Heute Morgen stand ich in der Küche und war gleichzeitig mit tausend Dingen beschäftigt:
Brotdosen bereitstellen, den Kaffeevollautomaten einschalten, Brotdosen füllen… du kennst das. Als die Maschine endlich durchgespült hatte, wollte ich mir schnell einen Kaffee ziehen. Nebenbei viertelte ich noch einen Apfel fürs Pausenbrot und zack, Schnitt in den Finger.
Während ich mir noch dachte „Super, genau jetzt…“, hörte ich hinter mir ein verdächtiges Gluckern. Drehe mich um und sehe, wie der Kaffee schon aus der Maschine läuft. Nur blöd, dass noch kein Becher drunter stand.
Da ruft mein Kind:
„Mamaaaa! Wo sind meine Socken? Und nicht die kratzigen, bitte!“
Ich seufzte. Natürlich. Sockenkrise um 6:42 Uhr.
Aber jetzt erstmal ein Pflaster auf den Finger, bevor ich mich durch die saubere Wäsche wühle, die zwar schon den Weg aus dem Trockner, aber noch nicht in die Schränke gefunden hat. Und da kommt er um die Ecke. Dieser Gedanke, der sich anfühlt wie ein alter Bekannter, den man eigentlich nicht mehr treffen wollte.
„Ich hab den Laden hier einfach nicht im Griff.“
Und noch bevor ich ein Paar passende (und hoffentlich nicht kratzige) Socken finde, merke ich, wie dieser Satz den ganzen Morgen einfärbt. Plötzlich fühlt sich alles chaotischer an als es eigentlich ist.
Obwohl ich objektiv betrachtet einfach nur zusammengehörige Socken suche.
Es sind nicht die Socken oder die Schnittwunde, die mich stressen – es ist der Glaubenssatz, der sich heimlich in alles hineinschmuggelt und den ich oft erst bemerke, wenn er mir mitten ins Gesicht springt.
Komm mit, wir schauen uns diese Glaubenssätze mal genauer an.
Das Wichtigste in Kürze:
- Du trägst innere Überzeugungen (Glaubenssätze) in dir, die beeinflussen, wie du dich selbst, andere und deine Möglichkeiten wahrnimmst.
- Viele deiner Entscheidungen und Verhaltensweisen sind weniger bewusst gesteuert, als du denkst – sie folgen oft unreflektierten Glaubenssätzen.
- Glaubenssätze entstehen aus Erfahrungen, Prägungen und Wiederholungen.
- Glaubenssätze können dich stärken („Ich kann alles lernen, wenn ich übe.“) oder dich limitieren und ausbremsen („Ich bin einfach nicht musikalisch.“).
- Du kannst limitierende Glaubenssätze entlarven, indem du ihre Herkunft, Belege und Auswirkungen hinterfragst.
Was genau sind Glaubenssätze?
Vielleicht hast du den Begriff Glaubenssatz schon häufiger gehört und dich gefragt, was genau damit eigentlich gemeint ist. Ein Glaubenssatz ist eine Aussage, die du für wahr hältst – an die du glaubst. Er ist so tief in dir drin, dass du oftmals gar nicht auf die Idee kommst, ihn in Frage zu stellen. Man könnte ihn auch als unbewusste subjektive Wahrheit bezeichnen.
Ein Glaubenssatz speist sich aus den Geschichten, die du in deinem Leben gehört und erlebt hast. Du trägst viele von ihnen in dir. Jene, die dich selbst beschreiben und allgemeine, die deine Wahrnehmung von anderen Menschen und der Welt färben. Stell dir vor, du würdest ein paar dieser Geschichten in einen Topf werfen und dann einkochen. Am Ende kommt etwas mit ordentlich Wumms raus. Nur ist es in diesem Falle keine Bratensauce, sondern ein prägnanter Glaubenssatz, der dein Denken und Handeln prägt.
Dein Kopf ist der Topf. Und das, was darin einkocht, wird zu deinen Glaubenssätzen.

Dein Kopf ist der Topf.
Glaubenssätze helfen dir, die Flut an täglichen Eindrücken schneller einzuordnen – quasi als Energiesparprogramm deines Gehirns. Klingt erstmal gut, oder? Ist es auch. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem dich ein Glaubenssatz blockiert und nicht unterstützt.
Warum du dich mit deinen Glaubenssätzen beschäftigen solltest
Vielleicht fragst du dich: „Muss ich mich wirklich mit diesen inneren Sätzen beschäftigen? Ich hab doch schon genug um die Ohren.“
Verstehe ich total. Doch genau weil dein Alltag so herausfordernd ist, lohnt sich der Blick nach innen. Denn deine Glaubenssätze beeinflussen, wie du Situationen erlebst und wie viel Leichtigkeit du dir zurückholen kannst.
Glaubenssätze bestimmen, wie du dich selbst siehst
Glaubenssätze prägen dein Selbstbild. Und das lenkt wiederum deine Entscheidungen, deine Gefühle und letztlich dein ganzes Verhalten.
Henry Ford hat es auf den Punkt gebracht:
„Whether you think you can, or you think you can’t – you’re right.“
Was du glaubst, wird zu deiner Realität. Wenn du denkst „Ich schaffe das sowieso nicht“, wirst du es wahrscheinlich auch nicht wirklich versuchen. Wenn du hingegen glaubst „Ich darf Fehler machen – so lerne ich“, wird das Ergebnis ein anderes sein.
Ein Alltagsbeispiel dafür: Vielleicht sagst du dir immer wieder „Ich kann mein Kind nicht ins Bett bringen, ohne dass es ewig dauert.“ Wenn du diesen Glaubenssatz hast, gehst du automatisch angespannt in die Situation und genau das macht das Einschlafen oft noch schwieriger. Wenn du dir hingegen erlaubst zu denken: „Ich kann neue Wege finden, und das darf sich Schritt für Schritt leichter anfühlen“, öffnet sich innerlich Raum. Du gehst gelassener rein, probierst vielleicht etwas Neues aus und plötzlich wird die Abendsituation wirklich entspannter.
Im Grunde kannst du dich an jeder Stelle deines Lebens, für die du dir wünschst, dass sie anders aussieht, fragen, ob nicht vielleicht deine Sicht auf die Dinge dafür sorgt, dass es ist, wie es ist.
Sie filtern deine Wahrnehmung
Dein Gehirn nutzt Glaubenssätze als eine Art Abkürzung. Damit du nicht jedes Ereignis neu sortieren musst, zieht es die Schablonen deiner bisherigen Überzeugungen heran. Das spart Energie, kann aber auch ordentlich in die falsche Richtung gehen.
Wenn in dir z. B. der Satz steckt: „Ich werde nicht gesehen.“, dann wirst du eher Situationen wahrnehmen, die das bestätigen.
Von deiner Chefin kommt nur ein knappes „Passt schon“, nachdem du dich richtig reingehängt hast.
Deine Freundinnen gehen zusammen bummeln und sagen dir nicht Bescheid.
Und dein Kind ruft nach dir, aber nicht um dir etwas Schönes zu zeigen, sondern weil es seine Fußballschuhe nicht findet.
Drei völlig verschiedene Situationen und doch werden sie von deinem Gehirn so gefiltert, dass du vor allem das siehst, was zu deinen Glaubenssätzen passt, obwohl die Realität viel bunter ist:
Deine Chefin ist gestresst und außerdem ist ein “Passt schon” in ihrer Welt eine positive Rückmeldung.
Deine Freundinnen haben sich spontan getroffen und dachten, du hättest keine Zeit, weil du gerade viel um die Ohren hast.
Dein Kind fragt dich, weil es weiß, dass du die Antwort kennst.
Glaubenssätze setzen Grenzen, die es eigentlich gar nicht gibt
Viele Menschen laufen durchs Leben, als würden sie mit angezogener Handbremse fahren. Und zwar nur weil ihnen ein Glaubenssatz zuflüstert:
- „Ich muss es allen recht machen.“
- „Ich darf andere nicht belasten.“
- „Ich muss stark sein.“
- „Ich bin nicht wichtig.“
Solche Sätze wirken wie unsichtbare Gitterstäbe. Du siehst sie nicht, aber sie halten dich zurück.
Sie beeinflussen deine Beziehungen
Glaubenssätze steuern, wie du auf andere reagierst.
Wenn du glaubst, dass du immer für Harmonie sorgen musst, wirst du Konflikten aus dem Weg gehen.
Wenn du glaubst, dass andere dich „eh enttäuschen“, lässt du weniger Nähe zu.
Oft erschweren Glaubenssätze genau die Dinge, die wir uns am meisten wünschen: Verbundenheit, Respekt, gesehen werden und gleichberechtigt leben.
Und das Wichtigste: Glaubenssätze lassen sich verändern
Du bist deinen inneren Sätzen nicht ausgeliefert. Nur weil du sie irgendwann übernommen hast, heißt das nicht, dass sie heute noch stimmen oder gut für dich sind. Der eigentlich spannende Punkt ist: Wenn du deine Glaubenssätze kennst, kannst du entscheiden, welche bleiben dürfen und welche gehen müssen.
Und genau das schafft Raum für: mehr Leichtigkeit, weniger Stress, neue Handlungsmöglichkeiten, bessere Beziehungen und mehr Selbstwirksamkeit. Kurz gesagt: Wenn du deine Glaubenssätze kennst, entsteht Freiheit.
Welche Arten von Glaubenssätzen gibt es?
Du hast jetzt schon eine Idee davon, was Glaubenssätze sind und warum sie so eine große Rolle in unserem Leben spielen. Lass uns jetzt einen Schritt weitergehen und gucken, welche verschiedenen Arten von Glaubenssätzen es überhaupt gibt. Denn je besser du verstehst, wo ein Glaubenssatz hingehört, desto leichter kannst du ihn später auch verändern.
Glaubenssätze über dich selbst
Das sind die Sätze, die sich direkt auf dich beziehen. Sie stecken oft am tiefsten und haben besonders viel Macht über deine Entscheidungen.
Typische Beispiele:
- „Ich bin nicht gut genug.“
- „Ich darf keine Fehler machen.“
- „Ich bin zu sensibel.“
- „Ich schaffe das sowieso nicht.“
Manchmal klingen sie leiser, fast wie ein Flüstern:
- „Mach dich nicht lächerlich.“
- „Andere können das besser.“
Glaubenssätze über andere Menschen
Diese Sätze färben dein Bild von Beziehungen und beeinflussen, wie viel Nähe oder Vertrauen du zulässt.
Beispiele:
- „Man darf niemandem zu nahe kommen.“
- „Andere enttäuschen mich sowieso.“
- „Wenn ich nicht alles mache, macht es niemand.“
- „Konflikte sind gefährlich.“
Glaubenssätze über die Welt
Das ist die „große Bühne“ deiner inneren Überzeugungen. Sie bestimmen, wie du die Welt grundsätzlich wahrnimmst und welche Haltung du ihr gegenüber einnimmst.
Typische Beispiele:
- „Das Leben ist hart.“
- „Man muss immer kämpfen.“
- „Die Welt ist unsicher.“
- „Erfolg haben nur die anderen.“
- „Geld verdirbt den Charakter.“
Solche Sätze wirken oft besonders mächtig, weil sie so „allgemein“ klingen. Fast schon wie Naturgesetze. Dabei sind sie nichts anderes als Geschichten, die irgendwann in deinem mentalen Topf eingekocht wurden.
Wir alle haben unglaublich viele Glaubenssätze über die Welt, deshalb kann es sinnvoll sein, sie nach bestimmten Lebensbereichen (also themenbezogen) zu sortieren.
Beispiele zum Thema Geld & Arbeit:
- “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.”
- „Geld verdirbt den Charakter.“
- „Reich sein ist egoistisch.“
- „Arbeit muss hart sein, sonst zählt sie nicht.“
Beispiele zum Thema Rollenbilder (z. B. Mutterrolle, Partnerschaft):
- „Eine gute Mutter muss sich aufopfern.“
- „Ich muss immer stark sein.“
- „Ich darf nicht wütend sein.“
Beispiele zum Thema Beziehungen:
- „Liebe muss man sich verdienen.“
- „Wenn ich zu viel zeige, werde ich verletzt.“
Wie entstehen Glaubenssätze?
Glaubenssätze fallen nicht einfach vom Himmel. Sie entstehen im Laufe deines Lebens aus Geschichten, die du selbst erlebt hast und aus Geschichten, von denen dir berichtet wurde. Manche Geschichten treffen dich stärker als andere. Je mehr Gefühl in einer Situation steckt – Freude, Angst, Scham, Wut – desto tiefer gräbt sich die Erfahrung in dein Gehirn ein. Und desto wahrscheinlicher wird daraus später ein Glaubenssatz.
Glaubenssätze entstehen nicht nur aus Prägungssituationen (also aus Geschichten mit vielen Gefühlen). Glaubenssätze können auch durch die Geschichten entstehen, die dir Autoritäten (Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, berühmte Personen) erzählen. Und Glaubenssätze entstehen durch Wiederholungen, also wenn du die gleichen Geschichten immer wieder hörst. Dabei ist es egal, ob von anderen oder von dir selbst.
Wenn dir deine Mutter (Autorität) bei jeder sich bietenden Gelegenheit (Wiederholung) erzählt, wie dein Vater die Kartoffelsuppe hat anbrennen lassen und so fast die Küche in Brand gesetzt hat (Prägungssituation), kann dein Gehirn gar nicht anders, als daraus einen Glaubenssatz wie “Männer können nicht kochen” oder „Hausarbeit ist Frauensache“ zu entwickeln.
Und der sitzt dann in deinem Kopf, auch wenn er dir als Erwachsene gar nicht mehr logisch erscheint.
Ganz egal wie sie entstanden sind, Glaubenssätze können hinderlich sein. Insbesondere dann, wenn sie verhindern, dass du positive Erfahrungen machst.
Möchtest du Veränderung in deinem Leben herbeiführen, ist es sinnvoll, dass du dich mit deinen Glaubenssätzen zu dem jeweiligen Thema auseinandersetzt. Du hast zwar nicht immer bewusst entschieden, welcher Glaubenssatz in deinem Kopf ist. Aber du kannst entscheiden, welchen Glaubenssätzen du weiterhin Glauben schenken willst und welchen lieber nicht.
Wie erkennst du deine negativen Glaubenssätze?
Vielleicht denkst du jetzt: „Okay, ich habe Glaubenssätze. Aber wie finde ich denn bitte heraus, welche davon mich bremsen?“ Keine Sorge, das ist leichter als gedacht. Du brauchst dafür kein Coaching, nur ein bisschen Aufmerksamkeit.
Bitte beachte dabei: Glaubenssätze zu erkennen ist selten ein „Aha, da ist er!“-Moment, sondern ein Prozess.
Achte auf deine inneren Standardsätze
Viele hinderliche Glaubenssätze tauchen in deinem Kopf als kleine, automatische Kommentare auf. Fast wie ein Hintergrundrauschen. Achte mal auf typische Signalwörter, wie „immer“, „nie“, „muss“, „darf nicht“ oder „kann nicht“.
Zum Beispiel:
- „Ich muss das alleine schaffen.“
- „Ich darf keine Schwäche zeigen.“
- „Ich krieg sowas nie hin.“
- „Ich darf andere nicht enttäuschen.“
Gerade dann, wenn’s stressig wird, zeigt sich dein mentaler Autopilot besonders deutlich. Frag dich in solchen Situationen: „Was sage ich mir gerade selbst?“
Oft kommen dann Sätze wie:
- „Das darf nicht passieren.“
- „Ich muss das hinbekommen.“
- „Ich bin schuld.“
Diese Sätze sind fast immer mit Glaubenssätzen verknüpft.
Wenn du unsicher bist, ob ein Gedanke ein Glaubenssatz ist, frag dich:
- Macht mich dieser Gedanke größer oder kleiner?
- Gibt er mir Kraft oder nimmt er mir Kraft?
- Eröffnet er Möglichkeiten oder schränkt er mich ein?
Achte auf starke Gefühle
Starke Emotionen können dir den Weg zu einem hinderlichen Glaubenssatz weisen. Wenn du in bestimmten Situationen stärker reagierst, als es eigentlich angemessen wäre, dann steckt oft ein innerer Satz dahinter. Denn deine Reaktion kommt nicht aus der aktuellen Situation heraus, sondern aus deinem “inneren Topf”.
Beispiele:
- Du fühlst dich bei Kritik sofort angegriffen.
- Du wirst wütend, wenn jemand dir helfen will.
- Du fühlst dich klein, wenn andere etwas besonders gut können.
- Du schämst dich, wenn du etwas nicht perfekt erledigt hast.
Starke Emotion = Hinweis auf eine alte Geschichte = Hinweis auf einen Glaubenssatz.
Beobachte deine Entscheidungen
Manchmal erkennst du Glaubenssätze an dem, was du nicht tust.
- Du bewirbst dich nicht, obwohl du willst?
- Du sagst nicht Nein, obwohl du völlig überlastet bist?
- Du traust dich nicht, Hilfe anzunehmen?
Dann könnte dahinter ein Satz stehen wie:
- „Ich bin nicht gut genug.“
- „Ich darf niemanden enttäuschen.“
- „Ich muss alles alleine schaffen.“
Tipp:
Wenn du tiefer in deine inneren Muster einsteigen möchtest, hilft dir Selbstreflexion enorm weiter. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du das ganz leicht angehen kannst und welche Methoden wirklich gut funktionieren.
Fazit: Tricksen war gestern
Glaubenssätze sind wie kleine Geschichten, die sich in deine Gedanken schleichen und deinen Alltag stärker beeinflussen, als du vielleicht denkst. Sobald du beginnst, sie zu erkennen, entsteht ein erster Moment von Klarheit und genau dort beginnt Veränderung. Du bekommst ein Gefühl dafür, welche inneren Sätze dich tragen und welche dich eher bremsen.
Damit bist du gut vorbereitet für den nächsten Schritt: die eigentliche Transformation der Sätze, die du gerne loslassen möchtest.
In einem weiteren Artikel zeige ich dir, wie du deine Glaubenssätze auflösen, neu formulieren und mit passenden Erfahrungen stärken kannst. Schritt für Schritt, in deinem Tempo und so, dass es wirklich zu dir und deinem Alltag passt.






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