Es ist einer dieser Tage. Du holst dein Kind aus der Kita und du hast noch einiges zu erledigen. “Ich will auf den Spielplatz!”, ruft dein Kind, als du es an die Hand nimmst, um noch schnell etwas fĂĽrs Abendessen zu besorgen. Du seufzt. Der Einkauf wird sicher eine Herausforderung. Kaum betretet ihr den Supermarkt, geht’s los: „Ich will das nicht! Ich will das nicht!“
Was wäre, wenn du die Situation entschärfen könntest?
Bindungsspiele bieten dir eine wunderbare Alternative zu den üblichen Eltern-Reaktionen. In diesem Artikel erfährst du, was Bindungsspiele sind, warum sie so wirkungsvoll sind und wie du sie in euren Alltag integrieren kannst.
Das Wichtigste ĂĽber Bindungsspiele in KĂĽrze:
- Bindungsspiele sind spontane, interaktive Aktivitäten, die Nähe, Sicherheit und Verbundenheit zwischen Eltern und Kind schaffen – ganz ohne Wettbewerb oder strenge Regeln.
- Sie können helfen, Stress abzubauen, positive Gefühle zu stärken und gemeinsame Alltagssituationen entspannter zu gestalten.
- Kinder verarbeiten Ängste und innere Erlebnisse spielerisch. Das klappt umso besser, je mehr du als Elternteil mitspielst.
- Es gibt verschiedene Arten von Bindungsspielen – z. B. Symbolspiele, Nonsensspiele, Trennungsspiele oder kooperative Spiele –, die du bewusst in verschiedenen Situationen einsetzten kannst.
- Bindungsspiele gelingen am besten, wenn es dir gut geht.
Was sind Bindungsspiele?
Du hast bestimmt schon mal von der Bindungstheorie gehört. Sie besagt: Jeder Mensch – und vor allem jedes Kind – hat ein tiefes, angeborenes Bedürfnis nach Nähe, Sicherheit und emotionaler Verbindung. Wenn wir als Bezugspersonen es schaffen, dieses Bedürfnis regelmäßig zu erfüllen, entsteht etwas ganz Wunderbares: eine sichere Bindung. Und sie ist so etwas wie das unsichtbare Sicherheitsnetz deines Kindes. Sie gibt Halt, macht stark und ist das beste Fundament für eine gesunde psychische Entwicklung.
Der Alltag mit Kindern ist nicht immer nur Ponyhof und Picknick. Da gibt’s Wutanfälle im Supermarkt, Diskussionen darüber was angezogen werden soll, Tränen beim Abschied in der Kita oder dicke Luft nach einem langen Schultag. Solche Situationen bringen nicht nur dein Kind aus dem Gleichgewicht – sondern auch dich. Und genau dann ist die große Frage: Wie reagierst du?
Ignorieren? Schimpfen? Grenzen setzen? Alles nachvollziehbar. Vor allem, wenn du selbst auf dem Zahnfleisch gehst. Aber seien wir ehrlich: Diese Reaktionen lösen keine Entspannung aus. Weder bei dir noch bei deinem Kind. Was stattdessen helfen kann, ist etwas ganz anderes – und fast schon Magisches: Spielen. Ja, wirklich.
Bindungsspiele – Nähe, die durchs Lachen entsteht
Die Entwicklungspsychologin Aletha Solter hat das Konzept der Bindungsspiele aufgegriffen und systematisch beschrieben (ihr Buch dazu heiĂźt Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte). Die gute Nachricht: Du brauchst dafĂĽr kein besonderes Spielzeug und auch keine 30 Minuten freie Zeit am StĂĽck. Viele dieser Spiele passieren ganz von allein, im Alltag, mitten im Chaos. Du musst sie nur erkennen – und dich darauf einlassen.
Und was macht ein Bindungsspiel eigentlich aus?
- Es ist interaktiv – ihr spielt miteinander, nicht nebeneinander her.
- Es bringt Spaß und Lachen – ganz wichtig!
- Es braucht keine zusätzlichen Anschaffungen – du und dein Kind reichen völlig aus (vielleicht wird noch Zubehör, das eh schon da ist, eingebunden).
- Es gibt keine Gewinner oder Verlierer – es geht um Verbindung, nicht um Wettbewerb.
- Es hat keine starren Regeln – euer Spiel, eure Spielweise.
Oft sind es die Kinder, die solche Spiele von sich aus initiieren. Wenn dein Kind dir Kuscheltiere auf den Kopf setzt oder mit übertriebener Ernsthaftigkeit „Ich bin jetzt dein Lehrer!“ ruft – zack, Bindungsspiel. Und du hast die Wahl: mitmachen oder verpassen.
Also, worauf wartest du? Im nächsten Teil schauen wir uns an, warum diese Spiele so kraftvoll sind, was sie in deinem Kind (und dir!) auslösen – und wie du ganz leicht damit anfangen kannst.
Warum sind Bindungsspiele so wichtig?
Vielleicht fragst du dich jetzt: Was genau bewirken Bindungsspiele eigentlich – außer ein bisschen Lachen und Quatsch? Die Antwort ist: eine ganze Menge! Denn hinter dem scheinbar spielerischen Miteinander steckt echte Beziehungsarbeit. Und die wirkt sich nicht nur auf die Stimmung aus, sondern auch auf das, was in unseren Körpern passiert.
Immer dann, wenn wir Menschen positiv miteinander interagieren – also einander zuhören, gemeinsam lachen oder einfach Zeit miteinander verbringen – passiert im Körper etwas Faszinierendes: Oxytocin wird ausgeschĂĽttet. Dieses sogenannte Kuschelhormon sorgt dafĂĽr, dass wir uns verbunden fĂĽhlen, Vertrauen aufbauen und Nähe zulassen können. Gleichzeitig senkt es den Cortisolspiegel, also das Stresshormon, das uns sonst in den „Ich kann nicht mehr!“-Modus bringt.
Kurz gesagt: Spielen verbindet.
Bindung stärken
Gerade bei Babys ist es ganz selbstverständlich: Wir machen Grimassen, ahmen Geräusche nach, spielen Guck-Guck oder fliegen sie durchs Wohnzimmer. All das sind klassische Bindungsspiele. Aber nur weil dein Kind älter wird, heißt das nicht, dass es kein Bedürfnis nach Nähe mehr hat. Im Gegenteil! Auch Vorschul- oder Schulkinder (und ehrlich gesagt sogar Teenies) brauchen diese Momente der Verbundenheit – nur eben anders.
Im Alltag verlieren wir leider oft den Faden. Stress, Termine, Geschwister, Haushalt, Job – du kennst das. Und schwupps, lockert sich die Bindung zu unseren Kindern. Und sie spüren das: Sie werden anhänglich, zappelig oder wütend. All das kann ein Hinweis darauf sein, dass die Verbindung gerade ein kleines Update braucht. Die gute Nachricht: Mit einem Bindungsspiel kannst du die Bindung jederzeit wieder auffrischen – wie dein Handy, das kurz ans Ladekabel muss.
Stress abbauen
Weißt du noch, wann du das letzte Mal so richtig aus dem Bauch heraus gelacht hast? Dieses Lachen, das die Schultern locker macht, die Sorgen kurz verschwinden lässt und sich einfach nur gut anfühlt? Genauso lachen Kinder und Erwachsene oft bei Bindungsspielen. Und das hat richtig gute Nebenwirkungen:
- Cortisol sinkt
- Endorphine steigen
- die Stimmung wird leichter
- und dein Kind (und du!) fĂĽhlen sich wieder in der eigenen Haut wohl
Übrigens: Auch ein wilder Wutanfall kann ein Zeichen dafür sein, dass dein Kind gestresst oder überfordert ist. Nach dem Sturm folgt oft das Spiel – und mit dem Spiel das Lachen. Wenn du es schaffst, deinem Kind danach ein Spielangebot zu machen, in dem es sich sicher und gesehen fühlt, kann das wahre Wunder wirken.
Ängste spielerisch verarbeiten
Kinder sind Weltentdecker – aber manchmal begegnen sie Dingen, die ihnen Angst machen: Dunkelheit, Trennungen, ein blöder Spruch in der Schule, ein Streit mit der besten Freundin oder sogar ein Tier, das sie erschreckt hat. Solche Erlebnisse setzen sich fest, vor allem wenn Kinder noch nicht in der Lage sind, sie in Worte zu fassen.
Und hier kommen wieder die Bindungsspiele ins Spiel. Kinder verarbeiten ihre Ängste am liebsten spielerisch – in einem sicheren Rahmen und gemeinsam mit dir. Sie stellen die beängstigende Situation nach, aber diesmal mit einem entscheidenden Unterschied: Sie sind dabei in der Kontrolle. Du bist da, spielst mit, bist präsent – und schaffst damit einen Raum, in dem Angst sich auflösen kann.
Vielleicht verwandelt sich der gruselige Arztbesuch plötzlich in eine Szene mit Kuscheltieren, die sich gegenseitig impfen. Vielleicht wirst du zur schnurrenden Katze, obwohl dein Kind gerade erst von einer gekratzt wurde. All das sind Wege, wie Kinder sagen: „Ich möchte mich damit beschäftigen – aber auf meine Weise.“
Welche Arten von Bindungsspielen gibt es?
Bindungsspiele sind so vielseitig wie unser Familienalltag – und genau das macht sie so wertvoll. Es gibt keine feste Anleitung. Aber es gibt verschiedene Spielarten, die sich an ganz bestimmten Bedürfnissen orientieren. Je nachdem, ob dein Kind gerade Nähe sucht, Stress loswerden will oder einfach nur Quatsch machen möchte – für jede Situation gibt’s das passende Spiel. Hier stelle ich sie dir vor:
Nicht-direktive Spiele
Hier bist du nicht der Spielleiter, sondern der Spiel-Begleiter. Du setzt dich einfach zu deinem Kind, beobachtest, was es spielt, und folgst seiner Fantasie. Frag gern: „Was spielst du?“ oder „Darf ich mitspielen?“ – aber dann gilt: Dein Kind bestimmt den Ablauf. FĂĽr diese Art von Spielen brauchst du Materialien, die die Fantasie anregen: Bauklözte, Puppen, Kuscheltiere, Hand- oder Fingerpuppen, Knete, Anziehsachen zum Verkleiden, Autos – lauter Dinge, die sich ganz sicher auch bei dir zu Hause finden lassen.
Diese Art des Spiels zeigt deinem Kind: „Ich sehe dich. Ich nehme dich ernst.“ Und ganz nebenbei entstehen oft tiefere Einblicke in das, was dein Kind gerade beschäftigt – manchmal auch belastet. Sei also nicht überrascht, wenn plötzlich ein Streit mit der Kita-Freundin oder die Trennungsszene mit Playmobil-Figuren nachgespielt wird.
Symbolspiele
Symbolspiele helfen Kindern, belastende Situationen zu verarbeiten. Alles, was dein Kind beschäftigt – sei es das Zähneputzen, ein blöder Spruch auf dem Schulhof oder der erste Schwimmbadbesuch – kann im Spiel „nachgestellt“ und spielerisch aufgelöst werden.
Beispiel: Dein Kind hat Angst vorm Zähneputzen? Dann schnapp dir ein Kuscheltier und „putze“ dessen Zähne – und zwar ganz albern, mit Zahnbürste auf dem Bauch oder im Ohr. Und plötzlich wird aus Angst Lachen.
Kontingenzspiele
Diese Spiele funktionieren wie eine kleine Fernbedienung: Dein Kind macht etwas – und du reagierst auf lustige, vorhersehbare Weise. Wenn es z. B. ein Stofftier fallen lässt, sagst du laut „Aua!“ – immer und immer wieder. Kontingenzspiele können auch ohne Worte auskommen. Stupst dich dein Kind auf die rechte Wange, machst du ein fröhliches Gesicht, stupst es dich auf die linke machst du ein trauriges Gesicht. Du und dein Kind, ihr könnt euch weitere Bewegungsmuster ausdenken und weitere Körperteile mit einbeziehen. Unterwegs bei einem Spaziergang könnt ihr auch ein Kontingenzspiel spielen. Trage dein Kind Huckepack, und je nachdem auf welche deiner Wangen oder Schultern es dich tippt gehst du links oder rechts. Der Clou: Dein Kind bestimmt, was passiert, du folgst seinem „Knopfdruck“.
Das schafft Sicherheit und Kontrolle – gerade für Kinder, die sich sonst oft ohnmächtig fühlen. Und es bringt eine ganze Menge Lacher.
Nonsensspiele
Jetzt wird’s albern! Bei Nonsensspielen geht es darum, bewusst Quatsch zu machen: Du setzt dir die Hose auf den Kopf, bringst Reime durcheinander oder deckst den Tisch komplett falsch. Dein Kind wird sich vor Lachen kringeln – und du vielleicht auch.
Diese Spiele helfen dabei, aufgestaute Emotionen abzubauen – sei es Frust, Wut oder Angst. Lachen ist hier die beste Medizin.
Trennungsspiele
Klingt widersprüchlich, ist aber genial: Spiele wie Guck-Guck, Verstecken oder Fangen helfen deinem Kind, mit Trennungssituationen besser umzugehen. Sie zeigen: Auch wenn Mama kurz weg ist – es gibt ein schönes, sicheres Wiedersehen.
Wichtig ist der Moment des Wiedersehens: Sei da, freu dich ehrlich und zeig deinem Kind, dass es gesehen und geliebt wird.
Machtumkehrspiele
Im Alltag geben meist wir den Ton an – logisch. Umso befreiender ist es für dein Kind, mal die Rolle zu tauschen. Du bist Tollpatsch, das Angsthase oder Schwächling – und dein Kind ist stark, mutig, klug.
Kissenschlachten, Erschreck-Spiele oder gespielte Schwäche können helfen, Gefühle von Frust und Hilflosigkeit abzubauen – und stärken ganz nebenbei das Selbstbewusstsein deines Kindes.
Regressionsspiele
Bei Regressionsspielen zeigt dein Kind ein Verhalten, das eigentlich zu einem jüngeren Kind gehört. Dreijährige wollen beispielsweise wie ein Baby gewiegt werden, oder Vierjährige fallen in die Babysprache zurück. Das ist für uns Eltern häufig nervig, aber kein Grund zur Sorge. Dieser Rückzug ist ein Bindungsimpuls. Dein Kind möchte testen: „Bist du noch für mich da, auch wenn ich klein bin?“
Geh kurz mit in diese Phase. Wiege dein Kind, füttere imaginär, sing ein Schlaflied. Das schenkt Sicherheit – und macht Mut für die nächsten Schritte in Richtung Selbstständigkeit.
Außerdem sind Regressionsspiele besonders hilfreich für Kinder, die Traumata (durch Trennung, Vernachlässigung oder Misshandlung) haben. Sie können durch Regressionsspiele die Aufmerksamkeit erfahren, die sie in früheren Lebensjahren gebraucht hätten.
Aktivitäten mit Körperkontakt
Körperkontakt ist Bindung pur. Und oft steckt schon in einfachen Alltagsspielen eine liebevolle Berührung: auf den Arm nehmen, gemeinsam rutschen, Händchen halten. Besonders schön ist das „Pizza-backen“-Spiel: Dein Kind liegt auf dem Bauch und wird zur leckeren Pizza, die geknetet, belegt und im „Ofen“ (unter der Decke) gebacken wird.
Solche Spiele helfen deinem Kind, sich im eigenen Körper wohlzufühlen – und schenken gleichzeitig Geborgenheit.
Kooperative Spiele
Nicht jedes Spiel muss einen Gewinner haben. Beim kooperativen Spielen geht es darum, gemeinsam etwas zu erreichen – z. B. einen Turm zu bauen oder beim Tischtennis den Ball möglichst lange in der Luft zu halten.
Das stärkt das Gefühl von Zugehörigkeit und zeigt deinem Kind: „Ich bin wertvoll – auch ohne zu gewinnen.“ Kooperative Spiele erfüllen den ganz natürlichen Wunsch, einen eigenen Beitrag zu leisten. Und nebenbei helfen deinem Kind, die eigenen und die Stärken seiner Mitspieler zu erkennen. Es ergibt sich bei kooperativen Spielen häufig, dass die Mitspieler sich dazu anspornen, ihr Bestes zu geben.
Wie du Bindungsspiele richtig anwendest
Bindungsspiele sind keine starren Konzepte, die du nach Schema F abspulen musst. Im Gegenteil: Sie leben davon, dass du flexibel, aufmerksam und liebevoll reagierst. Es geht nicht darum, deinem Kind eine fertige Spielidee vorzusetzen, sondern darum, gemeinsam ins Spiel zu finden – und deinem Kind den Raum zu geben, der es braucht.
Lass dein Kind das Zepter ĂĽbernehmen
Klingt einfach, ist aber gar nicht so leicht umzusetzen: Beim Bindungsspiel sollte dein Kind bestimmen, wo es langgeht. Kinder wissen oft sehr genau, was sie brauchen – sie können es nur nicht immer klar sagen. Manchmal laden sie dich direkt zum Spiel ein („Mama, spielst du mit mir?“), manchmal geschieht es indirekt:
- Dein zweijähriges Kind zieht die Socken an die Hände. ➜ Einladung zu einem Nonsensspiel.
- Dein vierjähriges Kind führt sich wie ein Baby auf. ➜ Zeit für ein Regressionsspiel.
- Dein sechsjähriges Kind schießt mit einem imaginären Gewehr auf dich. ➜ Mach dich bereit für ein Machumkehrspiel.
- Dein zwölfjähriges Kind beschwert sich über den Punktestand beim Tischtennisspiel. ➜ Spielt eine kooperative Variante.
Wichtig ist: Du gehst mit. Du kannst natürlich auch selbst ein Spiel initiieren – achte dann aber darauf, ob dein Kind mitmacht. Wenn es nicht darauf anspringt, probiere etwas anderes aus oder geh einen Schritt zurück und biete ein einfaches, nicht-direktives Spiel an.
Manchmal wandelt sich das Spiel auch von ganz allein: Aus einem Nonsensspiel wird plötzlich ein Machtumkehrspiel. Oder dein Kind möchte nach zehn Minuten einfach etwas anderes tun. Das ist total in Ordnung. Vertraue dem Spielprozess – er muss nicht perfekt sein, nur echt.
Was, wenn du gerade keine Kraft hast?
Natürlich bist du nicht immer in Spiellaune. Und weißt du was? Das ist vollkommen okay. Du darfst das auch sagen. Unsere Kinder müssen nicht erleben, dass wir immer verfügbar sind – sondern dass wir ehrlich und verlässlich sind.
Sag also ruhig: „Ich kann jetzt nicht, aber später gerne.“ Und halte dich an dein Wort.
Oder: Binde dein Kind in das ein, was du sowieso machst. Beim Wäschefalten z. B. könnt ihr ein Spiel daraus machen, wer das coolste Sockenmonster findet. Spielen heißt nicht immer „auf dem Boden liegen“ – es heißt Verbindung herstellen.
Folge dem Lachen
Eine der besten Richtlinien beim Spielen: Folge dem Lachen. Echtes Kinderlachen ist wie ein inneres „Ja“ – ein Zeichen von Sicherheit, Nähe und Loslassen. Wenn dein Kind lacht, bist du auf dem richtigen Weg.
Aber achte auch auf die Zwischentöne: Ist das Lachen ehrlich? Oder eher nervös? Manchmal braucht es eine kleine Kurskorrektur – weniger übertrieben spielen, weniger erschreckend spielen, weniger wild spielen. Du wirst merken, was passt.
Was du lassen solltest
Ein paar Dinge können das Bindungsspiel schnell kippen lassen – hier ein paar No-Gos:
- Deutungen und Analysen während des Spiels: Lass das Spiel einfach Spiel sein. Wenn du das Bedürfnis hast, etwas zu „verstehen“, rede später mit einem Erwachsenen darüber – nicht mit deinem Kind.
- Kitzeln als Machtspiel: Auch wenn es Lachen auslöst, kann es dein Kind schnell in eine Ohnmachtsrolle bringen. Lieber ein Spiel mit bewusstem, sicheren Körperkontakt anbieten.
- Belehrungen oder Korrekturen während des Spiels: Wenn dein Kind in einem Symbolspiel eine Szene anders darstellt als sie „wirklich“ war, ist das okay. Es drückt damit seine innere Welt aus – nicht die Realität.
Wann Spielen nicht dran ist
Spielen ist kraftvoll – aber nicht immer passend. Wenn dein Kind gerade sehr traurig ist oder wütend, braucht es deine Nähe, nicht dein Spielangebot. Sei einfach da, begleite es durch das Gefühl.
Und wenn nach dem Spiel plötzlich Tränen fließen? Dann hat dein Kind vermutlich etwas losgelassen. Du hast nichts falsch gemacht. Im Gegenteil – du hast ihm einen sicheren Raum gegeben, um sich zu zeigen.
Wichtig: Wenn dein Kind ernsthafte traumatische Erfahrungen gemacht hat (z. B. Verlust, Missbrauch), kann Spielen unterstützen – ersetzt aber keine professionelle Begleitung. Scheue dich nicht, Hilfe zu holen.
Was brauchst du, um dich wirklich auf Bindungsspiele einlassen zu können?
Bindungsspiele klingen toll, oder? Und sie sind auch toll – wenn du die Kraft, die Ruhe und die innere Bereitschaft hast, dich darauf einzulassen. Und genau das ist oft die größte Herausforderung. Denn ganz ehrlich: Wie oft fühlst du dich am Nachmittag wie ein überfahrener Waschbär – platt, genervt, durch?
Gute Nachricht: Du bist damit nicht allein. Und: Du darfst auch zuerst auf dich schauen. Denn Bindungsspiele gelingen am besten, wenn es dir gut geht – oder du zumindest ein bisschen bei dir selbst angekommen bist.
Nimm deine BedĂĽrfnisse ernst
Elternsein bedeutet oft Geben, Geben, Geben. Und dabei verlieren wir unsere eigenen Bedürfnisse schnell aus dem Blick. Schau mal ehrlich hin: Wann hattest du das letzte Mal…
…eine halbe Stunde nur für dich?
…ein richtiges Gespräch mit deinem Partner?
…einen Spaziergang ganz ohne Verpflichtungen?
…einen Moment, um einfach mal zu atmen?
Wenn du dich um deine Grundbedürfnisse kümmerst – Schlaf, Essen, Ruhe, Austausch – hast du automatisch mehr Energie für eine liebevolle Verbindung mit deinem Kind. Und ja, das ist nicht nur erlaubt, sondern notwendig.
Schau auf deine eigenen Spielerfahrungen
Wie war Spielen in deiner Kindheit? Wurde mit dir gespielt? Durftest du albern sein, frei erfinden, loslassen? Oder war Spielen zweckgebunden, ernst oder gar nicht erwĂĽnscht?
Diese alten Erfahrungen wirken oft unbemerkt in uns weiter. Wenn du dich beim Spielen unwohl fühlst, schnell ungeduldig wirst oder das Gefühl hast, „nicht gut genug“ darin zu sein – kann das mit deiner eigenen Kindheit zu tun haben. Das ist kein Vorwurf. Sondern eine Einladung, liebevoll hinzuschauen.
Vielleicht hilft es dir, ein paar Erinnerungen aufzuschreiben oder dich mit jemandem darüber auszutauschen. Selbstreflexion ist kein Luxus – sie ist ein Geschenk.
Fang klein an – und schau, was zu dir passt
Du musst kein geborener Clown oder Animateur sein. Bindungsspiele brauchen keine perfekte Performance. Es reicht, wenn du echt bist. Fang klein an:
- Eine Runde Guck-Guck auf dem Sofa
- Eine Kissenschlacht, bei der du absichtlich verlierst
- Ein Quatschlied beim Zähneputzen
- Oder einfach still daneben sitzen und deinem Kind beim Spielen zusehen
Wichtig ist nicht, was ihr spielt – sondern wie: mit deiner vollen Aufmerksamkeit.
Du darfst auch mal Nein sagen
Du bist kein Entertainer auf Abruf. Du darfst sagen: „Jetzt nicht. Ich bin müde.“ Und das ist kein Bindungsbruch, sondern ehrliche Kommunikation. Verlässlichkeit entsteht auch dadurch, dass dein Kind lernt: Mama sagt, was sie meint. Und sie meint es liebevoll.
Wenn du dein Nein mit einem späteren Ja verbindest – und es dann auch einhältst – entsteht daraus sogar Vertrauen.
Fazit: Du bist genug – auch beim Spielen
Bindungsspiele sind eine wunderbare Möglichkeit, dein Kind zu stärken, euch näherzubringen und den Alltag zu entlasten. Aber sie sind kein Maßstab dafür, ob du eine „gute“ Mutter bist. Du musst nicht perfekt spielen. Du musst nur bereit sein, dich darauf einzulassen.
Und das geht am besten, wenn du dich selbst nicht vergisst.
Vielleicht merkst du beim Lesen oder Ausprobieren: Da ist noch mehr. Vielleicht fehlt dir die Leichtigkeit. Oder du fragst dich, wie du all das im Alltag unterbekommen sollst. Dann ist mein Kurs „Die Spielpause“ genau das Richtige fĂĽr dich. Dort bekommst du Raum fĂĽr deine Gedanken, Impulse fĂĽr mehr Verbindung im Familienalltag und ganz viel RĂĽckenwind fĂĽr deinen eigenen Weg. EinfĂĽhlsam, alltagstauglich, bestärkend.
Also: Hol dir, was du brauchst. Atme. Lach. Spiel. Und sei stolz auf jeden einzelnen Moment echter Verbindung. đź’›
Wenn du magst, teile gern in den Kommentaren: Welches Bindungsspiel hat bei euch schon mal für richtig gute Stimmung gesorgt? Oder was fällt dir beim Spielen noch schwer? Ich bin gespannt!
Bindungsspiele: Häufige Fragen
Was sind Bindungsspiele?
Bindungsspiele sind spontane und interaktive Aktionen mit deinem Kind, die Nähe und Vertrauen erzeugen. Sie kommen ohne spezielles Spielzeug oder feste Regeln aus.
Wer hat die Bindungsspiele erfunden?
Niemand. Unter dem Begriff “Bindungsspiele” hat die Entwicklungspsychologin Aletha Solter Spiel zusammengefasst, die sie bei Kindern unterschiedlichen Alters über verschiedene Länder hinweg beobachtet hat. Sie hat die Arten der verschiedenen Bindungsspiele systematisch in ihrem Buch „Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte“ beschrieben.
Welche Arten von Bindungsspielen gibt es?
Aletha Solter beschreibt 9 Arten von Bindungssspielen.
- Kooperative Spiele
- Nicht-direktive Spiele
- Symbolspiele
- Kontingenzspiele
- Nonsensspiele
- Trennungsspiele
- Machtumkehrspiele
- Regressionsspiele
- Aktivitäten mit Körperkontakt
Muss ich spezielles Spielzeug haben, um mit meinem Kind diese Spiele zu spielen?
Nein. Die meisten Spiele entstehen spontan im Alltag; du brauchst nur dich und dein Kind (evtl. vorhandene Alltagsdinge).
Was zeichnet ein Bindungsspiel aus?
- Es ist interaktiv – ihr spielt miteinander, nicht nebeneinander her.
- Es bringt Spaß und Lachen – ganz wichtig!
- Es braucht keine zusätzlichen Anschaffungen – du und dein Kind reichen völlig aus (vielleicht wird noch Zubehör, das eh schon da ist, eingebunden).
- Es gibt keine Gewinner oder Verlierer – es geht um Verbindung, nicht um Wettbewerb.
- Es hat keine starren Regeln – euer Spiel, eure Spielweise.
Welche Wirkung haben Bindungsspiele auf Kinder?
Sie fördern emotionale Verbundenheit, bauen Stress ab und helfen, Ängste spielerisch zu verarbeiten.
Wie kann mein Kind beim Spielen Ängste verarbeiten?
Dein Kind stellt eine beängstigende Situation im Spiel nach. Allerdings mit dem Unterschied, dass es nun die Kontrolle hat und nicht ausgeliefert ist. Wenn du mitspielst und präsent bist, kannst du den Raum schaffen, in dem sich Angst auflösen kann.
So wird beispielsweise aus dem gruseligen Arztbesuch eine Szene mit Kuscheltieren, die sich gegenseitig impfen.
Welche Wirkung haben Bindungsspiele auf Erwachsene?
Auch Eltern erleben Entlastung im Spiel: Lachen wirkt stresslösend und stärkt die Beziehung. Außerdem bieten dir viele Spielsituationen einen tiefen Einblick in das, was dein Kind gerade beschäftigt. Durch das Mitspielen erfährst du viel mehr als wenn du fragst “Wie war es heute im Kindergarten / in der Schule?”
Warum sind Bindungsspiele so kraftvoll?
Sie fördern die Ausschüttung von Oxytocin (dem „Kuschelhormon“) und senken gleichzeitig das Stresshormon Cortisol wodurch Nähe entsteht und Entspannung gefördert wird.
Gibt es Situationen, in denen Bindungsspiele nicht gespielt werden sollten?
Ja. Wenn dein Kind gerade sehr traurig oder wĂĽtend ist.









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