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„Kein Schaden so groß…“ – Was meine Oma mir über Zuversicht beigebracht hat

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„Kein Schaden so groß…“ – Was meine Oma mir über Zuversicht beigebracht hat

Den Satz “Kein Schaden so groß, wo kein Nutzen von ist” klingt in deinen Ohren vielleicht holprig. Im ersten Teil fehlt das Verb, und der zweite beginnt mit einem „wo“, obwohl ein „dass“ oder „bei dem“ grammatikalisch korrekt wäre. Trotz dieser stilistischen Schwächen verstehst du vermutlich sofort, was gemeint ist: In jedem Schaden steckt auch ein Funken Nutzen.

Der Satz “Kein Schaden so groß, wo kein Nutzen von ist” kommt aus meiner Familie. Zugegeben, ich habe ihn außerhalb meiner Familie nie jemanden sagen hören. Was möglicherweise an dem kreativen Satzbau liegt 😉.

Als ich Sylvias Aufruf zur Blogparade: Ein Satz, der mich trägt las, wusste ich sofort, dass ich mitmachen wollte. Sie ist eine systemische Therapeutin, Trauma-Coach, Autorin und Bloggerin aus Leipzig. Sie begleitet vor allem Frauen mit belastenden Kindheitserfahrungen und hilft ihnen, innere Balance, Selbstvertrauen und erfüllte Beziehungen zu finden. In ihren Blogparaden wirft sie immer wieder spannende Themen in die Runde. Auch letztes Jahr war ich mit Freude dabei. Lies auch gern meinen damaligen Beitrag: Geteiltes Leben – wie viel DDR steckt nach 35 Jahren Einheit noch in mir?

Wie alles begann – oder: Als uns das Auto geklaut wurde

So richtig bewusst wurde mir die Bedeutung dieses Satzes mit zwölf Jahren. Wir waren im Winterurlaub in Tschechien. Zwei Familien, viele Kinder, viel Schnee. Und dann, zack – das Auto meiner Eltern war weg. Geklaut.

Das war ein ziemlicher Schreck für uns alle. Aber niemandem ist etwas passiert und die Versicherung hat alles geregelt. Der Urlaub ging weiter – nur eben mit ein bisschen mehr Abenteuer. Und dieser Satz war plötzlich ständig zu hören: „Kein Schaden so groß, wo kein Nutzen von ist.“

Zum Beispiel, als klar wurde, dass die Versicherung mehr zahlte, als mein Onkel für das Auto bezahlt hätte (er wollte es nämlich eigentlich am Monatsende kaufen). Oder als im Deutschunterricht wieder der obligatorische Aufsatz „Meine Ferien“ dran war – diesmal hatte ich eine richtig spannende Geschichte zu erzählen.

Lange vor diesem Urlaub habe ich diesen Satz schon oft gehört. Und zwar von meiner Oma. Sie hat ihn geprägt – mit ihrer Geschichte, mit ihrer Haltung. Und heute begleitet mich dieser Satz durch viele kleine und große Alltagssituationen.

Die Wurzel des Satzes: meine Oma Christa

Als ich noch zur Schule ging, machte meine Oma mit ihren beiden Söhnen und mir einen Ausflug in ihre Vergangenheit. Wir fuhren in den Ort, in dem sie vor der Flucht nach Vorpommern lebte. Sie war Jahrgang 1930 und das älteste von sechs Kindern. Ihr Vater war Halbjude und Vertreter für Landmaschinen. Ihre Mutter brach mit ihrer Herkunftsfamilie, weil sie sich nicht von ihrem Mann scheiden ließ. Um die Familie zu schützen, meldete sich ihr Vater freiwillig zur Front.

Zuerst zeigte sie uns das Haus, in dem früher die Schule war. Dann ging es zum Bahnhof. Dort erzählte sie uns, wie sie ihren Vater zum Bahnhof begleitete, als sein Fronturlaub zu Ende war. Es war Winter. Die Mutter und jüngeren Geschwister blieben wegen der Kälte zu Hause. Sie bat ihren Vater, schon zurück gehen zu dürfen, bevor sein Zug kam – sie fror so sehr. Er sagte etwas wie: „Lass uns noch beisammen sein. Ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen.“ Aber er ließ sie gehen. Als sie uns das erzählte, stand nicht mehr meine Oma vor mir, sondern ein sehr junges Mädchen, das sich wünschte, die Zeit zurückdrehen zu können.

Dann fuhren wir zu dem Mietshaus, in dem ihre Familie damals wohnte. Es war ein gutes Stück entfernt (sie war früher zu Fuß dorthin gelaufen). Im Geschichtsunterricht war bei mir gerade der Zweite Weltkrieg Thema, und ich hatte viele Fragen im Kopf. Ich wollte wissen, wie es ihr damals ging – wie das wirklich war. Sie antwortete ganz unbekümmert: „Och uns Kindern ist nie etwas passiert. Wir waren alle strohblond und sahen arischer aus als unsere Mitschüler.” 

So ganz glauben, dass nie etwas passiert war, konnte ich das damals nicht. Und auch heute fällt es mir schwer.

Aber wenn eine Frau wie sie, die Krieg, Flucht, Neuanfang und noch viel mehr erlebt hat, sagt “Kein Schaden so groß, wo kein Nutzen von ist”, dann glaube ich ihr das. Sie meinte das ernst. Und irgendwie tut das gut.

Warum ich diesen Satz weitertrage

Ich glaube, wir alle erleben Situationen, in denen erstmal alles doof, chaotisch oder ärgerlich wirkt. Ob es ein geklautes Auto ist oder der Stau vor dem Kaffeeautomaten morgens um neun. Die Frage ist: Wie blicken wir darauf?

Neulich vor besagtem Automaten: Anstehen, Smalltalk, Augenrollen. Der Grund: Kollegen aus anderen Teams sind in die Nachbarbüros gezogen. Aber nun treffe ich beim Kaffeholen Leute, mit denen ich sonst nie rede. Genau das sagte ich einem „Nörgler“, der auch in der Schlange stand. Seine Antwort: „Du willst es aber auch unbedingt positiv sehen”. 

Ja, will ich. Und nicht, weil ich rosa Wolken male, sondern weil es mir hilft. Weil es mir Energie gibt. Weil es mir zeigt, dass ich handeln kann – wenn auch erstmal nur innerlich.

Fazit: Was du mitnehmen kannst

Wenn du gerade durch eine schwierige Phase gehst, wenn dir etwas gegen den Strich geht oder du das Gefühl hast, alles läuft schief – dann denk an diesen Satz. „Kein Schaden so groß, wo kein Nutzen von ist.

Vielleicht findest du den Nutzen nicht sofort. Vielleicht zeigt er sich erst später. Aber er ist da. Und allein diese Möglichkeit kann manchmal den entscheidenden Unterschied machen.

Wer schreibt hier?

  • Profilbild von Ulrike Wolf

    begleitet Mütter dabei, aus dem Dauerstress des Alltags auszusteigen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und echte Verbundenheit im Familienleben zu schaffen. Dabei greift sie auf eigene Erfahrungen als Mutter zweier Kinder, fundierte Coaching-Methoden und ihr Wissen zur Nervensystemregulation zurück.

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Kommentare

2 Kommentare zu „„Kein Schaden so groß…“ – Was meine Oma mir über Zuversicht beigebracht hat“

  1. Liebe Ulrike, über deinen Satz „Kein Schaden so groß, wo kein Nutzen von ist“ bin ich auch erst einmal gestolpert, angesichts der Verneinungen darin, die sich letztlich als großes Ja entpuppen. Mit deinem Beitrag ist dieser Satz geradezu lebendig geworden. Die Verbindung zu deiner Großmutter und ihrer Lebensgeschichte ist so bezaubernd beschrieben von dir. Ich finde es stark, wie du aus einem Familienzitat einen inneren Kompass für dich gemacht hast.

    Besonders eindrücklich fand ich die Szene am Bahnhof, diesen Moment zwischen deiner Oma und ihrem Vater, der so viel Tragik, Verlust und Unausgesprochenes in sich trägt. Und trotzdem bleibt da diese Haltung, die nicht verklärt, sondern Halt gibt: Es gibt in allem einen Sinn, dieser zeigt sich vielleicht nicht gleich, aber irgendwann.

    Ich bewundere deine Fähigkeit, auch alltägliche Situationen wie den Stau vor dem Kaffeeautomaten mit einem Schmunzeln zu betrachten und gleichzeitig eine tiefergehende Botschaft darin zu entdecken. Das ist gelebte Resilienz. Danke, dass du deinen Satz mit uns geteilt hast.

    Herzliche Grüße
    Sylvia

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