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“Hilfe, ich schreie meine Kinder an!” – Warum das passiert und wie du da rauskommst 

“Hilfe, ich schreie meine Kinder an!” – Warum das passiert und wie du da rauskommst 

Morgens, kurz vor halb acht.

Wir haben gefrühstückt. Die Brotdosen sind gepackt und in den Rucksäcken verstaut. Nun stoben wir auf unser Nadelöhr zu – den Flur. Gemeinsames Anziehen. Alle müssen los. Die Kinder zum Bus, ich zur Arbeit.

Auf dem Weg dorthin die zweite oder dritte Geschwisterkabbelei.

Wer ist zuerst im Flur?
Wer hat zuerst die Jacke an?
Wer kann „Ällabätsch!“ sagen?

Heute habe ich beschlossen, darüber hinwegzuatmen. Obwohl mir dieses ständige Messen – höher, schneller, weiter – tierisch auf den Keks geht.

Dann findet jemand seine Handschuhe nicht.
Ein anderer schubst.
Ich zähle im Kopf bis zehn.

Dann fällt einem meiner Kinder ein, dass es noch etwas vergessen hat und es stampft (natürlich mit Schuhen!) in sein Zimmer.

Da platzt es aus mir heraus:
„Schuhe aus, verdammt noch mal! Weißt du eigentlich, wie spät es ist? Der Bus kommt gleich!“

Tja.
Da war er wieder – der Wutausbruch.

Wenn du dich schon einmal gefragt hast: „Warum bin ich so eine schreiende Mutter geworden?“, dann lies bitte weiter. In diesem Artikel geht es darum, was du tun kannst, wenn du dein Kind angeschrien hast. Und wie du solche Situationen im Idealfall vermeidest. Also lass uns mal die Lupe nehmen und ganz genau untersuchen, was passiert, wenn wir unsere Kinder anschreien.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Du bist keine schlechte Mutter, weil du schreist. Dein Schreien zeigt, dass Emotionen und Überforderung im Alltag mit Kindern sehr real sind. Deine Erschöpfung und innere Antreiber (z. B. „Alles richtig machen“) können Lautwerden begünstigen.
  • Du gehst den ersten Schritt zur Veränderung, wenn du erkennst, welche Situationen und inneren Muster dich besonders schnell in laute Reaktionen bringen.
  • Du kannst lernen, Frühwarnzeichen deines Körpers und deiner Emotionen wahrzunehmen, bevor Schreien entsteht. Pausen, Atemtechniken und bewusste Unterbrechungen geben dir Raum, um nicht impulsiv zu reagieren, sondern klarer und ruhiger zu handeln.
  • Langfristig bringt dich Selbstfürsorge und das Erlernen neuer Strategien aus dem Schreien raus.
  • Du stärkst die Beziehung zu deinem Kind, wenn du nach einem lauten Ausbruch Verantwortung übernimmst, dich entschuldigst und „Platz machst“ damit ihr euch wieder verbinden könnt. Übrigens: Reparation nach Konflikten stärkt Vertrauen mehr als stures „Immer ruhig bleiben“.

Was bedeutet „Anschreien“ eigentlich? Und was ist schlimm daran?

Du hast dein Kind ja nicht geschlagen. Und ja – es ist ein Unterschied, ob ein Kind geschlagen oder angeschrien wird. Und gleichzeitig dürfen wir ehrlich sein:

Anschreien ist verbale Gewalt.

Damit meine ich nicht, dass du eine „gewalttätige Mutter“ bist. Sondern dass Lautstärke bedrohlich ist und Worte verletzen können

Allerdings verläuft die Grenze zum sogenannten verbalen Missbrauch fließend. Darunter versteht man das Verwenden von negativen Worten und einer Sprache, die jemandem schaden soll (Beschuldigungen, Beleidigungen, Verspottung, Kritik, Drohungen, etc.). Es geht dabei nicht nur ums Schreien und laute Schimpfen. Auch leise, subtile Bemerkungen, der Tonfall, die Lautstärke und Mimik spielen eine Rolle.

Selbst wenn es unabsichtlich oder gedankenlos geschieht, ist verbaler Missbrauch langfristig mit einer Reihe negativer Auswirkungen für dein Kind verbunden, wie ein systemaschiches Review von zahlreichen Studien zeigt:

  • Geringes Selbstwertgefühl und soziale Schwierigkeiten
  • Verhaltensauffälligkeiten (Lügen, Stehlen, aggressives Verhalten)
  • Drogenmissbrauch
  • Angststörungen
  • Depression

Forschende fordern daher, dass “wegen der lebenslangen negativen Folgen verbaler Missbrauch in der Kindheit dringend als eine Unterart von Missbrauch anerkannt” werden muss (Professor Shanta Dube).

Selbst wenn du dich von Forschungsergebnisse unbeeindruckt zeigst. Wenn wir schreien, verlieren wir kurzzeitig die Verbindung – zu uns selbst und zu unserem Kind. Und allein deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen.

Was bei dir passiert, wenn du dein Kind anschreist

Zuerst einmal: Du bist kein Monster.

Das Schreien ist meistens keine bewusste Entscheidung. Es ist eine erlernte Strategie, um mit einem Gefühl von Ohnmacht umzugehen.

Wenn du merkst: „Ich schreie meine Kinder an, obwohl ich das gar nicht will“, lohnt sich ein Blick auf dein Nervensystem. Denn in solchen Momenten bist du überfordert und gestresst. Dann triggert dich etwas, der berühmte Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen. 

Und dein Nervensystem denkt: Gefahr!
Dein Körper schaltet in den Alarmmodus. Herzschlag hoch. Stresshormone fluten dich. Denken? Kaum noch möglich. Du reagierst.

Ich bin fest überzeugt, dass eine schreiende Mutter eine überlastete Mutter ist. Und das Schreien verschafft dir für einen kurzen Moment Entlastung. Vielleicht auch ein Gefühl von Kontrolle. Aber nur ganz kurz.

Denn oft folgt danach etwas anderes: Schuldgefühle.

Vielleicht kennst du diese innere Stimme:
„Das war unnötig.“
„Ich wollte doch nicht so sein.“
„So habe ich das als Kind selbst erlebt.“

Manchmal meldet sich sogar deine eigene Kindheit. Erinnerungen daran, wie du angeschrien wurdest. Wie klein du dich gefühlt hast, als ein Erwachsener laut geworden ist.

Diese Schuldgefühle erzeugen wieder Stress. Und zack, da passiert es ganz schnell, dass du in einem Teufelskreis feststeckst.  

Was bei deinem Kind passiert, wenn du es anschreist

Auch das Nervensystem deines Kindes schaltet auf Alarm. Dein Kind fühlt sich bedroht, auch wenn „nur“ geschrien (und nicht beleidigt oder verspottet) wird.

Angst überflutet sein Gehirn, wodurch Denken und Lernen in dem Moment blockiert werden – dein Kind hört vor allem die Lautstärke, und viel weniger den Inhalt. ​Mach dir bitte bewusst, dass Kinder verbale Gewalt ähnlich bedrohlich erleben wie körperliche Gewalt. 

In der aktuellen Situation wird dein Kind höchstwahrscheinlich mit Angst, Scham und Rückzug reagieren. Vielleicht fließen Tränen. Vielleicht zeigt es aber auch Trotz und reagiert gewaltsam, indem es ebenfalls schreit und schimpft.

In diesem Moment braucht dein Kind unbedingt Sicherheit. Ob es die bekommt, beeinflusst, wie dein Kind das Anschreien langfristig verarbeiten kann. Also ob sich negative Effekte auf seine psychische Entwicklung und allgemeine Stressverarbeitung zeigen oder eben nicht. 

Deshalb ist es so wichtig, was du direkt nach dem Schreien tust.

Du hast dein Kind angeschrien: Wie kannst du es wieder gutmachen?

Ich glaube, jede Mutter ist hin und wieder gestresst und wahrscheinlich wird jede irgendwann mal laut.

Das ist ok. Mach dir aber bitte klar, dass es immer die Erwachsenen sind, bei denen die Verantwortung für die Qualität der Beziehung liegt. Und eben nicht bei den Kindern. Gleichwohl ist es möglich, dass dein Kind durch sein Verhalten etwas bei dir triggert. Deshalb bist du wütend geworden und hast dein Kind angeschrien.

Was du dann tun darfst, ist für dein Verhalten die Verantwortung zu übernehmen. Und das bedeutet, du entschuldigst dich, sobald du wieder in die Selbstanbindung gefunden hast. Und zwar ohne dein Verhalten zu relativieren. Das heißt, du sagst (und meinst): „Ich war eben sehr laut. Das tut mir leid.“

Es ist wichtig, dass du dein Kind entlastest. Damit es weiß, dass es nicht daran schuld ist, wie du dich verhalten hast. „Du bist nicht schuld, dass ich geschrien habe. Ich war überfordert.“

Und dann ist es an der Zeit, wieder in Verbindung zu kommen. Du kannst dein Kind fragen, wie es ihm geht: „Kann es sein, dass du dich erschreckt hast, weil ich so laut geworden bin?“ 

Dieser Moment der “Beziehungsreparatur” ist total wichtig. Rede über das, was passiert ist. Nur über das Reden hast du die Möglichkeit deinem Kind zu vermitteln, dass es nicht Schuld an deinem Verhalten ist. Indem du dein Kind fragst, wie es ihm geht, gibst du ihm Raum zurück. Es kann ausdrücken, wie es ihm geht. Durch das Gespräch, dass dann entsteht, kannst du die Verbindung zu deinem Kind wieder aufbauen. Du erhältst Einblick in seine Perspektive und du zeigst ihm: Du bist mir wichtig. Du kannst nachfragen.  

Das Reden hilft auch dir, um mit möglichen Schuldgefühlen auf deiner Seite klarzukommen. Vielleicht verspürst du den Impuls, dein Verhalten wieder gutmachen, indem du dich besonders gönnerhaft zeigst (deinem Kind etwas kaufst, ihm mehr von etwas zugestehst – seien es Medienzeit, Süßigkeiten) oder dich vor deinem Kind schlecht redest. Beides sind erlernte Strategien, die in dieser Situation nicht hilfreich sind.

Ich schreie meine Kinder an – warum passiert das immer wieder?

Wenn du damit aufhören möchtest, dein Kind immer wieder anzuschreien, dann hilft es nicht, dir ganz fest vorzunehmen, das nie wieder zu tun. Denn es liegt nicht an mangelnder Disziplin, wenn es dir dann doch wieder passiert. Willst du wirklich etwas verändern, dann lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und auf das große Ganze zu blicken. 

Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Hauptgründe dafür, dass Eltern ihre Kinder anschreien.

Weil der Alltag mit Kindern viele Konflikte bereithält

Konflikte entstehen, weil zwei unterschiedliche Bedürfnisse aufeinandertreffen.

Du willst vielleicht morgens pünktlich aus dem Haus.
Dein Kind will noch in Ruhe spielen.

Dein Kind möchte den Wind in den Haaren spüren.
Dir ist wichtig, dass es eine Mütze trägt. Weil du keine Lust hast, mit einem kranken Kind von zu Hause zu arbeiten.

Beides ist nachvollziehbar. Beides ist legitim.

Das Problem beginnt erst dann, wenn wir innerlich in diesen Modus rutschen: „Wer setzt sich jetzt durch?“

Wenn wir anfangen, an Gewinner und Verlierer zu denken.
In richtig und falsch.
In Macht und Kontrolle.

Dann landen wir im Kampf. Und Kampf erzeugt Gegendruck. Je mehr du drückst, desto mehr stemmt sich dein Kind dagegen. Nicht, weil es dich ärgern will, sondern weil auch in ihm ein Bedürfnis steckt, das gesehen werden möchte.

Die interessante Frage ist deshalb nicht:
„Wie bringe ich mein Kind dazu, zu machen, was ich will?“

Sondern:
„Wie können wir beide mit unseren Bedürfnissen Raum bekommen?“

Das heißt nicht, dass dein Kind immer entscheidet. Und es heißt auch nicht, dass du dich ständig zurücknehmen musst. Es heißt, dass ihr ins Gespräch kommt

Du könntest sagen:
„Du möchtest keine Mütze tragen, weil du den Wind spüren willst. Und ich mache mir Sorgen, dass du krank wirst. Wie können wir das lösen?“

Vielleicht findet ihr einen Kompromiss.
Vielleicht trägt dein Kind die Mütze nur auf dem Hinweg.
Vielleicht nehmt ihr sie mit und dein Kind entscheidet später, wann es ihm zu kalt wird.

Nicht jede Lösung wird perfekt sein. Aber dein Kind lernt etwas Wichtiges: Seine Bedürfnisse zählen. Und deine auch.

Konflikte können ein Ort sein, an dem Beziehung wächst. Wenn wir aufhören zu kämpfen und anfangen zuzuhören. 

Weil deine Wut schon vorher da war

Wut ist erstmal nichts Schlechtes. Im Gegenteil, sie will dir etwas zeigen.

Wut sagt: „Hier stimmt etwas nicht.“
Oder genauer: „Hier wurde eine Grenze verletzt.“

Und das ist ziemlich hilfreich. Denn Wut setzt Energie frei. Sie macht dich wach. Klar. Handlungsfähig. Wenn dich jemand unfair behandelt oder deine Bedürfnisse übergeht, hilft dir Wut dabei, für dich einzustehen.

Das Problem ist also nicht die Wut. Das Problem ist, wie wir mit ihr umgehen und worauf sie sich wirklich bezieht. Wenn du wegen deines Kindes wütend wirst, fühlt es sich so an, als hätte es gerade deine Grenze überschritten.

Dein Kind hört nicht, sondern diskutiert.
Dein Kind ignoriert deine Ansage oder macht genau das Gegenteil von dem, was du gesagt hast.

Und in dir steigt vielleicht dieser Gedanke hoch:
„Das kann doch nicht sein! Ich bin hier die Erwachsene. Ich sage, wo es lang geht!“

Aber schau mal genauer hin. In den wenigsten Fällen wird tatsächlich eine echte Grenze verletzt. Dein Kind bedroht dich nicht. Es missachtet dich nicht absichtlich. Es kämpft nicht gegen dich.

Viel häufiger passiert etwas anderes: Das Verhalten deines Kindes triggert etwas in dir.

Vielleicht zeigt dein Kind ein Verhalten, das du früher selbst gezeigt hast und für das du Ärger bekommen hast.
Vielleicht warst du laut, wild, widerspenstig.
Und vielleicht wurde genau das damals unterdrückt.

Und nun stehst du da und reagierst auf dein Kind so, wie damals auf dich reagiert wurde. Fast automatisch. Fast so, als würde dich ein altes Programm steuern, das im Hintergrund weiterläuft.

Oder vielleicht fühlst du dich in deiner Autorität herausgefordert. Nicht, weil dein Kind dich entmachten will. Sondern weil in dir ein alter Glaubenssatz sitzt: „Wenn mein Kind nicht sofort hört, verliere ich die Kontrolle.“

Wut entsteht dann nicht nur aus der aktuellen Situation. Sie speist sich aus alten Erfahrungen, aus Erwartungen, aus innerem Druck.

Und genau deshalb lohnt es sich, bei der nächsten Wut nicht nur zu fragen:
„Was macht mein Kind da?!“

Sondern auch:
„Was genau trifft mich hier gerade so?“

Denn oft geht es nicht nur um die aktuelle Situation, sondern um etwas Tieferes. Wenn du das erkennst, verändert sich etwas. Du wirst freier, reagierst bewusster. Und deine Wut verliert ein Stück ihrer Wucht. Sie ist dann nicht weg, aber du verstehst sie besser.

Was kannst du tun, damit du dein Kind nicht anschreist?

Hier kommen konkrete Schritte, die dir helfen können, ruhiger zu bleiben. Damit du gar nicht erst ins Schreien rutschst. 

Akute Hilfe: wenn du merkst, dass du kurz vor dem explodieren bist

Glückwunsch! Du bemerkst, dass sich etwas anbahnt und hast nun die Möglichkeit, etwas anders als sonst zu machen. Du könntest:

  • den Raum verlassen
  • bis zehn zählen
  • tief durchatmen

All das hilft. Es unterbricht den Moment. Es verschafft dir ein paar Sekunden Abstand. Aber ehrlich gesagt: Das sind eher Pflaster. Gute Pflaster – keine Frage. 

Gefühle zu benennen ist da schon ein anderes Kaliber.

Wenn du in der Situation sagst:

  • „Ich merke gerade, dass ich richtig wütend werde.“
  • „Ich bin total gestresst und fühle mich unter Druck.“
  • „Ich brauche einen Moment, um mich zu beruhigen.“

Dann passiert mehr als nur eine Unterbrechung.

Indem du deine Gefühle benennst, aktivierst du wieder dein Denkzentrum. Dein Gehirn wechselt vom Alarmmodus zurück in den Steuerungsmodus. Du holst deinen Verstand quasi wieder mit ins Boot.

Und noch etwas Wichtiges passiert:
Du zeigst deinem Kind einen gesunden Umgang mit Emotionen.

Du schreist nicht.
Du beschimpfst nicht.
Du explodierst nicht.

Du zeigst: Gefühle sind da und ich kann sie regulieren.

Gefühle zu benennen ist deshalb mehr als ein Pflaster. Es ist ein kleiner Schritt in Richtung langfristiger Veränderung. Du trainierst dein Nervensystem. Und du stärkst gleichzeitig eure Beziehung.

Und falls es dir im ersten Moment nur halbwegs gelingt, ist das auch ok. Es geht nicht darum, in Stresssituationen druckreif zu formulieren. Es reicht, wenn du ehrlich bist:

„Ich bin gerade echt überfordert.“

Das ist mutig.
Und ein großer Unterschied zum Anschreien.

So kommst du dauerhaft raus aus dem Schreien

Wenn du wirklich etwas verändern möchtest, reicht es nicht, nur im Akutfall anders zu reagieren. Willst du verhindern, dass dir immer wieder die Sicherung durchbrennt, dann darfst du an die Wurzel schauen.

Deinen eigenen Stress ernst nehmen

Viele Mütter funktionieren. Jeden Tag. Ohne Pause. 

Wenn dein innerer Akku dauerhaft im roten Bereich läuft, dann reicht eine Kleinigkeit und es knallt. 

Deshalb ist es notwendig, deinen Stress zu reduzieren und Selbstfürsorge zu priorisieren.

Frag dich ehrlich:

  • Wo stehe ich gerade?
  • Was zieht mir dauerhaft Energie?
  • Wo darf ich Druck rausnehmen?

Vielleicht bedeutet das, Aufgaben abzugeben. Vielleicht heißt es, Erwartungen zu senken. Vielleicht heißt es auch, Hilfe anzunehmen, obwohl es dir schwerfällt.

Neue Strategien lernen

Den wenigsten von uns wurde beigebracht, Konflikte ruhig zu begleiten. Wir sollen es einfach können. Aber emotionale Selbstregulation ist eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten kann man lernen.

Du kannst lernen, 

  • deine Wut früher zu bemerken,
  • Konflikte so zu lösen, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten (ja, auch deiner!) erfüllt sind,
  • Grenzen klar und ruhig zu setzen.

Und du kannst lernen, mit Stress spielerisch umzugehen.

Stress im Familienalltag entsteht oft genau dann, wenn die Zeit drängt, etwas nicht nach Plan läuft oder du das Gefühl hast, gegen Widerstand anzukämpfen. In solchen Momenten hilft es, den Ernst ein Stück weit herauszunehmen.

Ein spielerischer Umgang mit Stress bedeutet zum Beispiel:

  • ganz bewusst kurze, leichte spielerische Elemente in den Alltag einzubauen – selbst mitten in stressigen Situationen, statt nur dann, wenn alles „ruhig“ wäre,
  • aus einem fordernden Moment ein gemeinsames kleines Spiel zu machen, bei dem dein Kind und du zusammen lachen oder zusammen etwas entdecken,
  • den Blick von „Warum macht es das nicht so wie ich will?“ zu „Was können wir zusammen daraus machen?“ zu verschieben.

Wie das geht, zeige ich dir gerne im Eltern-Kurs “Die Spielpause”.

Eine Mutter hält ihrem Kind einen Pulli hin, aber das Kind möchte ihn nicht anziehen.
Mutter schreit das Kind an, das Kind blickt erschrocken.
Mutter zieht sich den Pulli über den Kopf und albert mit dem Kind herum.

Natürlich braucht das Erlernen neuer Strategien etwas Übung und Geduld. Vor allem mit dir selbst. Du wirst nicht von heute auf morgen nie wieder schreien. Aber du wirst merken, dass du Situationen mit mehr Leichtigkeit begegnest. Dass du schneller innehalten kannst. Und dass du nach schwierigen Momenten schneller wieder in Verbindung kommst.

Fazit: Fehler machen und trotzdem verbunden bleiben

Ja. Es passiert.

Du schreist.
Die Worte sind raus.

Und dann steht da dieser kleine Mensch vor dir und du wünschst dir, du könntest die letzten 30 Sekunden zurückspulen.

Aber weißt du was?
Elternschaft ist kein Wettbewerb. Es ist ein Lernprozess

Du schreist dein Kind nicht an, weil du eine schlechte Mutter bist. Sondern weil du gestresst bist, dich ohnmächtig fühlst, dein Nervensystem im Alarmmodus ist und alte Muster dein Handeln übernehmen. Das zu verstehen, nimmt dir nicht die Verantwortung. Aber es nimmt dir die Selbstverurteilung.

Du kannst lernen, anders zu reagieren und langfristig an deiner eigenen Entlastung arbeiten.

Jede Entschuldigung stärkt eure Bindung.
Jedes ehrlich ausgesprochene Gefühl zeigt deinem Kind, wie man mit starken Emotionen umgehen kann.
Jede kleine Veränderung durchbricht den alten Kreislauf.

Du musst nicht das „Super-Mama-Kostüm“ tragen.
Du darfst Mensch sein. Mit Gefühlen. Mit Fehlern. Mit Entwicklung.

Und vielleicht ist die wichtigste Botschaft, die dein Kind von dir lernen darf:

Wir dürfen wütend sein.
Wir dürfen Fehler machen.
Und wir können immer wieder zueinander finden.

Wer schreibt hier?

  • Ulrike Wolf

    begleitet Mütter dabei, aus dem Dauerstress des Alltags auszusteigen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und echte Verbundenheit im Familienleben zu schaffen. Dabei greift sie auf eigene Erfahrungen als Mutter zweier Kinder, fundierte Coaching-Methoden und ihr Wissen zur Nervensystemregulation zurück.

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