anderen ganz normal erscheinen. Mut ist eine Fähigkeit, die wir alle entwickeln können, unabhängig davon, wie ängstlich oder mutig wir uns selbst einschätzen. Es sind die kleinen, bewussten Entscheidungen im Alltag, die uns stärker und selbstbewusster machen. Indem wir lernen, unsere Ängste anzuerkennen und dennoch mutig zu handeln, eröffnen wir uns neue Möglichkeiten und wachsen über uns hinaus. Also, trau dich, deinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn er dich in unbekanntes Terrain führt. Genau dort, wo die Ungewissheit beginnt, liegt die Chance, über dich hinauszuwachsen.






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